Ein Ort hält inne. Die Straßen in Crans-Montana sind am Sonntagvormittag nahezu leergefegt. Auf dem Vorplatz der Chapelle Saint-Christophe finden sich mehrere Tausend Menschen bei winterlichen Minusgraden ein, um der Opfer der Brand-Katastrophe in der Bar "Le Constellation" in der Neujahrsnacht zu gedenken.
Es sind bewegende Momente im Bergidyll. In Trauer vereint, liegen sich Anwohner und Touristen in den Armen. Viele haben Blumen mitgebracht, die sie später am Unglücksort ablegen wollen. Vorher suchen sie bei der Messe Halt und Trost.
Trauerfeier in Crans-Montana: Pastor richtet sich an junge Menschen
Pastor Gilles Cavin, Präsident der Schweizer Synode, richtet sich in dem mit 300 Besuchern voll besetzten Gotteshaus insbesondere an die jungen Menschen. "Was ihr erlebt, was ihr fühlt, ist wichtig", sagte er.
Seine Ansprache wird live auf einem Großbildschirm auf dem Vorplatz übertragen: "Habt keine Angst, eure Gefühle, eure Ängste, eure Wut und eure Traurigkeit in Worte zu fassen. Traut euch, darüber zu sprechen, traut euch, um Hilfe zu bitten, traut euch, euch auf andere zu stützen. Um Unterstützung zu bitten oder sie anzunehmen, zeugt von Mut."
Von der Brand-Katastrophe waren vor allem junge Menschen betroffen. Das Entsetzen über das Desaster ist jedoch generationenübergreifend. Jung und Alt setzen sich bei dem Trauermarsch zum Unglücksort in Bewegung; er liegt nur wenige Gehminuten von der Kirche entfernt.
Applaus für die Einsatzkräfte
Über Crans-Montana liegt in diesen Minuten ein bedächtiges, betrübtes Schweigen. Unterbrochen wird die Ruhe, als die Einsatzkräfte, die am Trauermarsch teilnehmen, die Straße entlangschreiten. Mit einem leisen, langsamen Applaus zeigen die Anwohner und Touristen ihren Dank für die schnelle Reaktion insbesondere von Feuerwehr und Notfallrettern. Auch für sie war dieser Brand alles andere als ein Routineeinsatz, mehrere brechen beim Gang zum "Le Constellation" in Tränen aus.
In all der Trauer zeigt sich in Crans-Montana auch etwas Verbindendes. "Es war sehr bewegend, alle hier zusammen in Trauer zu sehen", sagt Sophie im Anschluss. Ihr habe es auch als Nicht-Christin geholfen, dass jemand wie der Pastor sie durch diese schmerzhafte Zeit leite. Die Worte hätten auch Hoffnung erzeugt: "Wir müssen als Gemeinschaft zusammenstehen."
Lange Anfahrt für die Trauerfeier
Mit Crans-Montana als Zweitwohnsitz wissen Sophie und Freund Luan, wie die Stimmung um diese Jahreszeit für gewöhnlich ist. "Der Jahresbeginn ist normalerweise eine Zeit der Freude", sagt Sophie und Luan ergänzt: "Die Leute haben eine gute Zeit, feiern und fahren Ski." Umso krasser ist jetzt der Kontrast.
Die Betroffenheit der Anwohner und Touristen ist auch in ihrer Verbundenheit zum "Le Constellation" begründet. Die Bar erfreute sich insbesondere bei einem jungen Publikum großer Beliebtheit – und auch die heute Älteren haben noch Erinnerungen an so manchen Drink im Zentrum von Crans-Montana. "Es ist ein Ort, an den wir alle jahrelang hingegangen sind", sagt Sophie: "Vor zehn Jahren hätten das auch wir sein können."
Doch selbst ohne solche persönlichen Bezüge sind die Betroffenheit und die Anteilnahme in der Schweiz groß. Andrea und seine Ehefrau haben am Sonntag eine Stunde Anfahrt auf sich genommen, um an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. "Wir wollen versuchen, unser bisschen Unterstützung und unsere Gebete zu geben", sagt der 42-Jährige. Persönlich kenne er zwar keine Opfer, das schmälert aber nicht Anteilnahme: "Das ist sehr berührend."