Teilzeit-Debatte: „Flexibler als Vollzeitkräfte" – Unternehmer widerspricht CDU

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In gewissen Branchen wie der Gastronomie ist das Teilzeitmodell besonders wichtig (Symbolfoto). © IMAGO

Anton Stetter vom Unternehmerverband hält die Teilzeit-Debatte für falsch. Er fordert stattdessen Reformen und mehr Arbeitsanreize für Beschäftigte.

Landkreis – Geht es nach dem Wirtschaftsflügel der CDU, sollen nur noch Arbeitnehmer in Teilzeit arbeiten, wenn besondere Umstände vorliegen. Die Mittelstands-Union im Landkreis hält diesen Antrag für einen „politischen Irrweg“. Der Vorstand des Unternehmerverbands im Landkreis, Anton Stetter (63), hat eine ähnliche Meinung zu diesem Thema, wie er im Interview verrät.

Herr Stetter, was sagen Sie zur aktuellen Teilzeit-Debatte?

In der augenblicklichen politischen Situation finde ich es unmöglich, eine solche Debatte anzustoßen. Meiner Meinung nach gibt es Wichtigeres.

Womit sollte sich die Politik stattdessen beschäftigen?

Es sollten endlich Reformen angestoßen werden. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, weniger Regularien und mehr Liberalität für Arbeitgeber.

Anton Stetter
Anton Stetter © THOMAS PLETTENBERG

In Deutschland lag die Teilzeitquote im vergangenen Jahr auf einem Rekordniveau von 40 Prozent. Wie schaut es in den Mitgliedsbetrieben des Unternehmerverbands aus?

Dem Unternehmerverband im Landkreis gehören etwa 200 Betriebe an. Ich denke, dass die Quote bei uns ähnlich hoch ist.

Warum ist das Teilzeitmodell wichtig?

In gewissen Branchen wie beispielsweise der Gastronomie ist es sehr wichtig. Teilzeitkräfte sind eher bereit, auch am Wochenende zu arbeiten.

Tatsächlich?

Sie sind flexibler als Vollzeitkräfte und nehmen die Wochenendzuschläge gerne mit. Sie schätzen es, dafür unter der Woche mal frei zu haben. 90 Prozent der Teilzeitkräfte sind Frauen. Für Mütter ist das Teilzeitmodell auch ein guter Wiedereinstieg ins Berufsleben. Und zum Teil erledigen Teilzeitkräfte ihre Arbeit viel effektiver als so manche Vollzeitkraft.

Welche Nachteile gibt es?

Man braucht mehrere Leute für den gleichen Job. Das bedeutet, dass mehrere Mitarbeiter dafür angelernt werden müssen. Aber Hauptsache ist doch, dass die Leute überhaupt arbeiten.

Kritiker des CDU-Papiers fordern generell mehr Arbeitsanreize. Würden Sie das auch unterschreiben?

Es müsste sich insgesamt etwas ändern, damit Arbeiten wieder attraktiver wird. Von geringeren Lohnnebenkosten hätten Arbeitnehmer und Arbeitgeber etwas. Und wenn es ein besseres Kinderbetreuungsangebot zum Beispiel in den Ferien geben würde, würden mehr Frauen mehr Stunden arbeiten.