Wurde er bei 1860 München unterschätzt? Tim Kloss beweist bei Viktoria Köln überraschende Qualitäten. Kein Spieler der 3. Liga traf häufiger per Kopf.
München – Brust raus, ein Jubelschrei in den verstummten Tivoli: Als Tim Kloss mit seinem fünften Saisontor das Spiel gegen Alemannia Aachen per Kopf entschied, erinnerte wenig an den einstigen Bubi des TSV 1860 München. Mit seinem breiten Grinsen und der blonden Surferfrisur schaffte er es nie ins Rampenlicht. Kloss galt zwar als begabter Kicker, doch als der 21-Jährige München verließ, weinten ihm die wenigsten eine Träne nach.
Zur Wahrheit gehört auch: 1860 wollte mit dem Eigengewächs verlängern, der lehnte ab. Nicht nur aus finanziellen Gründen. Kloss sah den Transfer als große Chance. In Köln sah er die Chance auf einen Stammplatz, in München nicht. Vom Nachwuchskicker zum gestandenen Fußball-Profi.
Torgefährlichster Kopfball-Spieler der 3. Liga: Ex-1860-Talent Kloss ragt in Köln heraus
Sechs Monate später wissen wir: Der Weg war wohl ein entscheidender Schritt in der Karriere des 21-Jährigen. In Köln ist vom braven Junglöwen-Image nichts mehr zu sehen. Kloss ist zum gestandenen Drittliga-Profi gereift. Fünfmal traf Kloss bereits. Viermal mit dem Kopf. Kein Spieler der 3. Liga traf häufiger per Kopf.
Sein Imagewandel wurde gleich bei seinem Debüttor für die Viktoria offensichtlich: Gegen Regensburg spielte Kloss trotz Nasenbeinbruch und traf nach einem Standard im Liegen. Mit Maske. „Vielleicht lasse ich nach dem Tor die Maske dann auch auf“, sagte Kloss im Anschluss bei Magenta, der gegnerischen Defensivverbünden fortan das Fürchten lehrte.
Kloss legte die Maske im darauffolgenden Spiel ab – und zeigte bei seinen weiteren Treffern sein ganzes Repertoire: Gegen Aue zeigte er den nötigen Willen, gegen Hoffenheim seine außergewöhnliche Kopfballstärke, in Cottbus seine fantastische Sprungkraft und in Aachen eine perfekte Positionierung.
Spitzen-Marktwert bei Viktoria Köln: Kloss zeigt Top-Leistung auf 1860-Problemposition
Kloss ist in Köln der Aufschwung gelungen. Nach einem Stotterstart stand er die letzten 17 Spiele in der Startelf. Mal in der Innenverteidigung, mal als Sechser. Ausgerechnet auf einer scheinbaren Problemposition der Löwen. Das Online-Portal transfermarkt.de honorierte die Leistungssteigerung mit einem Marktwertplus auf 350.000 Euro. Spitzenwert bei der Viktoria. Aus dem Junglöwen ist ein Ungeheuer geworden. Und seine Entwicklung scheint noch nicht am Ende.