150 Gegner der 3. Startbahn demonstrierten vor dem CSU-Neujahrsempfang im Freising. Sie hatten einen Brief für den Ministerpräsidenten vorbereitet. Doch der ließ sich entschuldigen.
Freising – Nach all den Jahren sind sie Profis im Widerstand. Wie oft Christian Magerl, Manfred Drobny und all ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter von Bürgerverein, Aufgemuckt und Co. schon bei klirrender Kälte auf der Straße standen, um gegen den Bau der 3. Startbahn zu demonstrieren, können sie heute, im 22. Jahr des Widerstands, alle nicht mehr sagen. Anlässe, um die Stimme gegen das Projekt am Flughafen zu erheben, gab es in jüngster Vergangenheit wieder genug, wie Christian Magerl am Mittwochabend auf dem Marienplatz den Widerstandskämpfern ins Gedächtnis rief.
An diesem Abend hatten sich an die 150 Gegner der 3. Startbahn eingefunden, mit Plakaten, Plaketten und dem ungebrochenen Willen, die dritte Piste zu beerdigen. Anlass der Demonstration dieses Mal: der Besuch von Ministerpräsident Markus Söder, dem Ehrengast des CSU-Neujahrsempfangs im Asamsaal. Wie gerne hätten sie dem Landesvater ihre Forderungen nach einem endgültigen Aus des Projekts direkt ins Gesicht gesagt. Zum wievielten Mal? Auch da haben die Gegner aufgehört zu zählen. Doch Söder kam nicht zu den Startbahngegnern. Wegen seiner frisch operierten Hüfte war ihm der Weg auf den Marienplatz zu weit.
Dafür suchte Staatsminister Florian Herrmann kurz das Gespräch mit den Demonstranten, erklärte, wieso Markus Söder sich entschuldigen ließ und nahm einen Brief des Bürgervereins in Empfang, den er dem Ministerpräsidenten überreichen sollte. Die Unterzeichner, die Bürgervereinsvorsitzenden Wolfgang Herrmann und Stefan Neumann sowie Gerhard Müller-Starck haben auf drei Seiten Sorgen, Nöte und Fragen der Startbahngegner zusammengefasst und bitten um Antworten.
Dabei kam ein altes Thema wieder auf. Das Plakat, seinerzeit an der FS 44 an einem Stadl aufgehängt von Plane Stupid, auf dem in großen Lettern zu lesen steht: „Söder & Herrmann unsere Heimatzerstörer.“ Herrmanns Botschaft war deutlich: „Nehmt das Plakat ab, dann wird es ein Gespräch geben“, sagte er zu Freisings 2. Bürgermeisterin Eva Bönig und Wolfgang Herrmann. „Ich bin kein Heimatzerstörer und auch, wenn ihr mir das nicht glauben wollt, ich bin auch nicht für eine 3. Startbahn.“ Und als Bönig das als „persönliche Befindlichkeit“ des Staatskanzleichefs abtat, der Vorsitzende des Bürgervereins erklärte, sein Verein könne das Plakat nicht abnehmen, weil er es nicht aufgehängt habe und diese Worte auch nicht gewählt hätte, wurde klar, dass man auch an diesem Abend nicht zusammenfinden wird. Herrmann nahm den Brief entgegen und verabschiedete sich.
Im Laufe des Abends sollte Markus Söder die Botschaft einer glühenden Flughafengegnerin jedoch noch auf direktem Wege übermittelt bekommen. Landratskandidatin Susanne Hoyer, eine der Rednerinnen des Neujahrsempfangs, sagte: „Ich bitte Sie, dass unsere Sorgen und Nöte im Zusammenhang mit der 3. Startbahn gehört werden, dass wir in den Austausch gehen und uns nicht voneinander abgrenzen.“ Auch sie habe ein T-Shirt mit der Aufschrift „Koa Dritte“ zuhause, das an diesem Abend anzuziehen, wäre jedoch viel zu provokant gewesen: „Und mit Provokation erreicht man nichts.“ In Richtung der Demonstration sagte Hoyer: „Man kann an einem Tag wie heute demonstrieren, man muss es aber nicht. Ich hätte es nicht getan. Ich suche lieber den Dialog.“