Feriendomizile in Österreich sind begehrt. In einem Nobelskiort gelten strikte Regeln. Aktuell wird scharf kontrolliert. Dagegen regt sich Widerstand.
Kitzbühel – In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Kitzbühel in Tirol zum Hotspot der High Society gemausert. Der Ort in Österreich im Schatten der malerischen Bergkulisse zieht Reiche und Schöne an. Viele betuchte Gäste haben sich den Traum einer Urlaubsresidenz im „Monte Carlo der Alpen“ längst erfüllt. Diese sogenannten „Freizeitwohnsitze“ unterliegen im Land Tirol strikten Regeln. Aktuell fliegen durch verschärfte Kontrollen nicht genehmigte Freizeitwohnsitze auf – insbesondere in Kitzbühel, berichten österreichische Medien. Die Debatte nimmt erneut Fahrt auf.
Wie die Tiroler Tageszeitung (TT) berichtet, boomen derzeit als Arbeits- und Firmensitze getarnte Freizeitwohnsitze in Kitzbühel. Die Objekte werden nur sporadisch genutzt. Wegen der verschärften Kontrollen, gäbe es jedoch immer mehr sogenannte Benutzeruntersagungen – ein Nutzungsverbot der Immobilie. Der Ärger bei den Eigentümern sowie bei der heimischen Wirtschaft und im Tourismus sei groß. Dem Standort Kitzbühel drohe ein Imageschaden, behaupten Kritiker.
„Monte Carlo der Alpen“ – Zoff um Feriendomizile spitzt sich zu
Statt harter Sanktionen liege ein Vorschlag von Bürgermeistern im Raum Kitzbühel auf dem Tisch, illegale Freizeitwohnsitze als „qualifizierten Nebenwohnsitz“ mit einer Aufenthaltsdauer von 70 Tagen zu erlauben. Es wäre eine völlig neue Kategorie, heißt es. „Legalisierung mit Augenmaß“ nennt es der Kitzbüheler ÖVP-Bürgermeister Klaus Winkler laut der TT.
„Was soll mit den Häusern und teuren Wohnungen geschehen, für welche ein Benützungsverbot besteht?“, fragte Obmann des Tourismusverbands Kitzbühel Christian Harisch. Harisch, selbst Hotelier und Anwalt, empört sich seit Längerem immer wieder über die Kontrollen von illegalen Freizeitwohnsitzen im Land Tirol und insbesondere Kitzbühel. Offenbar stößt seine Kritik inzwischen vermehrt auf offene Ohren.
Seit den 1970er Jahren Freizeitwohnsitz-Regelung in Tirol
Dabei wurde der Grundstein für die Freizeitwohnsitz-Regelung in Tirol schon in den 70er Jahren geschaffen, um einen „Ausverkauf“ der Heimat zu verhindern. In Kitzbühel sind die Grundstückspreise explodiert. Für Einheimische sind Häuser und Wohnungen unbezahlbar. Das Land Tirol hat 2019 festgelegt, dass in Gemeinden nur acht Prozent als Freizeitwohnsitz genutzt werden dürfen. Ist die maximale Anzahl von Freizeitwohnsitzen erreicht, dürfen keine weiteren mehr genehmigt werden. In Kitzbühel liegt die Quote aktuell bei 16,8 Prozent. Das geht aus aktuellen Daten (Stand: 19. Januar 2026) des Bundeslandes Tirol hervor.
In Tirol sind 16.482 sogenannte „Freizeitwohnsitze“ offiziell registriert – in Kitzbühel sind es insgesamt 1274, darunter auch die sogenannte „Putin-Villa“. Mit der Aufweichung der Freizeitwohnsitz-Regelung würden noch mehr Immobilien darunterfallen, die nicht das ganze Jahr zum Leben genutzt werden. Bei einem „qualifizierten Nebenwohnsitz“ mit einer Aufenthaltsdauer von 70 Tagen im Jahr stünde das Objekt 295 Tage im Jahr leer.
Ob tatsächlich eine Änderung in Tirol bevorsteht, bleibt abzuwarten. Nach dem Wirbel um eine deutsche Alpenhütte in den Kitzbüheler Bergen gab es im Sommer eine Wende. (Quellen: Tiroler Tageszeitung, ORF, Land Tirol) (ml)