Die gesetzliche Rente wird im Alter nicht ausreichen – ETFs werden nun als Vorsorge immer beliebter. Die Merz-Regierung hat einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, um die Altersvorsorge zu verbessern.
Berlin – Die gesetzliche Rente macht für viele Menschen in Deutschland den Großteil der Altersvorsorge aus. Nur: Diese allein wird nicht reichen, um im Alter den Lebensstandard zu sichern. Dafür ist sie auch nicht vorgesehen, wie das Drei-Säulen-Modell zur Alterssicherung in Deutschland zeigt. Demnach sollen neben der gesetzlichen Rente die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und die private Vorsorge zusammen ein finanzielles Sicherheitsnetz im Alter bilden.
Börsen-Expertin: „Alle werden eine Rentenlücke haben“
Das bedeutet konkret: Wer fürs Alter vorsorgen will, sollte sich auch darum kümmern, eine Betriebsrente abzuschließen und sich privat etwa über Immobilien, Riester-Rentenverträge oder Kapitalanlagen absichern. Cornelia Frey, Börsenexpertin Boerse Stuttgart Group, sagte erst kürzlich gegenüber Ippen.Media: „Generell sollte sich jeder um das Thema Geldanlage kümmern, insbesondere mit Blick auf die Altersvorsorge. Es ist egal, ob es um 20-Jährige, 40-Jährige oder 50-Jährige geht – sie werden alle eine Rentenlücke haben.“
Das bedeute, dass sie im Alter weniger Geld zur Verfügung haben werden, als es jetzt der Fall ist. Es reiche einfach nicht, sich nur auf die Rente zu verlassen. „Jeder muss auch einen anderen Baustein haben. Da bieten sich natürlich die Aktienmärkte an, weil dort langfristig gute Renditen erwirtschaftet werden können. Das Geld arbeitet für einen“, so Frey.
Altersvorsorge: Immer mehr Menschen investieren an der Börse
So scheinen das auch immer mehr Menschen in Deutschland zu sehen und investieren einer Umfrage zufolge an der Börse. „Während 2023 rund 27 Prozent der Verbraucher in Aktien und Fonds investierten, legen heute bereits 34 Prozent Geld in Wertpapieren an“, erklärte die Postbank, welche die Umfrage beim Institut Yougov in Auftrag gegeben hatte. „Maßgeblich für diese Entwicklung ist die steigende Beliebtheit von ETF.“
Sogenannte Exchange Traded Funds bilden Indizes nach, also etwa Unternehmen aus bestimmten Branchen oder Regionen, und folgen deren Wertentwicklung. Der Vorteil gegenüber einzelnen Aktien ist, dass in mehrere Firmen und Märkte investiert wird, es wird also breiter gestreut. Zugleich sind ETF deutlich kostengünstiger als aktiv verwaltete Fonds.
„ETFs haben die Wertpapieranlage gewissermaßen demokratisiert und das Bild des Wertpapiers grundlegend verändert“, erklärte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Postbank. „Das Spekulationsobjekt ‚Wertpapier‘ wandelt sich in der Wahrnehmung breiter Bevölkerungsschichten zu einem Instrument für langfristigen Vermögensaufbau und private Altersvorsorge.“
Höhere Rendite, höhere Zulagen: Merz-Regierung will Riester-Rente reformieren
Die Beliebtheit der ETFs hat möglicherweise auch damit zu tun, dass der staatlich geförderte Baustein der privaten Altersvorsorge zunehmend geschmäht wird: die Riester-Rente. Diese enttäuscht mit komplizierten Regelungen und niedrigen Renditen. Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) möchte das ändern. Nach einem neuen Gesetzentwurf soll die staatlich geförderte Riester-Rente abgelöst werden und für Kinder und Jugendliche soll es ein Altersvorsorgedepot geben.
Die Bundesregierung will ein leicht verständliches Standardprodukt einführen, das jeder Anbieter – also Banken, Sparkassen und Versicherungen – im Portfolio haben muss und das mit niedrigen Kosten verbunden sein soll. Abschluss- und Verwaltungskosten sollen über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden, außerdem soll es einen Kostendeckel von 1,5 Prozent geben. Die Pläne sollen zudem flexibler werden und künftig auch Auszahlungen ohne eine verpflichtende Restverrentung erlauben.
Die Grundzulage, die jeder Sparer und jede Sparerin bekommt, liegt aktuell bei 175 Euro pro Jahr und soll mit der Reform durch eine proportionale Zulage abgelöst werden. Für jeden eingezahlten Euro bis 1200 Euro soll es dann einen staatlichen Zuschuss von 30 Cent als Grundzulage geben, ab 2029 sind es 35 Cent. Für weitere bis zu 600 Euro sind es 20 Cent pro Euro. So ergibt sich eine Zulage von bis zu 480 Euro.
Außerdem soll eine potenziell höhere Rendite möglich sein: Bislang ist jeder Anbieter einer Riester-Rente gesetzlich zu einer Beitragsgarantie verpflichtet. Zum Rentenbeginn muss also mindestens die Summe aller eingezahlten Beiträge und Zulagen garantiert sein. Nun soll es mehrere Modelle geben: eines, bei dem das garantierte Kapital 100 Prozent der gezahlten Beiträge betragen darf, eines, das 80 Prozent garantiert, sowie ein Vorsorgedepot ohne Garantievorgaben.
Frühstartrente für Kinder und Jugendliche geplant
Vorgesehen ist obendrein die Einführung einer sogenannten Frühstartrente für Kinder und Jugendliche vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr. Die sogenannte Frühstartrente ist ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag. Losgehen soll es rückwirkend zu 2026 mit dem Geburtenjahrgang 2020. Es soll dann geprüft werden, ob ab 2029 zusätzliche Jahrgänge, die bis dahin nicht berücksichtigt wurden, einbezogen werden.
Geplant ist laut Eckpunkten aus dem Bundesfinanzministerium die Einrichtung eines individuellen Altersvorsorgedepots, für das es monatlich zehn Euro vom Staat als Zuschuss gibt. Die individuellen Depots sollen sich am geplanten Standardprodukt der privaten Altersvorsorge orientieren. Geplant ist eine zwölfjährige Ansparphase, dann ist den Plänen zufolge ein „nahtloser Übergang“ in das System der steuerlich geförderten privaten Vorsorge möglich.
Beide Vorhaben – also die Ablösung der Riester-Rente und die Frühstartrente – sollen zum 1. Januar 2027 kommen. Bei der Frühstartrente sollen Auszahlungen für den Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026 erfolgen. (Quellen: Interview Cornelia Frey, dpa, AFP, Tagesschau)