Spannend war die Podiumsdiskussion im Bräuwirt. Die Bürgermeisterkandidaten verraten ihre Pläne für Miesbach.
Miesbach – Wahlkampf in Miesbach ist familiär. Man kennt sich, und damit war die Podiumsdiskussion im Saal des Bräuwirts ein bisschen Sehen und Gesehen-werden. Was mit daran lag, dass die Kandidaten auf der Bühne – Bürgermeister Gerhard Braunmiller, Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne), Thomas Acher (SPD) und Bernhard Heidl (FDP) – Unterstützer mitbrachten.
Vier Bewerber für einen Posten, da lag die Frage von Stephen Hank, dem Leiter der Lokalredaktion im Landkreis Miesbach, der den Abend moderierte, nahe: Was macht diesen Job nur so reizvoll? Versicherungsagenturinhaber Heidl (63) verwies darauf, dass er schon immer ehrenamtlich aktiv gewesen sei und Verantwortung für Miesbach übernehmen wolle. Diplom-Ingenieur Acher (40) will etwas bewegen, weil viel Potenzial der Kreis㈠stadt liegen bleibe. Und TV-Regisseurin Güldner (58) haben ihr Amt als Vize-Bürgermeisterin und die positiven Erfahrungen motiviert: „Da habe ich Feuer gefangen.“ Diplom-Ingenieur Braunmiller (59) will dagegen Rathauschef bleiben: „Ich bin angekommen, es macht mir Spaß.“ Und nein, einen Plan B im Falle einer Wahlniederlage habe er nicht.
Bei der Diskussion setzte Heidl, der wie Acher bislang nicht im Stadtrat sitzt, dafür nun aber auch kandidiert, auf „Leidenschaft für Miesbach“. Als Vorsitzender des Fördervereins Warmbad stellte er fest, dass man Fördertöpfe auch auf den Weg bringen muss – „denn Kommunen haben nie Geld“. Es müsse den Gewerbetreibenden gutgehen samt Parkplätzen und Glasfaseranschluss. Zudem will er mehr vom Tourismus profitieren und regt eine „Freizeitregion Schlierachtal“ mit Hausham und Schliersee an.
Beim Wohnen müsse die Stadt Rahmenbedingungen schaffen und Leerstand beheben, bei der Stadtentwicklung zähle der Dialog mit den Geschäftsleuten. Auch reiche es, den Marktplatz nur drei, vier Monate im Sommer autofrei zu halten. „Wir sollten mal was anderes probieren.“ Wichtig sei es, die Bürger von Beginn an in Projekte einzubinden – „der beste Gedanke zählt“.
Acher machte seine fehlende Ratserfahrung mit lebensnaher Erkenntnis und Professionalität wett. Um Einnahmen zu stärken, setzt er auf gezieltes Investieren in Wohnraum – auch mit Kommunalunternehmen und Einheimischenmodell –, um so auch die Wirtschaft personell zu stärken.
Mit dem Rufbus-Modell ließen sich abgelegenere Bereiche erschließen und Hauptverkehrswege entlasten – gerne in Kooperation mit Hausham. Parkleitsystem und Radlangebot könnten das Konzept ergänzen. Bei der Bürgerbeteiligung will er von Weyarn lernen. Dafür brauche es Vertrauen in die Bürger und eine politische Kultur, deren Entscheidungen zu akzeptieren. Auch bei der Bürgerversammlung wünsche er sich weniger Distanz. Und für die Vereine wäre ein Ehrenamtsreferent im Stadtrat sinnvoll. „Miesbach kann mehr“, findet Acher, und das will er mit einer „couragierten Politik, die nicht vor Neuem zurückschreckt“, erreichen.
Miesbachs Strahlkraft stärken will Güldner, die auf Dialog mit dem Bürger setzt. Als Vize-Bürgermeisterin sei sie tiefer in die Themen eingestiegen und habe vertrauensvoll mit der Verwaltung gearbeitet – „ich habe viel gelernt“. Für wirtschaftliche Stabilität will sie Kosten senken und Miesbach als Einkaufsstadt stärken. Beim Wohnen favorisiert sie Quartierslösungen und höherwertige Wohnungen, um Älteren Anreiz zu bieten, nach dem „Wohnen in Rotation“-Prinzip ihr zu großes Haus jungen Familien zu überlassen.
Stadtentwicklung definiert sie mit Mobilität, Wohnen und Energie als „gemeinsame Entwicklung der gesamten Stadt“. Das Ehrenamt sei das „Rückgrat von Miesbach“, und deshalb „wünschen sich die Bürger mehr Mitnahme“. Angst, als Grüne ohne Mehrheit im Stadtrat zu scheitern, hat sie nicht: „Ich müsste mir Mehrheiten suchen, ohne durchzuregieren. Das hilft der Sache.“
Für Braunmiller ist Miesbach auf dem richtigen Weg. Vieles sei vorhanden, anderes auf dem Weg. An Lebensqualität fehle nichts – „wir sind sehr gut aufgestellt“. Während die Herausforderer neue Wege anregten, verließ sich der Amtsinhaber auf die Beschreibung aktueller Abläufe. Beim Wohnen verwies er aufs Gschwendt, genehmigte Nachverdichtungen und Verträge mit Bauherren. Die Stadtentwicklung laufe nach Konzept, und Bürgerbeteiligung werde über verschiedene Arbeitskreise abgedeckt. Dank GWM und Stadtmarketing stehe man „ständig in Kontakt“ mit den Geschäftsleuten.
Ziel der nächsten Jahre sei es, die 28 Millionen Euro Schulden mit jährlich 1,8 Millionen Tilgung auf 20 Millionen zu senken. Dabei müsse genug Geld für Pflichtaufgaben übrig bleiben. Insgesamt habe er „sechs Jahre lang bewiesen, dass er Projekte durchziehen und beenden kann“. Das wolle er in der neuen Amtszeit fortsetzen.
Spannend war, wie die Kandidaten ihre Stärken beschrieben: Während Braunmiller sportliche Begeisterung angab, nannte Güldner ihren Optimismus und Acher sein Durchhaltevermögen. Heidl sagte mit Brustton: „Dranbleiben!“ Das gilt für die nächsten Wochen für alle Kandidaten bis zur Wahl am 8. März und – nicht unwahrscheinlich – zur Stichwahl am 22. März.