Eine einzigartige Kita in Hamburg steht vor dem Ende. Eltern von Kindern mit Behinderungen fürchten um die spezialisierte Betreuung ihrer Kleinen.
Hamburg – Einen Kita-Platz zu finden, ist für alle Eltern eine Herausforderung. Doch für Familien mit schwerstbehinderten Kindern wird die Suche oft zur Odyssee. Ob beatmete Kinder oder Heranwachsende mit Entwicklungsstörungen: Sie benötigen nicht nur einen Platz, sondern brauchen speziell ausgebildete Fachkräfte, medizinische Ausstattung und barrierefreie Räume.
In Hamburg-Marmstorf bietet die Kita Elfenwiese seit fast fünf Jahrzehnten genau das. Doch diese Erfolgsgeschichte steht vor einem abrupten Ende. Die Vereinigung Elbkinder hat angekündigt, die Einrichtung zum September 2026 endgültig zu schließen. Die Gründe sorgen bei den betroffenen Familien für Fassungslosigkeit.
Kitaschließung wegen Marder-Plage – Mutter spricht Entscheidungsträgern ein „Armutszeugnis“ aus
Marder haben sich in Hohlräumen von Decken und Wänden eingenistet und umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig gemacht. Statt in die Zukunft der Einrichtung zu investieren, zieht der Träger lieber die Reißleine. Die Kosten seien wirtschaftlich nicht vertretbar, lautet die offizielle Begründung nach Angaben der Hamburger Morgenpost.
Mutter Ivonne Steinhorst kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Kinder, die eine Epilepsie haben oder die sondiert werden müssen, die auf ihren Ständer angewiesen sind oder auch Rolli beziehungsweise Rehabuggy benötigen, haben einfach andere Bedürfnisse“, sagt sie der Zeitung. Die geplante Schließung sei „tragisch“ und ein „Armutszeugnis für die gesamtgesellschaftliche Verantwortung“.
Seit ihrer Gründung 1976 hat sich die Kita Elfenwiese zu einem bundesweit beachteten Kompetenzzentrum entwickelt. Ein multiprofessionelles Team von Experten und Expertinnen aus Pädagogik, Psychotherapie und Medizin arbeitet hier Hand in Hand. Diese gewachsene Expertise lasse sich nicht einfach ersetzen oder an andere Standorte übertragen, so Steinhorst.
Eltern starten Online-Petition zum Erhalt der Kita – Gewerkschaft fürchtet um das Wohl der Kinder
Der Widerstand wächst. In einer Online-Petition haben Steinhorst und andere Betroffene bereits mehr als 3000 Unterschriften für den Erhalt der Kita gesammelt. Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen argumentieren mit der unersetzlichen pädagogischen Qualität: „ein hochwertiges pädagogisches Konzept, stabile Beziehungen, individuelle Förderung und ein gelebtes Miteinander von Kindern mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen.“ Die Eingewöhnung in eine neue Kita sei eine „unzumutbare Belastung“.
Das auf Kindesentwicklung spezialisierte Institut Johnson betont, dass Urvertrauen und emotionale Sicherheit ausschließlich durch stabile Beziehungen zu Bezugspersonen entstehen. Werden diese Bindungen abrupt zerstört, drohen schwerwiegende psychische Schäden. Die vermeintliche Kosteneinsparung könnte sich als Irrtum erweisen. Langfristig dürften die Folgekosten im Gesundheits- und Sozialsystem die Sanierungskosten um ein Vielfaches übersteigen.
Unterstützung erhalten die Eltern von der GEW Hamburg. „Die geplante Schließung der Kita gefährdet aus unserer Sicht unmittelbar das Kindeswohl“, betont Varsenik Vardanyan, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe, in einer Stellungnahme. Besonders brisant sei die systematische Vernachlässigung über Jahre hinweg. Während die benachbarte Schule bauliche Verbesserungen erhielt, wurde die Inklusions-Kita sträflich vernachlässigt. Steinhorst wirft den Verantwortlichen vor, die Einrichtung bewusst „vor sich hinmodern lassen“ zu haben. (Quellen: Hamburger Morgenpost, GEW Hamburg, Petition auf change.org) (jaka)
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