Ein historischer Wintersturm wütet derzeit durch Nordamerika und sorgt dafür, dass Bäume „explodieren“. Das steckt hinter dem Phänomen.
New York – In den Vereinigten Staaten wütet derzeit ein historischer Wintersturm mit Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius. Mehrere Menschen sind bereits an den Folgen der extremen Kälte gestorben, Hunderttausende sind von Stromausfällen betroffen. In mindestens 20 Bundesstaaten riefen die Behörden den Notstand aus, Tausende Flüge wurden gestrichen. Auch für Montag warnte der Nationale Wetterdienst (NWS) vor erheblichen Einschränkungen.
In sozialen Medien wird derzeit vor einer weniger bekannten Folge der extremen Kälte gewarnt: sogenannten „explodierenden Bäumen“. Dabei ist ein lauter Knall zu hören, der durch die verschneite Landschaft hallt – fast wie ein Gewehrschuss.
„Es wird laut werden, aber es ist nicht gefährlich“: Das steckt hinter den „Baumexplosionen“
Doch obwohl starker Schneefall, Eis und bittere Kälte Bäume tatsächlich schwer beschädigen können, gibt es laut dem Experten John Seiler eine wichtige Klarstellung: Bäume explodieren nicht wirklich, zumindest nicht in dem Sinne, den der Begriff nahelegt. Was umgangssprachlich als „Baumexplosionen“ bezeichnet wird, nennen Wissenschaftler „Frostrisse“. Der Name kommt vor allem vom Geräusch: „Es klingt eher wie ein Schuss, ein wirklich lautes Knallen“, so Seiler.
„Es wird laut werden, aber es ist nicht gefährlich. Es fliegen keine Holzsplitter durch die Gegend“, erklärt er. „Und was den Baum angeht, so wird er nicht sterben, wenn er so aufbricht. … Aber weil die Rinde aufgebrochen ist, könnte er durch Insekten, die ins Innere gelangen, oder durch Infektionen wie Pilze oder Bakterien absterben“, erklärt Seiler gegenüber CNN.
Außergewöhnliches Wetter-Phänomen in den USA: Wie kommt es zu den explodierenden Bäumen?
Wird es kalt genug, gefriert der Saft oder Wasser im Inneren des Baumes und dehnt sich, ähnlich wie Eiswürfel im Gefrierschrank, sehr schnell aus. Der dadurch entstehende Druck kann so groß werden, dass die Rinde platzt – oft begleitet von einem ohrenbetäubenden Geräusch. Die sogenannten Frostrisse bilden sich als vertikale Spalten im Stamm und können sich über die gesamte Länge des Baumes ziehen. „Diese Risse entstehen häufig an bereits vorhandenen Schwachstellen in der Rinde“, erklärt Eric Otto vom Minnesota Department of Natural Resources der New York Times.
Tatsächlich gibt es aber noch ein weiteres Risiko: Während des Sturms könnten schwere Äste aufgrund des Gewichts von Eis oder Schnee von den Bäumen fallen, warnt der Wissenschaftler Doug Aubrey, Professor an der Warnell School of Forestry and Natural Resources der University of Georgia gegenüber CNN. Ein schwerer Ast könnte ein Haus, ein Fahrzeug oder sogar einen Menschen treffen und verletzten. Der extreme Wintersturm betrifft mehr als 200 Millionen Menschen in 30 US-Bundesstaaten. Besonders im Mittleren Westen und in den nördlichen Prärie-Staaten, ist die Lage kritisch, berichtet die Daily Mail. (Quellen: CNN, New York Times, , The Daily Mail) (jus)