Drei Auszeichnungen für besondere Berufsausbildung: „Geht mit viel Verantwortung einher“

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Erfolgreich: Jonas Filgertshofer ist IHK-Innungssieger Oberbayern, Landessieger und Bundessieger im Landkreis. © Arndt Pröhl

Der 21-Jährige Jonas Filgertshofer zählt als Fachkraft für Fruchtsafttechnik zu den Bundessiegern seines Jahrgangs. Er hat mit Top-Note abgeschlossen. Doch seinen Beruf kennen viele nicht.

Schlegldorf – Wenn Jonas Anton Filgertshofer auf seinen Beruf angesprochen wird, muss er sich oft erklären. Der 21-Jährige hat kürzlich seine Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik abgeschlossen. „Viele kennen den Beruf gar nicht“, sagt er mit einem Schmunzeln. Im November ist er in den elterlichen Betrieb „Fruchtsaft Wenig“ eingestiegen. Sein Vater, Geschäftsführer Anton Filgertshofer, ist darauf sehr stolz. Nicht nur, weil der eigene Sohn in seine Fußstapfen treten möchte, sondern auch, weil er seine Ausbildung mit Bravour abgeschlossen hat. Jonas Anton Filgertshofer hat 99 von möglichen 100 Punkten bei den Prüfungen erreicht. Er zählt damit zu den Bundes-, Landes- und IHK-Oberbayern-Siegern seines Jahrgangs.

Einzige Mosterei im Tölzer Land

„Ich habe drei Jahre lang eine ganz klassische Berufsausbildung in dem Rosenheimer Betrieb ORO Obstverwertung Rohrdorf gemacht“, sagt der 21-Jährige. Tatsächlich ist ORO das nächstgelegene Unternehmen, bei dem man eine Ausbildung zum Fruchtsafttechniker absolvieren kann. „Hier in Oberbayern gibt es nur noch ganz wenige Mostereien. Wir sind im Landkreis die einzigen“, erklärt sein Vater.

Vielfältigkeit im Berufsalltag

Trotz dieses Alleinstellungsmerkmals und obwohl er seit frühester Kindheit mit Obstpressen und Säften zu tun hat, sei es für ihn nicht von Anfang an klar gewesen, einmal in den Familienbetrieb einzusteigen. „Ich habe, bis ich etwa 17 Jahre alt war, überhaupt nicht darüber nachgedacht. Aber als der Schulabschluss näher kam, habe ich mir Gedanken gemacht, was ich beruflich gerne machen würde.“ Für Lebensmittel und deren Verarbeitung hat sich der Lenggrieser schon immer interessiert. „Also habe ich in meinem späteren Ausbildungsbetrieb dann mal ein Praktikum gemacht, und das hat mir richtig gut gefallen.“ Zum einen habe er gemerkt, wie viel Wissen er durch seine Ferienjobs bei den Eltern schon mitbringt. „Zum anderen war ich dennoch überrascht, wie vielfältig der Beruf ist.“

Die Vielfältigkeit bestehe in einer Mischung aus Themen rund um das Obst, die Eigenschaften verschiedener Früchte sowie deren Verarbeitung. „Aber es geht auch viel um technische Aspekte und Maschinen“, erklärt Filgertshofer. Für den guten Abschluss habe er sich schon bemüht. „Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich überdurchschnittlich viel gelernt hätte. Es ist mir leicht gefallen, und natürlich habe ich auch eine hohe Motivation gehabt, alles ordentlich und gewissenhaft zu machen. Immerhin geht bei einem selbstständigen Familienunternehmen auch viel Verantwortung mit einher.“

Äpfel als Kerngeschäft

In der Schlegldorfer Firma liefern umliegende Bauern, Streuobstwiesenbesitzer und auch Privatleute, die Obstbäume im Garten haben, Äpfel und Birnen an. „Das Ganze basiert auf dem Prinzip der Lohnware. Das Obst wird gewogen, und die Leute, die es abgeben, bekommen dann Saft von uns. Es ist ein Tauschgeschäft.“ Familie Filgertshofer setzt bei der Saftproduktion auf Regionalität und Saisonalität. „Aber wir haben auch ein paar exotischere Säfte im Sortiment. Dafür kaufen wir dann das Fruchtkonzentrat oder Fruchtmark zu.“ Ein Beispiel dafür ist der Maracujasaft. Absoluter Bestseller ist ganz klar der naturtrübe Apfelsaft. „Das ist einfach unser Klassiker und damit unser Kerngeschäft. Wir haben auch viele Mischsorten, etwa Apfel-Kirsch- oder Apfel-Orangensaft, die ebenfalls sehr gefragt sind“, erklärt Jonas Filgertshofer.

Aktuell arbeitet er mit seinem Vater und seinem Onkel zusammen in dem Familienunternehmen. Jonas ist die vierte Generation. „Nun geht es darum, dass ich mich einarbeite und wir uns sinnvoll aufteilen.“ Mit Blick in die Zukunft könne er sich gut vorstellen, Neues umzusetzen und ein bisschen frischen Wind in den Betrieb zu bringen. „Ich habe einige Ideen und freue mich darauf, das ein oder andere davon in Zukunft umzusetzen.“