Der Sparkassen-Coup in Gelsenkirchen hat am Dienstag zu einer Razzia der Polizei geführt. Die Beamten präsentierten den Verantwortlichen einen entsprechenden Durchsuchungsbeschluss. Wie FOCUS online aus Sicherheitskreisen erfuhr, sollen die Banker in den Tagen nach dem Einbruch in die Schließfachkammer des Geldinstituts, bei dem zwei- bis dreistellige Millionenwerte geraubt wurden, unzureichend mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet haben.
So sollen Daten zu den Schließfächern und Kunden zurückgehalten worden sein. Auch hielt man sich zu Fragen bedeckt, wann und welche Depotbesitzer die Sparkasse in den vergangenen Tagen aufgesucht hatten. Daraufhin erwirkte die zuständige Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht einen Beschluss, der nun zur Razzia in den Büroräumen der betroffenen Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer führte.
Es gehe dabei nicht um einen Verdacht gegen die Sparkasse oder einzelne Mitarbeiter, stellte ein Polizeisprecher klar. "Wir haben keinen Verdacht gegen irgendwen." Es gehe darum, sich so schnell wie möglich einen objektiven Überblick zu verschaffen.
Spezialwissen und Codekarte: Brisanter Insider-Verdacht nach Sparkassen-Raub
Das ist allerdings nur halbkorrekt. Wie FOCUS online weiter erfuhr, muss ein Insider bei dem Millionen-Einbruch mit im Spiel gewesen sein. Die Täter waren offenbar genau über die Gegebenheiten rund um die Sparkasse im Bilde. So verschafften sie sich über Chips Zugang zu einer Tiefgarage, die zu weiteren Räumen bis zur Beton-Stahl-Wand des Schließfachdepots führte. Für die letzte Tür zur Tresormauer brauchte es eine Codekarte.
Die bisherigen Nachforschungen ergaben, dass die Gangster offenbar darüber verfügten. Denn an der Eingangstür zur Tresormauer fanden sich keine Einbruchsspuren. Mit einem Spezialbohrer knackten die bisher Unbekannten in stundenlanger Arbeit jene Wand, die zu den Millionen führten.
Zu dem Coup ermittelt eine Besondere Aufbauorganisation der Polizei. Die Täter sind weiter auf der Flucht. Bei dem Einbruch waren mehr als 3.000 Kunden-Schließfächer der Sparkassen-Filiale ausgeraubt worden. Der Schaden wird noch ermittelt. Er soll nach ersten Schätzungen der Polizei im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen, könnte aber sogar noch deutlich höher sein.