Mit Venezuela bricht Russland der nächste wichtige Öl-Partner weg. Trotzdem schweigt Wladimir Putin. Der Grund ist laut Experten klar.
Moskau – Lange Zeit galten Venezuela und Russland als enge Verbündete. Die Präsidenten Wladimir Putin und Nicolás Maduro verband nicht nur die Ausübung ihrer Macht auf gewisse diktatorische Art. Auch die Interessen schienen durchaus zueinanderzupassen. Russland spekulierte auf Venezuelas Öl, gleichzeitig auf steigenden geografischen Einfluss nahe dem Erzfeind, den USA. Venezuela hingegen gewann einen mächtigen Verbündeten. Doch am 3. Januar brachte diese Partnerschaft Maduro herzlich wenig.
Noch im Mai 2025 lobte Maduro Putin überschwänglich, beide unterzeichneten ein Abkommen für eine bessere strategische Partnerschaft. Als US-Präsident Donald Trump Anfang Januar dann seine Truppen schickte, Maduro und dessen Frau festnehmen und in die USA bringen ließ, blieb der mächtige Partner aus Russland still. Auch die von Russland bereitgestellte Luftverteidigung konnte gegen den Angriff aus den USA nichts ausrichten.
Putin im Öl-Dilemma: Kreml-Chef schweigt zum US-Angriff in Venezuela
Seither wundert sich die Welt über das Schweigen der Russen. Putin und seine Vertrauten sind seit Ausbruch des Ukraine-Krieges hinlänglich dafür bekannt, bei jeder Provokation mit Gegenmaßnahmen zu drohen. Nach der Festnahme Maduros meldete sich lediglich Außenminister Sergej Lawrow und verurteilte das Vorgehen der USA. Putin aber schwieg.
Wenige Tage später zeichnete sich ein ähnliches Bild. Als die USA einen Tanker, der zur russischen Schattenflotte gehören soll, im Atlantik beschlagnahmten, hieß es aus Russland, man beobachte die Lage und fordere eine sichere Heimreise des Tankers. Eine befürchtete Eskalation – immerhin sollen sich russische Marineeinheiten und auch ein U-Boot in der Nähe befunden haben – blieb aus. Auch rhetorisch. Wieder blieb Putin still.
Russlands Öl-Bollwerk bröckelt: Schon zum dritten Mal lässt Putin Partner einfach fallen
Die Lage hat Putin besonders wirtschaftlich ins Dilemma gebracht. Das Öl-Bollwerk des Kreml-Herrschers bröckelt durch den Sturz Maduros gewaltig. Nicht nur, weil nun Venezuela auch im Ölgeschäft wegfällt. Es ist bereits das dritte Mal binnen weniger Monate, dass Putin einen wirtschaftlich wichtigen Partner einfach im Stich lässt. 2024 wurde der syrische Diktator Baschar al-Assad gestürzt. Putin nahm den Aufstand einfach hin. Im Sommer 2025 dann jagte Trump Bomben in die iranischen Atomanlagen. Wieder kamen lediglich leere Drohungen, keine Taten folgten.
Jetzt also das gleiche Spiel mit Venezuela. Jahrelang hatte Putin das Land zu einer Art antiamerikanischer Festung aufgebaut. Jetzt lässt er es einfach fallen. Experten sehen in den Entwicklungen einen klaren Bedeutungsverlust Russlands. „Die Operation in Venezuela zeigt, dass Russlands Einfluss in der Welt schwindet“, zitiert das Handelsblatt etwa Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. „Dies ist die jüngste einer Reihe von Entwicklungen, bei denen Russland seine Partner und Verbündeten im Stich gelassen hat – es konnte ihnen nicht mehr viel helfen, als sie unter militärischen Druck gerieten“, schätzt Politikwissenschaftlerin Hanna Notte die Lage in einer Analyse der Financial Times ein.
Warum schweigt Putin zu Trumps Venezuela-Angriff? Experten haben klare Meinung
Aber warum lässt Putin erneut einen auch wirtschaftlich wichtigen Handelspartner einfach fallen? Die Meinungen der Experten sind eindeutig. Russlands Kooperation etwa mit Venezuela sei schon vor Trumps Eingriff „eher symbolischer als praktischer Natur“ gewesen, sagte Neil Melvin vom Royal United Services Institute bei der Deutschen Welle. Auch Politikwissenschaftler Felix Riefer sagte in dem Medium, Putin habe „Maduro eigentlich schon vorher fallen lassen“. Der Grund: Putin habe schlichtweg keine Mittel, um wirklich mit Taten zu intervenieren.
Zum einen sei das Militär schlichtweg in der Ukraine zu stark eingebunden, um andere, große Einsätze steuern zu können, schätzt Politikwissenschaftler Meister im Handelsblatt ein. Ein Problem, das man auch schon im Iran und in Syrien beobachtet habe. Zum anderen verhindert auch die diplomatische Seite eine scharfe Reaktion Putins. Seit dem Alaska-Treffen von Trump und Putin im August 2025 haben sich beide Staatschefs wieder angenähert. Zuletzt hatte das Vertrauen Trumps in Putin nach dem vermeintlichen Drohnenangriff der Ukraine auf eine Residenz des Kreml-Chefs wieder angefangen zu bröckeln.
Putins Schweigen im Venezuela-Dilemma – für Russland könnte es noch dicker kommen
Dennoch ist Putin auf Trump angewiesen. Besonders als Vermittler im Ringen um ein Ende des Ukraine-Krieges. Fyodor Lukyanov, ein dem Kreml nahestehender Außenpolitik-Experte, sagte dem Medium Kommersant, Putin habe „ein unvergleichlich wichtigeres Problem, das er mit Trump klären muss – die Ukraine“. Putins Schweigen sei demnach auch darin begründet, dass er Trump „nicht verprellen“ wolle, erklärte Politologe Melvin der Deutschen Welle. Auch Politikwissenschaftlerin Notte glaubte daher mit Blick auf den Angriff der USA: „Sie wussten, dass Russland nichts für Maduro tun konnte.“
Für Putin könnte es derweil sogar noch dicker kommen. Die russische Wirtschaft schwächelte zuletzt ohnehin immer mehr. Nun hat Trump sich offenbar entschlossen, den Druck noch weiter zu erhöhen. (Quellen: Deutsche Welle, Handelsblatt, Financial Times, Kommersant, eigene Recherche) (han)