Erst vor wenigen Tagen warnten mehrere internationale Medien davor, dass asiatische Käufer den europäischen Bestand von Schrott-Aluminium aufkaufen. Diese Metalle wären innerhalb der EU für Recycling dringend notwendig. Insidern zufolge geschieht dasselbe bei den seltenen Erden.
Hart umkämpfter Markt: Schrott mit seltenen Erden wird beliebter
Im Detail sieht das aus wie folgt: China kauft gezielt Rohstoff- und Schrottbestände, unter anderem eben bei seltene Erden. „Schrott mit seltenen Erden ist inzwischen ebenso begehrt wie die Metalle selbst“, sagt Jan Giese, Senior Manager Minor Metals & Rare Earths beim Frankfurter Rohstoffhändler Tradium. Der Markt sei hart umkämpft; ein erheblicher Teil dieser Rohstoffe gehe direkt nach Asien.
Hier steht einmal mehr China im Mittelpunkt. Giese zufolge will Peking auch diesen Teil der Wertschöpfungskette kontrollieren und hätte damit vom Bergbau bis zum Recycling sämtliche Schritte abgedeckt. Für Europa könnte sich das als erheblicher Rückschlag herausstellen. Zur Erklärung: China hat sich bei den seltenen Erden ein Quasi-Monopol aufgebaut. Das Land verarbeitet fast 90 Prozent aller überhaupt abgebauten seltenen Erden und hat dafür gesorgt, dass das Know-how im Land bleibt.
Europa hat es darum als seine Chance gesehen, sich über das Recycling bereits innerhalb der EU vorhandener Rohstoffe von Ankäufen aus China zu lösen. Der sogenannte Critical Raw Materials Act soll ein Rahmenwerk dazu schaffen. Giese aber sieht mehrere große Hemmschwellen beim Recycling.
Europas Probleme beim Recycling seltener Erden
Aktuell ist es so, dass die Länder der Europäischen Union schon seltene Erden per Recycling zurückgewinnen. Zum Beispiel gelten Magnete oder Elektroschrott als Quellen für nutzbare seltene Erden. Aber: „Ein zentrales Problem beim Recycling ist, dass die verbauten Mengen an seltenen Erden pro Gerät oft sehr gering sind und die Magnete tief in den Systemen sitzen“, sagt Giese. Eine Demontage sei aufwendig, die verfügbaren Mengen begrenzt.
Darüber hinaus stellt die Art der jeweiligen Geräte ein Problem dar. Das Primärmaterial durchläuft häufig einen Lebenszyklus von mehreren Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten. Ehe die entsprechenden Unternehmen das Material recyclen können, müsse es zurück in die Wertschöpfungskette gelangen.
Genau da liegt das große Problem: „Da der Hochlauf bei Zukunftstechnologien wie E-Mobilität oder erneuerbaren Energien in Form von Windrädern erst beginnt, steht aktuell nicht genügend Material für das Recycling bereit, um den prognostizierten Bedarf zu decken“, mahnt Giese. Bei der Windkraft hängt Deutschland vor allem im Süden hinterher. Elektromobilität ist da ein ganz anderes Problemfeld: Die Ladeinfrastruktur kommt nur schwer in Gang und außerdem waren E-Autos über Monate hinweg unbeliebter geworden, nachdem die Ampel-Koalition die Förderung beendet hatte.
Warum sind seltene Erden wichtig?
Seltene Erden kommen in einer gewaltigen Bandbreite wichtiger Technologien und Geräte vor. Sie stecken in Smartphones, Elektroautos, in moderner Rüstungstechnologie. Ohne diese wertvollen Rohstoffe wären viele Zukunftstechnologien heute nicht möglich. China nutzt das aktuell gezielt aus und hat verschiedene seltene Erden mit Exportbeschränkungen belegt.
Das führte am Weltmarkt zu erheblichen Engpässen. Und jetzt hat Europa auch beim Recycling schlechtere Chancen. Der europäische Markt für das Reycling von kritischen Rohstoffen könne nicht mit den Preisen für das Primärmaterial mithalten (die China kontrolliert). Langfristig aber sieht Giese eine zunehmende Nachfrage und steigende Preise für kritische Metalle. Das wiederum soll Recycling-Projekte attraktiver machen. „Zahlreiche Projekte zur Verarbeitung und Rückgewinnung von seltenen Erden sind bereits in Planung oder im Aufbau, ihr Beitrag zur Versorgungssicherheit bleibt jedoch vorerst begrenzt“, erklärt der Tradium-Experte.
EU sucht Ausweg im Recycling: Wichtige Benchmark bis 2030
Seltene Erden haben ihre Namen nicht von der tatsächlichen Seltenheit in der Erdkruste, sondern daher, dass sie nur unter hohem Aufwand nutzbar gemacht werden können. Um sie zu verarbeiten, sind komplexe Verfahren notwendig, die unter Einsatz von Chemie ausgeführt werden. Allein das würde in Deutschland und anderen europäischen Ländern zu Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes führen.
Als einen Ausweg hat die Europäische Union daher über den Critical Raw Materials Act das Recycling ins Auge gefasst. Unter anderem schreibt dieses Rahmenwerk vor, dass bestimmte Anteile von Recycling, Ankauf und Verarbeitung aus heimischen Kapazitäten stammen müssen. Speziell beim Recycling müssen es bis 2030 etwa 25 Prozent sein.
Für Verbraucher ist dieses Problem vor allem bei möglichen Zukunftskäufen von Smartphones und Elektroautos sowie bei erneuerbaren Energien wichtig. Letzteres vor allem dann, wenn sie zum Beispiel den Kauf von Balkonkraftwerken erwägen. Hier kann es nämlich sein, dass die Hersteller die steigenden Kosten für seltene Erden durch Preissteigerungen an die Käufer weitergeben.