Der Bürgermeister von Egling blickt auf sein letztes Amtsjahr zurück. In 24 Jahren konnte Hubert Oberhauser viel mitgestalten.
Egling - Zwölf Jahre als Vize-Bürgermeister, ebenso lang an der Spitze: Hubert Oberhauser ist seit 24 Jahren an der Entwicklung der Großgemeinde Egling beteiligt. Zum 1. Mai übergibt er das Amt an seinen Nachfolger, der im März bestimmt wird. Vorher blickt der 58-Jährige zurück auf sein letztes vollständiges Amtsjahr – und auf die Projekte, die 2026 anstehen.
Herr Oberhauser, Sie haben Ihr letztes vollständiges Jahr als Bürgermeister hinter sich. Wenn Sie auf 2025 zurückblicken – wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?
Wir nehmen uns jedes Jahr so viel vor, dass man nie alles schafft. Die Arbeit einer Gemeinde ist ein beweglicher Prozess – aber es ist viel vorangegangen. Die Erschließung des Pater-Paulus-Wegs in Deining ist abgeschlossen. In der Deiniger Ortsdurchfahrt ist mit dem Entlastungskanal die letzte Arbeit in der Umsetzung. Das neue Gewerbegebiet in Öhnböck ist erschlossen und für den Verkauf 2026 vorbereitet. Der neue Flächennutzungsplan war ein großer Meilenstein. Und als größten Erfolg dürfen wir uns auf den Flexbus ab Ende 2026 freuen. Es passiert jedes Jahr sehr viel. Das war auch 2025 so.
Was war die größte Herausforderung im vergangenen Jahr?
Für den Flexbus waren im Kreistag harte Diskussionen notwendig, die sich gelohnt haben: Mit 50 Haltestellen in Dietramszell und Egling ist der Bus eine sehr große Verbesserung für den ÖPNV. Auch der Flächennutzungsplan war ein riesen Ding. Seit 1993 hat sich viel geändert; entsprechend viele Begehrlichkeiten hat die Neuaufstellung geweckt. Alle Wünsche kann die Gemeinde nicht erfüllen, weshalb es viele Gespräche zwischen dem Aufstellungsbeschluss 2022 bis zum Satzungsbeschluss 2025 gab. Es war eine Gratwanderung zwischen Flächensparen und einer behutsamen Entwicklung. Jetzt bildet der Plan die Grundlage für die weitere Entwicklung unserer Gemeinde.
Aktuelle Nachrichten aus Egling lesen Sie hier.
Bodenvorratspolitik: Egling hat 13 Hektar Flächen erworben
Gab es Entscheidungen oder Entwicklungen, auf die Sie besonders stolz sind?
Besonders wichtig war mir die Erinnerung an 80 Jahre Kriegsende. Es gab viele Veranstaltungen, die uns vor Augen geführt haben, warum es so wichtig ist, dass wir unsere Demokratie schützen müssen. Unser Heimatpfleger Korbinian Hasch hat bei einer sehr gelungenen Gedenkstunde mit Lesung einen wichtigen Beitrag geleistet.
Wie gut ist Egling für die Zukunft gewappnet?
Die Gemeinde ist sehr gut aufgestellt. Wir haben einen sehr guten Mitarbeiter-Stamm und ausreichend finanzielle Mittel. Egling ist nicht reich, aber es gibt finanzielle Möglichkeiten zum Gestalten. Natürlich wachsen die Herausforderungen, vor allem im Sozialbereich. Bundespolitisch gibt es da einen dringenden Reformbedarf, vor allem im Sozialbereich und bei vielen Standards, um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommunen in Zukunft zu erhalten. Wir konnten in den letzten Jahren viele gemeindliche Gebäude sanieren. Und der wichtigste Baustein für die gemeindliche Zukunft ist die intensive Bodenvorratspolitik, die wir betrieben haben. Egling hat in meiner Zeit als erster Bürgermeister rund 13 Hektar Flächen erworben. Von landwirtschaftlichen Flächen bis hin zu Bauland hat die Gemeinde intensiv und sinnvoll investiert. Dadurch gibt es viele Entwicklungsmöglichkeiten für die nächsten Generationen.
Was sind die wichtigsten Projekte und Aufgaben, die 2026 anstehen?
Im Bayerischen Straßen-Ausbauplan ist jetzt nach großem Drängen der Gemeinde eine Ortsumgehung für Endlhausen vorgesehen. Das war schon Thema in der Bürgerversammlung und wird uns 2026 sicherlich beschäftigen. Die Straße selbst baut das Staatliche Bauamt Weilheim, die Gemeinde ist bei den Grundstücksverhandlungen gefragt. Außerdem werden wir uns mit der kommunalen Wärmeplanung auseinandersetzen und einen Hochwassercheck machen. Mit 1,4 Millionen Euro Baukosten ist die Sanierung des alten Schulhauses in Thanning ein großes Projekt. Seit Oktober 2025 wird gebaut, Ende 2026 sollen drei Wohnungen und ein Raum für die Vereine fertig sein. Mitten im Planungsprozess sind wir für die Sanierung der Grundschule und den Neubau der Ganztagsbetreuung. Die bestehende Turnhalle ist nicht zu halten – sie wird abgerissen und neu gebaut. Die Neubauten sollten bis 2029 fertig werden.
Ganztagsbetreuung: „Das bringen wir hin“
Die Ganztagsbetreuung beschäftigt heuer viele Gemeinden. Ist Egling schon vorbereitet?
Der Kinder- und Jugendförderverein Wolfratshausen leistet schon jetzt eine Ganztagsbetreuung an der Schule. Der Rechtsanspruch startet im kommenden Schuljahr mit den Erstklässlern – das bringen wir hin. Für die Jahre danach gibt es Pläne und Konzepte, um den Anspruch zu sichern. Spannend wird es im Zuge der Baumaßnahmen, die im laufenden Schulbetrieb stattfinden. Die Arbeiten starten aber frühestens 2027. Heuer steht erst der Genehmigungsplan an.
Was möchten Sie in Ihrer verbleibenden Zeit als Bürgermeister noch erreichen?
Die Arbeit dreht sich um langfristige Projekte. Es wird einen fließenden Übergang geben.
Sie kandidieren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Blicken Sie trotzdem optimistisch in die Zukunft?
Meine Herz-Erkrankung ist nicht akut lebensbedrohlich. Mit meinen Medikamenten ist das gut zu steuern. Es ist nicht so, dass ich ein kranker Mann bin, aber ich muss bewusst etwas kürzertreten. Ich bleibe weiterhin beweglich und agil, würde gerne im Kreistag weiterarbeiten und freue mich auf den kommenden Abschnitt.
Wie schwer ist Ihnen der Entschluss gefallen, das Amt nach so vielen Jahren abzugeben?
Ich habe mir das wirklich reiflich überlegt und bin mit mir im Reinen. Es war der richtige und vernünftigste Schritt. Vom Alter her dachte ich auch, dass ich noch eine Periode machen kann. Aber ich weiß, dass die Entscheidung richtig war. Eine Gemeinde wie Egling lebt von Veränderungen. Man darf nicht meinen, dass es ohne einen nicht geht.
Was werden Sie am Bürgermeisteramt am meisten vermissen?
Bestimmt die ein oder anderen Mitarbeiter, mit denen ich im guten, intensiven Kontakt war. Auch werde ich sicherlich viele konstruktive Gespräche in den unterschiedlichsten Bereichen mit unseren Bürgern vermissen. Es war eine wunderschöne Zeit, in der ich persönlich viel gelernt und bewegt habe. Aber es ist ein Amt auf Zeit – das war von Beginn an klar. Nicht vermissen werde ich, immer in der ersten Reihe zu sitzen. Ich will mich weiterhin in der Gemeinde einbringen, aber auf einer anderen Basis. Da sitze ich gerne weiter hinten (lacht).
Haben Sie Ihrem Nachfolger schon Ratschläge mit auf den Weg gegeben?
Wenn mein Rat oder meine Auskunft benötigt wird, stehe ich natürlich sehr gerne zur Verfügung. Ich werde mich aber nicht einmischen. Allgemein kann ich nur sagen, dass die gute und konstruktive Zusammenarbeit im Gemeinderat Egling schon immer auszeichnet. Es gibt kein Gruppierungsdenken und ein großes Vertrauen gegenüber dem Bürgermeister und der Verwaltung. Das habe ich immer sehr geschätzt. Ich hoffe, dass das so bleibt.
Welche Momente aus Ihrer gesamten Amtszeit werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Eigeninteressen kollidieren sehr oft mit den Interessen der Allgemeinheit. Wenn jemand nicht das bekommt, was er will, dann lernt man die Leute schon kennen. Manche können leider schwer umgehen mit solchen Entscheidungen. Dann steht man schnell allein da und muss die Entscheidung vertreten. Nach zwölf Jahren als zweiter und zwölf Jahren als erster Bürgermeister habe ich den Eindruck, dass Entscheidungen früher eher akzeptiert wurden. Heute ist für manche gleich alles schlecht, wenn es nicht nach dem eigenen Kopf geht. Man muss da schon aufpassen, dass das nicht aus den Fugen gerät. Da müssen sich einige ernsthaft hinterfragen. Ein gewisser Knackpunkt war dabei sicher auch Corona. Auch wenn wir diese schwierige Zeit relativ gut gemeistert haben, ist leider viel auf der Strecke geblieben.
Wie sehen Ihre persönlichen Pläne für die Zukunft aus?
In der nächsten Zeit gibt es für mich viel zu erledigen. Ich habe zwar noch nichts endgültig geplant, werde aber sicher einigen sinnvollen Tätigkeiten nachgehen. Mit zwei Berufen gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Auch im Privaten sind in den vergangenen Jahren viele Dinge liegengeblieben, auf die ich mich jetzt freue.
(Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)