Ein deutscher Comedian sorgt für einen Aufschrei auf Grönland. Das NDR entschuldigt sich für Satire-Aktion in politisch heikler Zeit.
Nuuk – Es sollte witzig sein, doch die Grönländer lachen nicht. Ein deutscher TV-Komiker wollte für seine Sendung eine US-Flagge in der Hauptstadt Nuuk hissen - und kassierte dafür ein Bußgeld. Die Aktion des NDR-Teams sorgt mitten in der Trump-Grönland-Krise für internationale Aufregung.
Am Mittwoch (29. Januar 2026) versuchte Maximilian Schafroth, der unter anderem als Synchronsprecher des „Pumuckl“ und als Fastenredner beim „Derblecken“ auf dem Münchner Nockherberg bekannt ist, vor dem Kulturzentrum in Nuuk das Sternenbanner zu hissen. Mitarbeiter des Kulturzentrums hinderten ihn jedoch daran. Die Szene wurde von einem Kamerateam gefilmt und sollte offenbar auf Donald Trumps Grönland-Pläne anspielen.
NDR bestätigt Dreharbeiten und entschuldigt sich
Der grönländische Aktivist Orla Joelsen, der ein Video der Aktion veröffentlichte, reagierte empört: „Wenn Sie unsere Werte nicht respektieren, warum sind Sie dann in Nuuk?“ Gegen den Komiker wurde laut Joelsen Anzeige erstattet.
Der Norddeutsche Rundfunk bestätigte den Vorfall gegenüber mehreren Medien. Eine NDR-Sprecherin erklärte laut t-online: „Dabei hat ein Mitglied des Teams vorgegeben, eine US-Flagge auf einem öffentlichen Platz hissen zu wollen. Dafür wurde vor Ort ein Bußgeld verhängt.“
Bereits zweiter Vorfall binnen zwei Tagen
Der Sender ruderte schnell zurück und entschuldigte sich. „Zu keinem Zeitpunkt sollte während des Drehs der Eindruck entstehen, Ziel der Satire seien Grönländerinnen und Grönländer“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Redaktion bedauere, falls dieser Eindruck entstanden sei.
Schafroth war laut t-online bereits am Dienstag aufgefallen. Am Flughafen der grönländischen Hauptstadt Nuuk hatte er nach seiner Landung aus Kopenhagen auf Englisch verkündet, US-Präsident Donald Trump sei gelandet und die Grönländer hätten ihm zugejubelt. Der Jubel galt jedoch demnach einer grönländischen Futsal-Mannschaft.
Grönland im Fokus der Politik: Timing verschärft die Kritik
Eine Augenzeugin berichtete laut Welt, Schafroth habe sich als US-Regierungsvertreter ausgegeben und den Platz schnell verlassen, als er den Widerstand bemerkte. In der angespannten politischen Lage sorgte dies für zusätzliche Verwirrung bei den Einheimischen.
Hunderte Kommentare unter X-Beitrag von Schafroth in Grönland
Die Reaktionen auf den Vorfall fielen heftig aus. Unter dem X-Beitrag von Orla Joelsen sammelten sich binnen weniger Stunden über 1100 Kommentare. Eine amerikanische Nutzerin entschuldigte sich stellvertretend: „Als Amerikanerin tut mir diese Respektlosigkeit so leid. Er kann von Glück reden, dass er nicht verprügelt wurde!“ Ein kanadischer Nutzer forderte schärfere Konsequenzen und schlug vor, den Verursacher „in das nächste verfügbare Flugzeug zu setzen“.
Mehrere Nutzer spekulierten über die wahren Absichten hinter der Aktion. Eine Nutzerin vermutete, der Mann wolle „etwas für seine Follower aufnehmen, um zu sagen: ‚Seht ihr, sie haben die amerikanische Flagge in Grönland! Sie WOLLEN sich uns anschließen‘“. Ein anderer Kommentator äußerte den Verdacht einer „False-Flag-Operation, um anti-amerikanische Stimmung zu verstärken.“ Joelsen selbst fragte: „Würden Sie es wagen, so etwas an öffentlichen Institutionen in Deutschland zu tun?“
Grönland im Fokus der Politik: Aufgeheizte Stimmung
Die Aktion fiel in eine besonders heikle Phase der deutsch-amerikanisch-dänischen Beziehungen. Erst am Mittwoch hatten sich Vertreter der USA, Dänemarks und Grönlands zu ersten Gesprächen über eine friedliche Lösung des Grönland-Konflikts getroffen. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen hatte sich nach den Verhandlungen vorsichtig optimistisch gezeigt. US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Monaten die sicherheitspolitische Notwendigkeit für einen Kauf der Insel durch die USA betont, beim Weltwirtschaftsforum in Davos aber klargestellt, nicht mit militärischer Gewalt gegen den NATO-Verbündeten Dänemark vorzugehen. (Quellen: t-online, Welt, DPA, AFP) (cgsc)