Drogen nur ein Vorwand: Darum geht es Trump bei Attacke auf Venezuela wirklich

Die Welt blickt am Samstagmorgen gebannt nach Südamerika: Die USA haben massiv Ziele in Venezuela angegriffen. Wie die CBS-Korrespondentin Jennifer Jacobs unter Berufung auf US-Beamte auf der Plattform X berichtete, hatte Präsident Donald Trump gezielte Schläge gegen militärische Einrichtungen angeordnet. Zivilisten und Soldaten des südamerikanischen Landes wurden bei dem Angriff offenbar getötet.

Die USA haben zudem nach Angaben von Trump den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro und dessen Ehefrau festgenommen. Sie seien aus dem südamerikanischen Land ausgeflogen worden.

Augenzeugen berichteten von heftigen Detonationen und Rauchsäulen, unter anderem über dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota. Kurz darauf bestätigte das Regime von Nicolás Maduro den "schweren militärischen Angriff", rief den Ausnahmezustand aus und ordnete die Mobilisierung der Bevölkerung an. 

Trumps unberechenbare Strategie: Das will er in Venezuela wirklich

Doch hinter der offiziellen Rhetorik der Drogenbekämpfung steckt ein weitaus komplexeres Kalkül. Donald Trump verfolgt geschäftliche Interessen, wie unter anderem der Lateinamerika-Experte am Deutschen Institut für Globale und Regionale Studien, Jesus Renzullo erklärt:  Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. 

Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund einer Million Barrel pro Tag derzeit recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Verantwortlich dafür sind Sanktionen, Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA und Korruption. Seit diesem Jahr fördert auch der US-Ölriese Chevron wieder in Venezuela.

Der Angriff kündigte sich lange vorher an: James Story, ehemaliger US-Botschafter in Venezuela unter Trump, sagte, die eingesetzten militärischen Ressourcen seien "viel zu zerstörerisch", um nur zur Drogenbekämpfung einzusetzen.  

Politisches Vermächtnis: Will Trump Maduro für sein Erbe stürzen?

Ein wesentlicher Treiber hinter diesem Vorstoß ist zudem Trumps Versuch, sein eigenes historisches Vermächtnis zu manifestieren. Während er sich global oft als "Dealmaker" präsentiert, der Kriege beenden will, scheint er in Venezuela die Chance auf einen schnellen, prestigeträchtigen Sieg zu sehen. 

Ein Sturz Maduros ist die ultimative Machtdemonstration in der Region und würde Trump als den starken Mann zementieren, der das sozialistische Regime vor der eigenen Haustür endgültig besiegt hat. 

Jesus Renzullo sieht noch ein weiteres Motiv hinter dem Handeln der US-Regierung. Laut Renzullo könnte Trumps Außenminister Marco Rubio - ein bekannter "Falke" in der Außenpolitik und erklärter Gegner des Maduro-Regimes - die Gelegenheit nutzen, auch den Druck auf Kuba auszuweiten.

Trumps Motivation: Er will Kuba schwächen

Die kubanische Regierung wird international immer wieder wegen gravierender Defizite bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit kritisiert. Der sozialistische Inselstaat in der Karibik befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, seine Energieversorgung hängt stark von Öllieferungen aus Venezuela ab.

"Venezuela ist der einzige Joker, auf den Kuba in seiner Nachbarschaft noch setzen kann", so Renzullo. "Kuba würde wirklich sehr stark eingeschränkt werden und wirtschaftlich sehr leiden", sagt er mit Blick auf einen möglichen Sturz des Regimes in Venezuela.

Kaum ein Thema polarisiert die US-Innenpolitik so stark wie Migration, und auf diesem Gebiet hat Trump weiterhin seine höchsten Zustimmungswerte. Die Zahl venezolanischer Migranten in die USA ist infolge der sozialistischen Verelendung unter Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chavez seit Jahren massiv gestiegen – von 33.000 Zuwanderern 1980 auf 770.000 im Jahr 2023. Für Trump ist das ein willkommenes Argument, um Härte zu demonstrieren.