Die angekündigte Führerschein-Reform kommt frühestens 2027. Erdinger Fahrschulinhaber bezweifeln, dass die Preise dann wirklich sinken werden.
Erding – So mancher potentielle Fahrschüler in Erding wartet derzeit noch mit dem Führerschein. Im vergangegen Herbst kündigte das Bundesverkehrsministerium ene Reform an, um den etwa 3500 Euro teuren Führerschein günstiger werden zu lassen.
Ein kürzerer Fragenkatalog für die Theorieprüfung, der theoretischen Unterricht nur noch online und Fahrstunden am Simulator sollen die Geldbeutel entlasten, soweit der Gedanke. Doch die Reform verzögert sich und wird frühestens 2027 greifen, wie Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bekanntgab. Dennoch bemerken Erdings Fahrschulen immer noch einen Rückgang bei den Anmeldungen.
„Das ist ein schlechteres Lernerlebnis als in echt“
„Ist es jetzt schon billiger?“ Mit diesen Worten melden sich viele telefonisch bei Christoph Flittner, dem Inhaber der Fahrschule Flittner aus Erding. Ob sich der Preis mit der neuen Reform überhaupt ändert, bezweifelt dieser jedoch. „Es macht keinen Sinn, zu warten“, stellt Flittner klar. Aktuell koste bei ihm ein Führerschein im Durchschnitt zwischen 3000 und 3500 Euro. Doch „markant billiger“ würde es auch durch die angekündigte Reform nicht werden, vermutet der Fahrschulinhaber.
Am ehesten könnten die Fahrschüler bei der Theorieprüfung sparen, vermutet Flittner. Denn bei weniger Fragen im Katalog müssten auch weniger Schüler den Test wiederholen. Das Streichen mancher Fragen befürwortet Flittner.
Vom Online-Unterricht hält er hingegen nichts. „Das ist ein schlechteres Lernerlebnis als in echt“, sagt er. Fahrstunden mit einem Simulator zu ersetzen, sieht er auch skeptisch. „Der ist nur sinnvoll, wenn man ihn ergänzend benutzt“, sagt er. Und zwar für Situationen, die seltener im Straßenverkehr passieren wie etwa plötzliche Unfallsituationen.
„Warum befreie ich die Fahrschule nicht von der Umsatzsteuer?“
Auch die Prüfungszeit verkürze sich mit der Reform nur um fünf Minuten, wie Flittner betont. Denn die vom Ministerium geforderten 25 Minuten beziehen sich ausschließlich auf die Fahrzeit. Dazu kommen allerdings noch Fragen rund um die Technik und ein Feedbackgespräch. Gesamtergebnis: Eine Prüfungszeit von 50 statt den bisherigen 55 Minuten.
„Wir haben schon einen Rückgang bemerkt“, sagt Markus Köllmberger, Inhaber der Fahrschule Pustal in Erding. Auch bei ihm kostet der Führerschein aktuell knapp 3500 Euro, inklusive Prüfungsgebühren. Für ihn sei die angekündigte Reform nicht die beste Lösung: „Warum befreie ich die Fahrschule nicht von der Umsatzsteuer?“, fragt er und verweist auf Tanzschulen, die so finanziell entlastet werden.
„Es geht ums Verstehen, nicht ums Auswendiglernen“
Zusätzlich könnten Kunden erneut 19 Prozent sparen, wenn es die Möglichkeit gebe, den Führerschein von der Steuer abzusetzen. Gut findet Köllmberger an der Reform, dass der Fragenkatalog reduziert wird. Schließlich wären Aufgaben wie das genaue Berechnen des Bremswegs nicht praxisrelevant. Würde allerdings die Präsenz beim Unterricht wegfallen, traue sich vielleicht kein Schüler mehr, bei Unklarheiten nachzufragen. „Es geht ums Verstehen, nicht ums Auswendiglernen“.
Den Simulator benutzt er schon seit zehn Jahren. Den findet er als Ergänzung auch sinnvoll. Vor allem könne er dabei helfen, den Schülern die motorischen Abläufe zu lehren: kuppeln, Gas geben, bremsen. So spare sich der Fahrschüler etwas Geld, weil er weniger Fahrstunden benötige. Die Fahrschule selbst brauche allerdings wiederum Personal, das die Schüler beim Simulator einweist. Bei einem sind sich die Fahrlehrer einig: Am Ende regeln Angebot und Nachfrage den Markt.