Florian Fischer vom Ski-Club Starnberg hat es geschafft: Der Gräfelfinger ist für Olympia in Milano Cortina nominiert. Doch von Partystimmung will er nichts wissen.
Seine Klamotten hat Florian Fischer bereits seit knapp zwei Wochen, bevor die Nominierung offiziell war. Und die theoretische Zusage hatte der 25-jährige Gräfelfinger sogar schon vor Weihnachten erhalten. Und doch konnte Fischer erst mit der offiziellen Meldefrist am vergangenen Sonntag und final mit der Veröffentlichung der Nominierten durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) am Dienstag so richtig durchatmen und sich freuen: Der Skicrosser ist einer von 183 Sportlerinnen und Sportlern, die Deutschland bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d‘Ampezzo vertreten dürfen, die in gut zwei Wochen beginnen.
Fischer bei Olympia 2026: Inoffizielle Zusage schon vor Weihnachten
„Die große Freude habe ich mir in dieser Zeit bis zum Fristende aufgespart“, erzählt der Würmtaler im Merkur-Gespräch. Zumal er zuvor lange Zeit damit gerechnet hatte, in jedem Fall noch das erste Rennen des Weltcups in Veysonnaz (Schweiz) an diesem Freitag, 23. Januar, abwarten zu müssen. So lange sollte die Frist zum Erreichen der Olympia-Norm laufen – das war zumindest Fischers Kenntnisstand bis Mitte Dezember.
Quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk teilten die Trainer ihm dann aber mit, dass die Frist offiziell am Sonntag, 18. Januar, ende und eine Verlängerung bis zum 23. laut Regularien nur für den Fall möglich sei, dass weniger als vier Deutsche die interne Norm erfüllt hätten. Weil aber nach dem letzten Weltcup vor Fristende in Innichen mit Fischer, Florian Wilmsmann, Tim Hronek und Cornel Renn exakt die für Olympia zugelassene Anzahl an Fahrern des DSV die Vorgabe erreicht hatten, standen diese – zumindest inoffiziell – bereits vor dem Jahreswechsel als Olympia-Teilnehmer fest.
Als ich nach dem Weltcup in Innichen die Nachricht bekommen habe, hat das den Kopf schon in Gang gebracht.
„Bei der Einkleidung am 10. Januar in München habe ich zum ersten Mal so richtig realisiert, dass es echt ist“, verrät Fischer. Selbst wenn es da noch nicht offiziell war, konnte hinsichtlich der Nominierung eigentlich nichts mehr schiefgehen. „Am Anfang war es für mich wegen der Regularien zwar noch ein bisschen ungewiss, aber es wäre schwierig geworden, mir kein Ticket zu geben“, scherzt der 25-Jährige, der als aktuell zweitbester Deutscher hinter Aushängeschild Wilmsmann, Vizeweltmeister von 2023, auf Rang 20 der Weltcup-Wertung liegt.
Florian Fischer: Keine Partystimmung trotz Olympia-Nominierung
Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen – sollte nichts Unvorhersehbares dazwischenkommen – geht für Florian Fischer ein Traum in Erfüllung, und eines seiner Saisonziele hat er damit frühzeitig erreicht. Partystimmung herrscht beim Würmtaler, der für den Ski-Club Starnberg startet, deswegen aber noch lange nicht. „Man feiert nicht, wenn man bei etwas dabei ist, sondern, wenn man etwas gewonnen hat“, stellt der ambitionierte Skicrosser klar.
Man feiert nicht, wenn man bei etwas dabei ist, sondern, wenn man etwas gewonnen hat.
Trotzdem muss er zugeben, dass die Olympischen Spiele alleine durch ihre Strahlkraft etwas in ihm auslösen. „Als ich nach dem Weltcup in Innichen die Nachricht bekommen habe, hat das den Kopf schon in Gang gebracht“, sagt Fischer. Seither mache er sich viel mehr Gedanken über die Großveranstaltung, als er es zuvor getan habe, als es für ihn noch darum ging, sich insbesondere im teaminternen Konkurrenzkampf durchzusetzen und für Olympia zu qualifizieren. „Da war ich recht entspannt.“
Olympia 2026 als kompaktes Highlight
Fischers Hoffnung ist, nun ohne den Qualifikationsdruck noch befreiter fahren zu können und sich diese Lockerheit bis 21. Februar zurückzuholen. Dann wird es für ihn und die anderen Skicrosser bei den Spielen nämlich ernst. Qualifikation und Rennen stehen an einem Tag an.
Generell dürfte der Olympia-Ausflug für den Gräfelfinger relativ kompakt verlaufen. Die großen Festivitäten verpasst der Skicross-Tross. Die Eröffnungsfeier findet zwei Wochen vor den eigenen Wettkämpfen in Mailand statt. „Dafür extra an- und danach wieder abzureisen, wäre nicht so sinnvoll“, erklärt Fischer.
Olympia 2026 als „Weltcup in anderen Klamotten“
Und gleich dort zu bleiben, ist auch keine echte Option, zumal die Freestyler ihre Wettkämpfe im knapp vier Autostunden von Mailand entfernten Livigno an der Schweizer Grenze austragen und dort auch untergebracht sind. Also nutzen Fischer & Co. die Wochen vor ihren Wettkämpfen lieber zum Trainieren und für Skitests. Die Abschlussfeier in Verona am 22. Februar würde zeitlich zwar ins Programm passen, allerdings sind die Skicrosser da bereits wieder auf dem Weg zu ihren nächsten Weltcup-Rennen in Serbien.
Durch den recht kurzen Abstecher und die Abgeschiedenheit vom Großteil der anderen Wintersport-Wettkämpfe (Fischer: „Wir haben auch kein klassisches Olympisches Dorf“) erwartet Florian Fischer in Livigno auch eher ein „Weltcup-Wochenende in anderen Klamotten“, wie es der Wahl-Ruhpoldinger nennt.
Letzte Weltcup-Rennen vor Olympia: Fischer will in Halbfinals
Bis er sich voll auf Olympia fokussieren kann, warten noch zwei echte Weltcup-Stationen. Ende Januar geht es ins Fassatal (Italien), und dieser Tage stehen die Rennen in Veysonnaz in der Schweiz an. Die Quali für das erste Rennen am Freitag meisterte Fischer am Mittwoch als 20. schon mal souverän.
Erfolgreiche Qualifikationsläufe seien aber das Minimum, erklärt der ehrgeizige 25-Jährige. Und: „Ein paar weitere Halbfinalteilnahmen in den Rennen, also Platzierungen in den Top Acht, würden nicht schaden.“ Dann könne er mit einem guten Gefühl in die Spiele gehen.
mg