Bier könnte in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Herstellung von unter anderem Burgern spielen. Professor Richard Day und Christian Harrison vom University College London erklärten gegenüber der britischen Tageszeitung "The Sun", dass übrig gebliebene Brauhefe als Gerüst für künstliches Fleisch dienen kann.
Zellulose-Gerüste aus Bierhefe
Mithilfe spezieller Bakterien stellen die Forscher geschmacklose Zellulose her, die anschließend zu winzigen Gerüsten geformt wird. An diesen Strukturen können Fleischzellen wachsen, wodurch ein Produkt mit festerer, hackfleischähnlicher Konsistenz entsteht. Die Forscher veröffentlichten den Nachweis ihrer Methode im Fachjournal "Frontiers in Nutrition".
Dabei ist die Zellulose essbar und wird steril aufbereitet, sodass keinerlei Biergeschmack zurückbleibt. Die Wissenschaftler haben das Verfahren bereits erfolgreich an Mausfleischzellen getestet und planen laut "The Sun", es künftig auch auf Rind- und Schweinehack auszudehnen.
Bierabfälle können sinnvoll genutzt werden
Ein Teil der bei der Bierherstellung anfallenden Hefe wird zur Produktion von Marmite verwendet. Dennoch gehen weltweit jedes Jahr Hunderttausende Tonnen verloren. Nun haben die Forscher einen Weg gefunden, diese Reste sinnvoll einzusetzen.
Die britische Food Standards Agency, die für Lebensmittelsicherheit und -kontrolle zuständig ist, erwartet, dass Laborfleisch bereits 2026 in Supermärkten in Großbritannien erhältlich sein könnte. Seit 2025 sind solche Lebensmittelprodukte im Vereinigten Königreich für die Verwendung als Tierfutter zugelassen.
3 Fakten über Laborfleisch
- Herstellungsprozess: Laborfleisch entsteht aus Stammzellen lebender Tiere. Diese werden in Bioreaktoren mit Nährstoffen wie Aminosäuren und Kohlenhydraten gezüchtet, um Muskelgewebe zu bilden – ganz ohne Schlachtung.
- Geschichte und Meilensteine: Das erste Laborfleisch-Burger-Patty wurde 2013 von Forschern der Universität Maastricht in den Niederlanden hergestellt. Seit 2020 ist kultiviertes Fleisch in Ländern wie Singapur kommerziell verfügbar, und 2023 genehmigte die USA den Verkauf von kultiviertem Huhn.
- Umwelt- und Ethikvorteile: Laborfleisch könnte den Bedarf an Tierhaltung verringern, Methanemissionen reduzieren, Abholzung bremsen und Tierleid vermeiden. Allerdings ist die Produktion derzeit noch energieintensiv und teuer; Experten sehen bei einer Skalierung jedoch großes Potenzial für Nachhaltigkeit.