Das Pferdeschlittenrennen in Parsberg stand wegen Tauwetter zunächst auf der Kippe. Doch das Mikroklima der Wiese machte das Rennen doch noch möglich. Über 100 Starter traten an.
Parsberg – Sie haben schon ein besonders gutes Gespür für Schnee, die Bahnbauer vom Rennverein der Pferdefreunde Parsberg. Und Nerven so dick wie Eiszapfen. So entschieden sie sich, das eigentlich für den 18. Januar angesetzte 28. Pferdeschlittenrennen mit Skijöring um eine Woche nach hinten zu verschieben. Wohlwissend, dass weder Neuschnee noch ein Kaltlufteinbruch in Sicht sind. Doch die Parsberger vertrauten aufs Mikroklima – und sie wurden belohnt. Mehr als 100 Starter gingen in 19 Rennen auf die 450 Meter lange Runde, umringt und umjubelt von Hunderten Zuschauern.
„Ein schönes Bild“, stellten die Sprecher Florian Schöpfer und Christoph Schwegler immer wieder fest. Während die beiden Experten damit in erster Linie eine gelungene Startformation lobten, ließ sich die Bewertung aus Zuschauersicht ohne Weiteres auf das stimmige Drumherum ausweiten. In Raureif gehüllte Bäume, dampfende Glühweinbecher – und in der Mitte die perfekt präparierte Rennbahn.
Schattige Wiese sorgt für natürlichen Eisschrank
„Optimal griffig“: So schätzte auch Vereinsvorsitzender Jakob Schwarz die Bedingungen ein. Und das, obwohl auf der anderen Seite der Staatsstraße mehr Braun als Weiß zu sehen war. Doch die schattige Wiese am Nordhang der Parsberger Höhe hat sich ihre Kälte durch die langen Januarnächte auch heuer quasi selbst erzeugt. Ein natürlicher Eisschrankeffekt, der die Rosserer einmal mehr nicht enttäuscht hat.
Die wiederum wussten genau, was zu tun ist: nichts. „Wir haben die Bahn erst mal gar nicht angelangt“, erklärt Schwarz. Denn wenn es weiter getaut oder gar noch mal geregnet hätte, wäre durch zu frühes Walzen eine Eisbahn entstanden. Verbunden mit großer Verletzungsgefahr für Ross, Reiter und Skifahrer. Ein paar ruhige Frostnächte kurz vor dem Rennen genügten dann, um aus der nur zwölf Zentimeter dicken Altschneeauflage ein sicheres und dennoch richtig schnelles Geläuf herzustellen.
Das wussten die Teilnehmer perfekt zu nutzen – jeder auf seine eigene Weise. Die Ponys stürmten los, als hätte ihnen eine Wespe in den Hintern gestochen. „Vorsicht in den Kurven“, mahnten die Sprecher immer wieder. Vor allem die Brettlartisten beim Skijöring hatten schon gut zu tun, bei so einem Zug rechtzeitig aufzukanten. „Zurückhalten“ lautete das Kommando derweil bei den Trabrennen, wo Galopp gar nicht erlaubt ist. Ob Kaltblut oder Haflinger, ob Ein- oder Zweispänner, ob Schlitten oder Ski: In zwei Stunden bekamen die Zuschauer alles zu Gesicht, was der winterliche Pferdesport zu bieten hat.
Bürgermeister begeistert von „sportlichem Großereignis“
„Ein sportliches Großereignis“, staunte auch Bürgermeister Gerhard Braunmiller. Alle zwei Jahre verwandle sich Parsberg in ein „Dorf der Rossnarrischen“, das der Kreisstadt nicht zuletzt ein großes Medienecho beschere. Sogar Fernsehkameras waren heuer an der Strecke aufgebaut.
Dass es sich wirklich um einen anspruchsvollen Sport handelt, zeigte sich auch in einer kurzen Schrecksekunde: Eine Reiterin stürzte und musste wegen Kopfschmerzen sicherheitshalber zur Abklärung ins Krankenhaus. Nicht nur deshalb bedankte sich der Vorsitzende explizit beim BRK-Rettungsdienst, der auch heuer in großer Mannschaftsstärke für solche Zwischenfälle parat stand.
Die Sieger durften sich derweil über Thermo-Rossdecken freuen, die Schwarz im Ziel verteilte. Der perfekte Preis im Eisschrank von Parsberg.