„Widerliche Lügen“ - Zynische Reaktionen nach tödlichem ICE-Einsatz heizen Minnesota-Chaos an
Nach der Erschießung von Alex Pretti durch einen ICE-Beamten kommt es zu Protesten. Der Fall verschärft den Streit über Trumps Einwanderungspolitik.
Minneapolis – In mehreren Städten der USA ist es zu Protesten gekommen, nachdem ein Beamter der U.S. Border Patrol den 37-jährigen Intensivpfleger Alex Pretti bei einem Einsatz in Minneapolis tödlich erschossen hat. Der Vorfall hat die Spannungen rund um die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze weiter verschärft. Demokratische Abgeordnete fordern nun, dass sich Bundesbeamte aus Minnesota zurückziehen.
Demonstrationen brachen in Minneapolis, New York, Washington und Los Angeles aus. In Minnesota trotzten Hunderte Menschen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, um gegen die Bundesbeamten zu protestieren. Die Stadt war bereits Anfang des Monats durch eine weitere tödliche Schussabgabe eines ICE-Beamten erschüttert worden.
Landesweite Bedeutung: Tödliche Schüsse bei ICE-Einsatz
Die Tötung Prettis hat die wachsende landesweite Gegenreaktion auf das Einwanderungs-Durchgreifen der Trump-Regierung verstärkt. Sie wirft erneut Fragen über das Verhalten von Bundespolizisten bei Einwanderungseinsätzen auf. Zugleich erhöht der Vorfall den politischen Druck auf die Demokraten, die Finanzierung des Heimatschutzministeriums (Department of Homeland Security) zu blockieren.
Der Fall ereignet sich zudem in einer Phase besonderer Anspannung in Minneapolis. Nach der Tötung von Renee Nicole Good am 7. Januar durch einen ICE-Beamten ist das Misstrauen gegenüber Bundesbehörden weiter gewachsen. Das Verhältnis zwischen lokalen Verantwortlichen, Bundesstellen und Demonstrierenden gilt als stark belastet.
Der Tod von Alex Pretti: Ablauf des ICE-Einsatzes in Minneapolis
Nach Angaben des Department of Homeland Security wurde Pretti am Samstagmorgen (Ortszeit, 24. Januar) auf der Nicollet Avenue während eines föderalen Einwanderungseinsatzes erschossen. Ministeriumssprecherin Tricia McLaughlin erklärte, die Beamten hätten „defensiv geschossen“. Zuvor habe sich ein Mann mit einer Handfeuerwaffe genähert und sich „gewaltsam“ gegen eine Entwaffnung gewehrt.
Unmittelbar nach den Schüssen sammelte sich eine wütende Menschenmenge. Demonstrierende beschimpften die Bundesbeamten mit Obszönitäten, nannten sie „Feiglinge“ und forderten sie auf, nach Hause zu gehen. Ein Beamter reagierte beim Abzug spöttisch mit den Worten: „Boo hoo.“
Minneapolis: Eskalation bei den Anti-ICE-Protesten, Zweifel an der offiziellen Darstellung
An anderer Stelle stießen Beamte einen schreienden Demonstrierenden gegen ein Auto. Protestierende zogen Müllcontainer auf die Straße und blockierten Verkehrswege. Immer wieder waren Sprechchöre wie „ICE, verschwindet“ und „ICE zu observieren ist kein Verbrechen“ zu hören. Die Szenen unterstrichen die aufgeheizte Stimmung in der Stadt. Beobachter sprechen von einer deutlichen Eskalation zwischen Sicherheitskräften und Demonstrierenden. Die Proteste dauerten bis in die Nacht an.
Minneapolis’ Polizeichef Brian O’Hara erklärte, die Informationen zu den Momenten vor der Schussabgabe seien begrenzt. Die Polizei gehe davon aus, dass Pretti ein „rechtmäßiger Waffenbesitzer mit Waffenschein“ gewesen sei. Zugleich betonte O’Hara, dass die Ermittlungen noch am Anfang stünden.
Passanten-Videos, die online kursieren, scheinen jedoch zu zeigen, dass Pretti ein Telefon und keine Waffe in der Hand hielt. Keines der Videos zeigt eindeutig, ob er zum Zeitpunkt der Schüsse tatsächlich bewaffnet war. Die Aufnahmen haben die Zweifel an der Darstellung der Bundesbehörden weiter verstärkt.
Kristi Noems Stellungnahmen aus Washington
Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte, Pretti sei erschienen, um „einen Polizeieinsatz zu behindern“. Sie stellte infrage, warum er bewaffnet gewesen sei. Ob er eine Waffe gezogen oder damit hantiert habe, ließ sie offen.
Bundesbeamte erklärten zudem, der beteiligte Grenzschutz-Beamte sei seit acht Jahren im Dienst. Weitere Details zu seiner Rolle oder zu möglichen Konsequenzen nannten sie nicht. Die Zurückhaltung nährt zusätzliche Kritik.
Nationalgarde und Ermittlungsstreit in Minnesota nach tödlichem ICE-Einsatz
Minnesotas demokratischer Gouverneur Tim Walz setzte die Nationalgarde ein, um die örtliche Polizei am Tatort und an einem nahegelegenen Bundesgebäude zu unterstützen. Dort sehen sich Beamte seit Tagen mit anhaltenden Protesten konfrontiert. Walz sagte später, er habe kein Vertrauen darin, dass Bundesbehörden die Untersuchung selbst führen.
Drew Evans, Leiter der staatlichen Ermittlungsbehörde im US-Bundesstaat Minnesota, erklärte, Bundesbeamte hätten Ermittler des Bundesstaates trotz eines richterlich unterzeichneten Durchsuchungsbeschlusses vom Tatort ferngehalten. Dies habe die Arbeit der Behörden erheblich erschwert. Die Zuständigkeitsfrage bleibt umstritten.
Finanzierungsfrage wird zum Druckmittel der Demokraten gegen Trump
Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, kündigte an, seine Partei werde kein Ausgabenpaket unterstützen, das Mittel für das Heimatschutzministerium enthält. Damit stellte er die Möglichkeit einer teilweisen Regierungsschließung in den Raum. Die Finanzierung läuft am 30. Januar aus.
Die Debatte verbindet den konkreten Fall in Minneapolis mit grundsätzlichen Fragen der Einwanderungspolitik. Innerhalb der Demokraten wächst der Druck, eine härtere Linie einzuschlagen. Republikaner warnen hingegen vor einem Sicherheitsrisiko.
Scharfe politische Reaktionen von Trump und Demokraten
Präsident Donald Trump machte demokratische Führungspersönlichkeiten für die Eskalation verantwortlich. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „Worum geht es hier eigentlich? Wo ist die örtliche Polizei? Warum durfte sie die ICE-Beamten nicht schützen?“ Zugleich warf er Minnesotas Gouverneur Tim Walz und dem Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, vor, mit ihrer „pompösen, gefährlichen und arroganten Rhetorik“ eine „Insurrection“ anzustacheln.
Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez forderte dagegen, dass die föderalen Einwanderungsbehörden Minnesota verlassen. Zudem drängte sie ihre Partei, die Finanzierung von ICE zu blockieren. „Wir haben die Verantwortung, Amerikaner vor Tyrannei zu schützen“, sagte sie.
Der Fall Alex Pretti – was bisher bekannt ist
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Wer wurde getötet? | Alex Jeffrey Pretti, 37 Jahre, Intensivpfleger aus Minneapolis (Minnesota) |
| Wann passierte es? | Samstagmorgen, 24. Januar 2026, gegen 9 Uhr |
| Wer hat geschossen? | Ein Beamter der US-Grenzpolizei (Border Patrol) |
| Wie starb er? | Mehrere Schüsse, möglicherweise teils in den Rücken |
| Wer ermittelt jetzt? | Staatsanwaltschaft Minnesota + FBI |
| Was ist unklar? | Hatte Pretti eine Waffe gezogen? Widerstand er? Was zeigen die Videos? |
Minneapolis: Familie von Alex Pretti widerspricht Trump-Regierung
Prettis Familie wies die Vorwürfe der Regierung in einer Stellungnahme scharf zurück. „Die widerlichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und ekelhaft“, heißt es darin. Alex habe „ganz eindeutig keine Waffe in der Hand“, als er angegriffen worden sei.
Weiter erklärte die Familie, Pretti habe sein Telefon in der rechten Hand gehalten. Seine leere linke Hand sei über dem Kopf gewesen, während er versucht habe, eine Frau zu schützen, die ICE zu Boden gestoßen habe. „Bitte sorgt dafür, dass die Wahrheit über unseren Sohn ans Licht kommt. Er war ein guter Mensch“, heißt es in der Erklärung.
Sicht der US-Grenzschutzbehörde nach tödlichem ICE-Einsatz in Minneapolis
Gregory Bovino von der U.S. Border Patrol, der Grenzschutzbehörde der Vereinigten Staaten, sprach von einem generellen Angriff auf die Strafverfolgungsbehörden. „Dies ist nur der jüngste Angriff auf die Strafverfolgungsbehörden“, sagte er. Im ganzen Land würden Männer und Frauen des Heimatschutzministeriums angegriffen und beschossen.
Diese Darstellung stößt bei Demonstrierenden auf scharfe Kritik. Sie sehen darin den Versuch, die tödlichen Schüsse zu rechtfertigen. Die Fronten bleiben verhärtet. Vertreter Minnesotas erklärten, der Bundesstaat werde die Federführung bei den Ermittlungen übernehmen. Die Zuständigkeitsstreitigkeiten mit den Bundesbehörden sind jedoch weiterhin ungelöst. Eine rasche Klärung gilt als unwahrscheinlich.
Unterdessen wird erwartet, dass die Proteste in Minneapolis und anderen Städten anhalten. Parallel beraten Abgeordnete in Washington über die Durchsetzung des Einwanderungsrechts und die drohende Frist für die Regierungsfinanzierung. Dieser Artikel enthält Berichterstattung von The Associated Press. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)