Im September meldete ein deutscher Verpackungshersteller Insolvenz an, nun wurde er von einem Unternehmen aus Dubai übernommen. Das ging allerdings mit einem Stellenabbau einher.
Stuttgart – In der oft titulierten Insolvenzwelle des vergangenen Jahres konnten nicht alle Unternehmen aus der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Unter anderem musste beispielsweise ein ehemaliger Weltmarktführer nach über 120 Jahren den Betrieb einstellen. Doch auch bei Übernahmen aus der Insolvenz kann es bisweilen zu weiteren Einschnitten kommen, wie auch ein aktuelles Beispiel zeigt. Der Verpackungshersteller Treofan in Neunkirchen (Saarland) hatte im September 2025 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und konnte nun aus dieser befreit werden.
Die Treofan Germany GmbH & Co. KG ist auf die Herstellung von Polypropylenfolien und Folien für Kondensatoren spezialisiert und beschäftigte zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung rund 465 Mitarbeiter in Neunkirchen. Wie die Kanzlei der Generalbevollmächtigten Anna Katharina Wilke, Flöther & Wissing (Halle an der Saale), bereits Anfang Dezember mitteilte, konnte nur vier Monate nach der Insolvenzanmeldung ein Investor gefunden werden, der den Standort und die Produktion weiterführt. Allerdings nicht mit der gesamten Belegschaft.
Gruppe aus Dubai übernimmt Treofan-Standort – nur 290 Mitarbeiter bleiben
In der Mitteilung von Flöther & Wissing vom 4. Dezember 2025 ist lediglich von einem „Erwerber“ oder einem „Investor“ die Rede, da das Verfahren zu diesem Zeitpunkt noch unter dem Zustimmungsvorbehalt der Kartellbehörden stand. Wie der Saarländische Rundfunk (SR) berichtet und auch aus einem Firmenverzeichnis hervorgeht, ist die Übernahme inzwischen abgeschlossen. Bei dem Erwerber handelt es sich demnach um die Al Ghurair-Gruppe aus Dubai, Treofan wird fortan unter dem Namen Polyopt GmbH firmieren.
| Name | Polyopt GmbH (bis 2026 Treofan Germany GmbH & Co. KG) |
|---|---|
| Sitz | Neunkirchen (Saar), Saarland |
| Branche | Verpackungsindustrie |
| Mitarbeiter | rund 290 (2026) |
| Mutterkonzern | Al Ghurair-Gruppe |
Von den 465 wurden allerdings nur 290 Mitarbeiter von dem Gesellschafter übernommen, was einen Wegfall von 175 Arbeitsplätzen bedeutet. Zuvor hatte es geheißen, dass rund 160 Stellen abgebaut und zudem etwa 25 befristete Verträge nicht verlängert werden. „Für den Standort und die Beschäftigten ist das natürlich ein deutlicher Einschnitt“, so Wilke. „Gleichzeitig ist es aber Voraussetzung dafür, dass der Standort wieder profitabel sein und sich unter dem neuen Gesellschafter wieder positiv entwickeln kann.“
Treofan wird zu Polyopt: Andere Konzepte sahen offenbar größeren Stellenabbau vor
Das Amtsgericht Saarbrücken hatte für das Eigenverwaltungsverfahren von Treofan neben der Generalbevollmächtigten Wilke auch den Rechtsanwalt Sebastian Mohrs von der Kanzlei Abel und Kollegen zum Sachverwalter bestellt. „Alle Erwerberkonzepte, die im Zuge der Investorensuche vorgelegt wurden, sahen einen Personalabbau in diesem oder sogar noch größerem Ausmaß vor“, wird dieser in der Mitteilung zitiert. „Für die Mitarbeitenden und Gläubiger stellt die gefundene Einigung im Investorenprozess eine gute Lösung dar.“
Dem SR zufolge ist die Übernahme von Treofan mit Stand vom 27. Januar 2026 abgeschlossen und das Insolvenzverfahren somit beendet. In Neunkirchen wird die Polyopt GmbH demnach weiterhin Polypropylenfolien und Folien für Kondensatoren herstellen, allerdings aber eben mit einer deutlich verkleinerten Mannschaft. Ende 2025 fand auch ein insolventes Familienunternehmen einen neuen Eigentümer, 160 Mitarbeiter mussten trotzdem gehen. (Verwendete Quellen: Pressemitteilung von Flöther & Wissing/Abel und Kollegen vom 4. Dezember 2025, sr.de, wer-zu-wem.de, eigene Recherche)