Seit einer Woche gibt es im Iran Proteste gegen das Mullah-Regime. Hoffnungsträger für viele Protestierende ist der Sohn des Schahs, Reza Pahlavi.
Teheran – „Lang lebe der Schah“, rufen die Menschen auf den Straßen des Iran. Im ganzen Land gibt es seit dem 28. Dezember 2025 Proteste. Am Anfang waren es die Händler, die gegen die Entwertung der Währung protestierten. Sie nahmen kaum mehr etwas ein, und was sie einnahmen, war nach wenigen Tagen nichts mehr wert. Viele Menschen konnten sich das Notwendigste kaum noch leisten. Dieser Frust, die Wut und Hoffnungslosigkeit trieb sie auf die Straße. Inzwischen wenden sich die Proteste gegen das gesamte Mullah-Regime.
Anfangs regierte die iranische Führung noch verhalten, gar verständnisvoll. Angesichts des Währungsverfalls seien die Proteste der Händler berechtigt. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet. Das Regime will gegen Randalierer durchgreifen, es soll keine Nachsicht geben, berichtet die Tagesschau. Menschenrechtsorganisationen sprechen von mindestens 29 Toten und über 1.000 Festnahmen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Die Sicherheitskräfte setzen wohl auch Tränengas und Schusswaffen ein.
Proteste im Iran: Demonstranten rufen nach Schah und wünschen Mullahs den Tod
Die Demonstranten werfen dem Regime unter Ayatollah Ali Khamenei Korruption und Misswirtschaft vor. Die Führung solle lieber die Menschen im Land unterstützen, statt der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gaza-Streifen Geld und Waffen zu schicken. Und sie rufen „Tod dem Diktator“ und „Lang lebe der Schah“. Das belegen laut Tagesschau Augenzeugenberichte. Journalisten im Land ist es nicht erlaubt, die Proteste zu filmen oder darüber zu berichten.
Mit dem Schah, damit meinen sie Reza Pahlavi, den ältesten Sohn des während der Islamischen Revolution gestürzten Königs, Mohammad Reza Pahlavi. Pahlavi war damals gerade volljährig und studierte außerhalb seiner Heimat. Nach dem Sturz seines Vaters blieb er im Exil. Inzwischen ist er 65 Jahre alt und eine der bedeutendsten Figuren der iranischen Opposition. Auf seinen Instagram- und Youtube-Accounts verkündet er immer wieder seine Nachrichten an die Menschen im Iran, oder seine „Mitbürger“, wie er sie nennt.
Exil-König des Iran heizt Proteste gegen Mullahs im Internet an
In diesen Tagen erscheinen dort immer wieder neue Posts, der jüngste ist von Donnerstagabend (08. Januar). „Größe Nation Iran, die Augen der Welt sind auf dich gerichtet. Geht auf die Straße und erhebt eure Forderungen mit einer Stimme. Ich warne die Islamische Republik, ihren Führer und die Revolutionsgarden, dass die Welt und der Präsident der Vereinigten Staaten euch genau beobachten. Die Unterdrückung des Volkes wird nicht unbeantwortet bleiben.“ US-Präsident Donald Trump hat zuletzt erneut mit einem Eingreifen der USA gedroht, wenn der Iran weiterhin Demonstrierende tötet.
Immer wieder beschwört Reza Pahlavi auf seinen Accounts den baldigen Fall der Islamischen Republik Iran. Er fordert seine Landsleute dazu auf, zu protestieren. Und er verspricht ihnen, einen Plan zu haben. „Wir sind vorbereitet auf die ersten hundert Tage nach dem Sturz, auf die Übergangsphase und auf die Errichtung einer nationalen und demokratischen Regierung für das iranische Volk und durch das iranische Volk.“ Das sagte er im Sommer 2026, nachdem die USA und Israel den Iran wegen seines Atomprogramms bombardiert hatten.
Warum viele Iranerinnen und Iraner sich nach ihrem Schah sehnen
Mit seinen Worten erhält Reza Pahlavi den Traum von einer Zeit nach dem Mullah-Regime aufrecht, analysiert die Süddeutsche Zeitung. Den Traum von einem Land vor der Führung des Ayatollah, vor der Sittenpolizei und vor der Wirtschaftskrise. Dabei war auch Reza Pahlavis Vater ein Autokrat. Sein Geheimdienst SAVAK infiltrierte andersdenkende Gruppen, er ließ Kritiker foltern und hinrichten. Aber unter Pahlavi war der Iran westlicher und sekulärer. Frauen konnten ohne Kopftuch feiern und kurze Kleider anziehen, es gab Alkohol und westliche Produkte. Wer Bilder aus dieser Zeit wähnt sich in den USA oder in England – nicht im heutigen streng islamischen Iran.
Und vielleicht ist es ein verklärter Blick auf die Vergangenheit, auf das, was sein könnte, der in den Köpfen vieler Menschen verfängt. Dabei ist Reza Pahlavi nicht für alle die Galionsfigur der Opposition. Während der „Frau-Leben-Freiheit“ Proteste 2022 spielten seine Ideen kaum eine Rolle. Das liegt wahrscheinlich daran, dass andere Menschen demonstrieren. Die aktuellen Proteste sind kleiner, es gehen Händler, Arbeiter und Menschen mit niedrigem Einkommen auf die Straße. Vielleicht kommen gerade bei ihnen Reza Pahlavis Nachricht gut an.
Pahlavi jedenfalls will keine Monarchie errichten, sollte das Regime stürzen. Er wollte nur beim Übergang zu einem neuen Staat helfen. In der Bild skizziert Pahlavi seine Vision. Er wolle unterschiedliche Kräfte zusammenführen, um Stabilität zu sichern, eine Verfassung auszuarbeiten und freie Wahlen zu ermöglichen. Sein Anspruch sei „nicht das Ergebnis vorzugeben, sondern den Prozess zu garantieren.“ (Quellen: SZ, Bild, taz, Tagesschau, eigene Recherche) (cdz)