ADAC schlägt Alarm wegen besorgniserregendem Trend – „Unfallrisiko steigt“

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Die Bedienung moderner Autos wird immer schlechter, warnt der ADAC. Sieben Jahre Datenauswertung zeigen eine besorgniserregende Entwicklung auf.

München – Die Zeiten einfacher Knöpfe und Schalter im Auto sind längst vorbei. Moderne Fahrzeuge setzen zunehmend auf große Touchscreens und digitale Menüs – mit gefährlichen Folgen für die Verkehrssicherheit. Der ADAC schlägt nun Alarm: Eine aktuelle Auswertung der Autotests der vergangenen sieben Jahre zeigt eine besorgniserregende Entwicklung.

Mann bedient einen Touchscreen
Immer mehr Touch-Bedienung: Der ADAC sieht diese Entwicklung in modernen Fahrzeugen als gefährlich an. (Symbolbild) © Westend61/Imago

Lag die durchschnittliche Bewertungsnote für die Fahrzeugbedienung im Jahr 2019 noch bei 2,3 („gut“), verschlechterte sie sich kontinuierlich auf 2,7 („befriedigend“) im Jahr 2025. Besonders dramatisch: Während 2019 kein Fahrzeug schlechter als 3,2 abschnitt, erhielt 2025 das schlechteste Modell sogar die Note 4,0.

ADAC kritisiert verschachtelte Menüstrukturen und Tasten ohne haptisches Feedback

Die Entwicklung sei kein Zufall, sondern in stehe in direktem Zusammenhang mit der überwiegend softwaregetriebenen Bedienung die sich auf Touchscreens mit verschachtelten Menüstrukturen und Tasten ohne haptisches Feedback konzentriert, erklärt der ADAC. Verschachtelte Menüstrukturen und Tasten ohne haptisches Feedback führen zu längeren Bedienzeiten und höherer Konzentration beim Fahrer. Die Untersuchungen des Automobilclubs zeigen: In Fahrzeugen mit überwiegender Touchscreen-Bedienung verlängern sich die Bedienzeiten und Autofahrer müssen sich stärker konzentrieren, um eine Fehlbedienung zu verhindern oder eine Funktion zu finden. In der Folge steigt die Ablenkung und damit das Unfallrisiko.

Gefährliche Ablenkung vom Verkehr durch Bedienung in Untermenüs

Besonders kritisch wird es, wenn alltägliche Funktionen wie Klimaanlage, Radiolautstärke oder sogar die Verstellung von Außenspiegeln nur noch über mehrere Menüebenen erreichbar sind. Ein Probandentest des ADAC aus dem Jahr 2022 ergab bereits, dass das Suchen in Digital-Menüs zu „gefährlich langer Ablenkung“ vom Verkehrsgeschehen führt.

Es sei geradezu paradox, dass die Nutzung von Smartphones am Steuer zu Recht verboten ist, die Bedienung riesiger Tablet-ähnlicher Bildschirme im Auto aber erlaubt bleibe, so der Automobilclub. Manche chinesische Modelle ermahnen den Fahrer sogar, sich auf den Verkehr zu konzentrieren – während er gleichzeitig komplexe Menüs bedienen soll.

Euro NCAP reagiert mit neuen Regeln

Die europäische Sicherheitsbewertung Euro NCAP zieht nun Konsequenzen. Seit Januar 2026 können Fahrzeuge nur noch die volle Punktzahl erhalten, wenn sicherheitskritische Funktionen wie Blinker, Warnblinker, Hupe, Scheibenwischer und eCall über physische Bedienelemente mit direktem haptischen Feedback verfügen. Reine Touch-Lösungen werden entsprechend abgewertet.

ADAC fordert Umdenken

Der Automobilclub fordert den Gesetzgeber auf, die Homologationsvorschriften zu verschärfen. Sicherheitsrelevante Funktionen müssen über blind bedienbare, haptische Elemente verfügbar sein. Die Hersteller sollten zu physischen Tasten mit echten Druckpunkten zurückkehren und die Sprachsteuerung verbessern – im neuen VW ID.Polo hat man diesen Wunsch berereits erhört.

Für Autofahrer empfiehlt der ADAC, sich vor jeder Fahrt mit der Menüführung vertraut zu machen und bei oft genutzten Funktionen eine „Blind-Probe“ durchzuführen. Die Sprachsteuerung sollte wo möglich genutzt werden, um den riskanten Griff zum Touchscreen zu vermeiden. (Quelle: ADAC, eigene Recherche) (sop)

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/verbraucher/adac-schlaegt-alarm-wegen-besorgniserregendem-trend-unfallrisiko-steigt-94145558.html