Der Hauptstadt-Blackout entlarvt Berlins fatalen Energie-Trugschluss

  • Im Video oben: Berliner Blackout: Fataler Behördenbericht warnte noch vor Chaos – jetzt ist es da

In Momenten, in denen Orientierung entscheidend ist, herrschte Schweigen. Und wo Informationen fehlen, entstehen automatisch „Anti-Stories“, denn unser Gehirn glaubt Negativem immer schneller als Positivem. Gemäß der Devise: Besser ein Pessimist, der lebt als ein Optimist, der tot ist.

Infrastruktur statt Symbolpolitik

Lange galt in Teilen der Berliner Politik – besonders unter grüner Prägung – die Vorstellung, dass Infrastruktur, Energieversorgung, Wärme und Strom fast altmodische Themen seien. Das habe ich in den 21 Jahren, die ich selbst in Berlin lebte, immer wieder erlebt. Berlin gefiel sich immer darin, langsamer, begriffsstutziger und dreckiger als der Rest Deutschlands zu sein, solange nur irgendwelche Sauftouristen die Stadt für „cool“ halten. 

Der Stromausfall hat jedoch selbst dem Dümmsten vor Augen geführt, dass genau diese Grundlagen überlebenswichtig sind. Spätestens als pflegebedürftige ältere Menschen bei minus fünf Grad in Turnhallen übernachten mussten, wurde klar: Ohne stabile Basis nützen auch die schönsten Prestigeprojekte nichts.

Kommunikation als Prüfstein politischer Führung

Auch kommunikativ zeigte der Vorfall ein Vakuum. Kein Krisenteam, keine klare Botschaft, keine Orientierung. Das ist fatal, denn Ungewissheit erzeugt Angst – und unser Angstzentrum im Gehirn, die Amygdala, füllt das Informationsloch schneller, als jede Behörde reagieren kann; Berliner Behörden sowieso. 

Der regierende Bürgermeister Kai Wegner, der im Wahlkampf mit klaren Ansagen überzeugte, blieb in der Krise blass. Der Bruch zwischen Anspruch und Realität könnte größer kaum sein.

Resilienz beginnt nicht bei Ideologien

Für Politik wie Unternehmen gilt: Erst müssen die „Hygieneaspekte“ funktionieren – Infrastruktur, Prozesse, Grundversorgung. Wer diese vernachlässigt und gleichzeitig schlecht kommuniziert, verliert Vertrauen. Der Berliner Stromausfall zeigt: Resilienz beginnt nicht bei Ideologien, sondern bei Wärme, Licht, Strom – und ehrlicher, schneller Kommunikation.

Prof. Dr. Veit Etzold ist ein anerkannter Redner, CEO-Coach und Strategieberater mit über 20 Jahren Erfahrung in verschiedenen Branchen. Er lehrt Marketing und Neuromarketing an der Hochschule Aalen. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.