US-Präsident Donald Trump zeigt immer wieder politisches Interesse an Grönland, das Teil des Königreichs Dänemark ist. Jetzt möchte sich Trump offenbar auch dem dänischen Impfplan annähern: Auf seiner Plattform Truth Social teilte er mit, dass es nur noch für die elf „schwerwiegendsten und gefährlichsten Krankheiten“ Impfempfehlungen für Kinder in den USA geben solle – nach dänischem Vorbild.
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC waren im Dezember 2025 noch 17 Immunisierungen für Kinder vorgesehen. Die Behörde gab an, die USA mit 20 Industrieländern verglichen zu haben, darunter Großbritannien, Kanada, Dänemark und Australien. Sie hätten festgestellt, dass die USA hinsichtlich der Anzahl der abgedeckten Krankheiten und der Anzahl der Dosen "ein globaler Ausreißer" sei.
Tatsächlich sind diese im internationalen Vergleich recht hoch: Demnach sieht Deutschland laut offizieller Empfehlung Impfungen gegen 14 Krankheiten vor, in Dänemark sind es nur zehn.
USA streicht sechs Kinderimpfungen aus den offiziellen Empfehlungen
Zu den Impfungen, die in den USA nun nicht mehr allgemein empfohlen werden, gehören laut CDC jene für
- Rotaviren
- Hepatitis A
- Hepatitis B
- RSV-Infektionen
- Meningokokken B
- Meningokokken ACWY
Weiterhin empfiehlt die Behörde Impfungen gegen:
- Diphtherie
- Tetanus
- Keuchhusten
- Grippe (Hib)
- Pneumokokken
- Polio
- Masern
- Mumps
- Röteln
- Humane Papillomviren (HPV)
- Varizellen (Windpocken)
Eltern könnten jederzeit mit ihren Kinderärzten über mögliche weitere Impfungen sprechen, heißt es in der behördlichen Erklärung.
Trump verwirrt mit irreführender Grafik
In den Posts von Trump, dem Weißen Haus und anderen offiziellen Kanälen taucht immer wieder eine spezifische Grafik zu dem Thema auf. Darauf ist ein Baby zu sehen, welches in einem "europäischen Land" angeblich elf Injektionen bekommt, während es in den USA 72 Injektionen seien.
Doch die Grafik trügt: Bei den noch im Dezember geltenden Routineimpfungen hatte die Gesamtzahl der injizierten Impfdosen (oral verabreichte Impfungen sind nicht miteingerechnet) bis zum Alter von 18 Jahren tatsächlich bis zu 72 betragen.
Doch Kombinationsimpfungen wie die Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder Diphtherie- Tetanus- Pertussis-Impfstoffe enthalten jeweils drei "Impfdosen" in einer einzigen Injektion.
Statt 72 Injektionen sind also eigentlich 72 injizierte Impfdosen gemeint.
Woher die elf "Injektionen" in einem Europäischen Land stammen, ist ungewiss. Aus der eigenen Analyse des CDC geht hervor, dass die 20 Vergleichsländer ebenfalls weitaus mehr Impfdosen vorsehen, selbst beim großem Vorbild Dänemark: "Am unteren Ende steht Dänemark, wo Kinder mit insgesamt 30 Dosen gegen zehn Krankheiten geimpft werden".
Trotz angepasster Trump-Empfehlung können Eltern ihre Kinder impfen lassen
Impfstoffe gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), Hepatitis A, Hepatitis B, Dengue-Fieber und Meningokokken ACWY und Meningokokken B, die vor Meningitis schützen, werden ab sofort nur noch für Kinder mit bestimmten Risikofaktoren empfohlen.
Die dritte Gruppe von Impfstoffen gegen Covid-19, Influenza und Rotaviren wird individuell geregelt – nämlich auf Grundlage des persönlichen Risikos und einer "gemeinsamen klinischen Entscheidungsfindung" zwischen Ärzten und Eltern.
Trotz aktualisierter Empfehlung betont Trump auf Truth Social: "Eltern können ihren Kindern weiterhin alle Impfungen verabreichen lassen, falls gewünscht". Die Kosten dafür würden weiter von den Krankenkassen übernommen, berichtet auch das CDC.
Experten kritisieren neue Impfpläne: "Die USA ist nicht Dänemark"
Trumps Gesundheitsminister Robert Kennedy steht Impfungen bekannterweise sehr skeptisch gegenüber: "Diese Entscheidung schützt Kinder, respektiert Familien und stellt das Vertrauen in das öffentliche Gesundheitswesen wieder her", feiert er den "Sieg" für die sogenannte "MAHA (Make America Healthy Again)-Bewegung.
Tatsächlich hat die Empfehlung einen großen Einfluss: In den USA ist zwar nicht die US-Bundesregierung, sondern sind nur die einzelnen Bundesstaaten befugt, Impfungen vorzuschreiben. Die Empfehlungen der CDC haben jedoch großen Einfluss auf die Vorschriften der Staaten.
Der US-Berufsverband der Kinderärzte (AAP) kritisierte die neuen, eingedampften Impfempfehlungen als "gefährlich und unnötig". Weiter hieß es: "Die Vereinigten Staaten sind nicht Dänemark, und es gibt keinen Grund, den dänischen Impfplan den amerikanischen Familien aufzuzwingen". Die Krankheitsrisiken und Gesundheitssysteme beider Länder würden sich "erheblich" voneinander unterscheiden.
mit dpa.