Finsing protestiert gegen Stromtrasse: „Wir sind schon genug gestraft"

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Finsing

Kommentare

Rückgebaut werden sollen diese Masten auf Ottenhofener Flur, im Hintergrund zu sehen der Reiterhof Steiler. Die neue Trasse verläuft über dem Finsinger Holz. © Vroni Macht

Die Tennet-Leitung spaltet die Gemeinden im Landkreis Erding. Während Finsing massiv protestiert, verzichtet Moosinning auf Einwände.

Südlicher Landkreis – Die Regierung von Oberbayern hat das Planfeststellungsverfahren für die Erneuerung der Höchstspannungsleitung zwischen den Umspannwerken Oberbachern (Kreis Dachau) und Ottenhofen eingeleitet. Im Kreis Erding sind davon die Gemeinden Ottenhofen, Finsing, Neuching und Moosinning betroffen. Deren Gemeinderäte haben sich alle mit dem Thema beschäftigt – und unterschiedliche Stellungnahmen erarbeitet, je nach Betroffenheit.

Noch ein Umspannwerk für Finsing?

Der Netzentwicklungsplan 2037 bis 2045 sieht circa zehn neue Umspannwerke in Bayern vor. Dafür wurde unter anderem ein 20 bis 30 Hektar großer „Suchraum Finsinger Weiher“ benannt, berichtete Bürgermeister Max Kressirer (WGE) im Gemeinderat. Freilich müsse man „dem Energiehunger, den wir alle an den Tag legen, gerecht werden. Aber das ist für uns schon bedenklich.“ Geschäftsleiter Helmut Fryba ergänzte, dass das Werk durchaus auf Neuchinger Flur fallen könnte: „Es gibt noch keinerlei weitere Plahnungen.“ Jedoch sei der Bereich beim Weiher ein Knotenpunkt mit vier Hochspannungsleitungen. Dieter Heilmair (CSU) meinte, man solle „frühzeitig Widerstand aufbauen“ – und diesen Punkt in die Stellungnahme zum Ersatzneubau der Leitung nach Oberbachern aufnehmen (siehe Bericht).

Die meiste Kritik an der Führung des rund 50 Kilometer langen Trassenstücks kam dabei aus Finsing. Wie berichtet, soll die Leitung künftig über das Finsinger Holz verlaufen. Das bemängelt nicht nur die Kommune, auch viele Bürger sind dagegen: Rund 750 Unterschriften wurden gesammelt. Auch sie sollen eingereicht werden – „aber inwieweit das erfolgversprechend ist?“, stellte Kressirer in den Raum.

Ottenhofen zufrieden mit Trassenverlauf

Er bekräftigte seine Meinung, dass Finsing als Gemeinde schon genug mit Infrastruktur belastet sei: angefangen vor 100 Jahren mit dem Bau des Isarkanals, über das Umspannwerk und die Hochspannungsleitungen, über den Gasverteilerknotenpunkt in der Finsingerau und die Kerosinleitung Richtung Flughafen bis hin zur Kläranlage. „Der einzige Bereich, der bei uns noch ein Stück weit unberührt war, ist das Schlossholz. Und das sollte auch freigehalten werden“, so Kressirer.

Bauamtsleiter Patryk Kitel erklärte, dass die Gemeinde als Behörde aufgefordert worden sei zu prüfen, ob ihre Belange beeinträchtigt werden. „Fakt ist, im Bereich der Variante Finsinger Holz hat die Gemeinde weder eigene Grundstücke noch Planungsabsichten, sodass wir in der Entwicklung behindert würden“, erklärte Kitel.

Man habe sich schon im Rahmen des Raumordnungsverfahrens klar positioniert, dass die Gemeinde „durch Infrastrukturen, die den ganzen Raum München-Ost bedienen, schon ,genug gestraft‘ ist und weitere Eingriffe für uns nicht hinnehmbar sind“, ergänzte der Bauamtsleiter.

Die Empfehlung der Verwaltung lautete, eine Stellungnahme abzugeben, die auf der vom Raumordnungsverfahren aufbaut. Darin heißt es unter anderem, dass das Finsinger Holz „eine der letzten zusammenhängenden Waldflächen im Gemeindegebiet“ sei, die noch dazu als Bannwald geschützt sei.

Der Gemeinderat Ottenhofen hat indes nur eine Kleinigkeit an den Plänen für den Ersatzneubau der Höchstspannungsleitung des Unternehmens Tennet auszusetzen. Der Verlauf über das Holz sei ohnehin die von den Ottenhofenern favorisierte Variante. „Da sind die Finsinger nicht so glücklich damit und werden dagegen vorgehen“, sagte Bürgermeisterin Nicole Schley (SPD) in ihrer Gemeinderatssitzung.

Einen Einwand hatte sie trotzdem: Das geplante Provisorium beim Wohngebiet am Schlehbach „macht einen blöden Knick“. Dabei komme es näher an das Neubaugebiet, als Schley lieb wäre. Zum Schutz der Anwohner schlug sie vor, das Provisorium weiter in Richtung des Pferdehofs zu versetzen. Der stünde sowieso zum Verkauf, weshalb sich dort verhältnismäßig wenig abspiele, erklärte sie. Obendrein werde die geplante Linie dadurch gerader, vielleicht werde die Umsetzung so für Tennet auch ein wenig günstiger, mutmaßte sie. Einstimmig gab das Gremium Schley den Auftrag, den Einwand zu verfassen und einzusenden.

Keine Stellungnahme aus Moosinning

Die Gemeinde Neuching ist beim Ersatzneubau der Stromleitung in den Ortsteilen Lüßwiesen oder Lausbach betroffen, so Bürgermeister Thomas Bartl (CSU) in der Ratssitzung. Von Robert Riexinger (CSU) kamen Forderungen für die Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren: Es soll beim Bau auf die gesetzliche Entfernung zur Wohnbebauung geachtet werden. Außerdem dürfe Gewerbe keinesfalls in seiner Existenz gefährdet sein.

Diese Einwendungen wurden einstimmig beschlossen. Nachdem noch bis 23. Februar Zeit ist, behält sich die Gemeinde vor, das Thema in seiner nächsten Sitzung noch einmal zu behandeln – falls bis dahin weitere Informationen vorliegen.

Kurz und knapp wurde der Ersatzneubau im Moosinninger Gemeinderat behandelt. Das Gremium hat einstimmig beschlossen, auf die Abgabe einer Stellungnahme zu verzichten. Das Thema begleite das Gremium „schon länger“, wie Bürgermeister Georg Nagler (SPD) kurz umriss. Wünsche seien soweit möglich berücksichtigt worden. Es gebe keine zusätzlichen Belange mehr.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/erding/finsing-ort377218/finsing-protestiert-gegen-trasse-wir-sind-schon-genug-gestraft-94139997.html