Kochler Bürgermeister zündet Wohn-Idee: Einheimischenmodell auf Erbpachtbasis

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So könnte die Bebauung aussehen: Bürgermeister Jens Müller hat auf einer Karte beispielhaft mehrere Baukörper auf dem Areal des ehemaligen Verstärkeramts platziert. Rechts ist der Edeka-Parkplatz zu sehen, links das L-förmige Telekom-Gebäude. © Privat

An Ideen für das Gelände des ehemaligen Verstärkeramts in Kochel herrscht kein Mangel. Nun bringt Bürgermeister Jens Müller einen weiteren Vorschlag ins Gespräch: Der Rathauschef könnte sich dort ein Einheimischenmodell auf Erbpachtbasis vorstellen, um dem Wohnraummangel entgegenzuwirken.

Kochel am See – Das Areal des ehemaligen Verstärkeramts in Kochel bietet sich als interessante Entwicklungsfläche an. Die rund 2500 Quadratmeter große, im Besitz der Gemeinde befindliche Fläche liegt am Ortsausgang direkt an der Bahnhofstraße – ein Standort mit Potenzial. Kein Wunder also, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Vorstöße in unterschiedliche Richtungen unternommen wurden. Doch fix ist bislang noch nichts.

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Bürgermeister Jens Müller (UWK) unternimmt nun einen weiteren Anlauf. Aus seiner Sicht eignet sich das Areal hervorragend für eine Wohnbebauung. Die verkehrsgünstige Lage, die Nähe zum Bahnhof sowie der Edeka-Supermarkt in unmittelbarer Nachbarschaft sprächen eindeutig dafür, zählt Müller die Vorteile auf.

Zentrales Thema im Wahlkampf

Kochel steht bekanntlich unter Druck: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum hat sich zu einem ernsthaften Problem entwickelt. Mitunter sehen sich Einheimische gezwungen wegzuziehen, weil sie keine passende Unterkunft finden. Auch Betriebe haben Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu gewinnen, da potenzielle Bewerber zunächst ein Zuhause benötigen. Neue Quartiere zu schaffen oder zumindest die Voraussetzungen für deren Bau zu ermöglichen, steht daher ganz oben auf der To-do-Liste der Kommunalpolitik. Entsprechend kristallisieren sich Lösungsansätze für die Misere als eines der zentralen Themen des Wahlkampfs heraus.

Müller wird konkret: Er schlägt vor, das Gelände des ehemaligen Verstärkeramts im Rahmen eines Einheimischenmodells zu vergeben – und zwar auf Erbpachtbasis. Das Prinzip ist simpel: Bauwillige erwerben lediglich das Recht, auf einem fremden Grundstück ein eigenes Haus zu errichten. Dafür ist ein regelmäßiger Erbbauzins zu zahlen, vergleichbar mit einer Miete; die entsprechenden Verträge laufen in der Regel über 50 bis 99 Jahre.

Dichte Bebauung mit kleinen Parzellen

Für Müller liegt der Vorteil auf der Hand: „Den Zins kann sich jeder leisten.“ Es ergebe keinen Sinn, so der Bürgermeister weiter, den Grund lediglich etwas unter dem Marktpreis zu veräußern. Auch dann bliebe dieser für die meisten unerschwinglich. In Kochel ist Bauland derzeit kaum unter 1000 Euro pro Quadratmeter zu bekommen. Um die Fläche bestmöglich zu verwerten, plädiert Müller daher für eine dichte Bebauung mit kleinen Parzellen, etwa in Form von Reihenhäusern.

Mit den bislang diskutierten Vorschlägen kann sich das Gemeindeoberhaupt nicht recht anfreunden. Die Nutzung des Areals für den dringend benötigten Kindergarten-Neubau überzeugt ihn nicht – die Betreuung der Mädchen und Buben wäre aus seiner Sicht zu weit außerhalb gelegen. Auch die frühere Planung eines millionenschweren Bauprojekts mit Bauhof und Wohnungen hält Müller für nicht realisierbar. „Das wäre uns finanziell um die Ohren geflogen“, lautet sein Urteil. Für einen gemeinsamen Bauhof mit der Nachbargemeinde Schlehdorf wurde inzwischen ohnehin ein anderer Standort gefunden: Das Funktionsgebäude soll auf einem Teilstück des alten Fußballplatzes an der Trimini Straße entstehen.