Ihre Kandidaten hat die AfD unter Ausschluss der Öffentlichkeit nominiert: In Geretsried und Wolfratshausen bewerben sie sich bei der Wahl am 8. März um Stadtratsmandate.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Alternative für Deutschland (AfD) hat im Norden des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen offenbar Wählerpotenzial ausgemacht. Die rechtpopulistische Partei bewirbt sich bei den Kommunalwahlen am 8. März nicht nur erneut um Sitze im Kreistag: Erstmals hat die AfD eine Kandidatenliste für die Stadtratswahl in Geretsried eingereicht, die Liste für die Stadtratswahl in Wolfratshausen umfasst zehn Namen.
Die Wahlausschüsse im Landratsamt und in den Kommunen haben in dieser Woche final über die von den Parteien und politischen Gruppierungen eingereichten Wahlvorschläge entschieden. Zugelassen ist die AfD unter anderem für die Kreistagswahl, die Bewerberliste ist mit 30 Frauen und Männern bestückt. Darunter sind die amtierenden Kreisräte Michael Kilian und Dr. Timo Klitzsch. Beide haben Wolfratshausen als Wohnort angegeben.
Bei der Wahl 2020 reichte es für Kandidat Klitzsch bei Weitem nicht
Klitzsch, freiberuflich als Facharzt für Arbeitsmedizin tätig, war bei den jüngsten Kommunalwahlen vor sechs Jahren der einzige AfD-Kandidat bei der Stadtratswahl in Wolfratshausen. 1562 Stimmen verbuchte die Partei in der Loisachstadt insgesamt, das reichte bei Weitem nicht für den Einzug ins Gremium. Zum Vergleich: Die mit sechs Vertretern derzeit größte Stadtratsfraktion, die Grünen, konnte 44 639 der insgesamt abgegebenen 178 382 gültigen Stimmen in die Waagschale werfen.
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Öffentlich in Erscheinung trat Klitzsch im Wahlkampf 2020 nicht. Fragen unserer Zeitung zu seiner Person und seinen kommunalpolitischen Zielen ließ er unbeantwortet. Auch die aktuelle Kandidatenkür fand hinter verschlossenen Türen statt, zur Aufstellungsversammlung waren Pressevertreter nicht eingeladen. Klitzsch versucht sein Glück nun am 8. März noch einmal, mit im Boot sitzen neun seiner Parteifreundinnen und -freunde. Aufgrund von erlaubten Mehrfachnennungen ist die Kandidatenliste de jure voll, alle 24 Plätze sind belegt.
Entscheidend „ist die Gesamtanzahl der Stimmen, die eine Partei bekommt“
Wichtig ist in diesem Zusammenhang das Berechnungsverfahren, das Hubert Bernwieser, Wahlleiter im Wolfratshauser Rathaus, auf Anfrage ganz allgemein erklärt: Entscheidend für die Anzahl der Stadtratsmandate „ist die Gesamtanzahl der Stimmen, die eine Partei bekommt“. Die Sitze werden nach einem festgeschriebenen mathematischen Verfahren verteilt. Vor diesem Hintergrund setzen Parteien und politische Gruppierungen alles daran, die Bewerberliste tunlichst komplett zu machen. Bernwieser: „Jeder Kandidat kann dreifach, zweifach oder einfach genannt werden.“ So ist es möglich, mit zehn Kandidaten die ganze Stadtratsliste – in Wolfratshausen geht‘s um insgesamt 24 Sitze im Gremium – zu füllen. „Dadurch kann die maximale Stimmenanzahl abgerufen werden“, so der Wahlleiter. Das heißt: 2020 kassierte die AfD bei der Listenwahl nur jeweils maximal drei Stimmen ein, heuer wären es 24, sollte ein Wähler die Liste der Rechtspartei ankreuzen.
Neben Klitzsch, der in Kreistagssitzungen in der Regel schweigt und in der Flößerstadt über null politisches Profil verfügt, sind auch seine Mitstreiter – fünf Männer und vier Frauen – politisch unbeschriebene Blätter. Das gilt für Listenführer Wilhelm Eilers, Diplom-Kaufmann mit Pilotenschein, der vor knapp drei Jahren die Idee ins Spiel brachte, den Marienbrunnen in der Altstadt zu versetzen, wie gleichermaßen für Angelika Natali, treues Mitglied des Landesbunds für Vogelschutz. Auf der Homepage des AfD-Kreisverbands Bad Tölz-Wolfratshausen finden sich keine Informationen. Weder zu den Bewerbern, noch zu geplanten öffentlichen Wahlkampfveranstaltungen.
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In Geretsried sind es nach Auskunft von Rathaussprecher Thomas Loibl 13 ausnahmslos Männer, die künftig gerne im Stadtrat das AfD-Fähnchen hochhalten würden. In der größten Stadt im Landkreis werden die Bürger von insgesamt 30 Mandatsträgern vertreten. Auf Listenplatz eins steht der Diplom-Kaufmann Hans Magnus Brunckhorst, es folgen unter anderem Rentner, ein Beamter, ein Fitnesstrainer sowie Baggerfahrer – die rote Laterne trägt auf Platz 13 der Rentner Günther Nagel. Die Wahl der AfD-Bewerber erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr auf Listenplatz eins
Auch in Münsing buhlt die Partei, der der Verfassungsschutz bundesweit „gesichert rechtsextremistische Bestrebungen“ attestiert, erstmals bei Kommunalwahlen um Stimmen. Für den Gemeinderat der Seegemeinde bewerben sich Anton Kögl, Betonbohrer aus Schechen (er kandidierte 2020 für die Wählergruppe Holzhausen), sowie Martina Kögl, Kfz-Mechatronikerin aus Schechen.
Dasselbe gilt für Eurasburg: Fünf Männer und zwei Frauen wollen den Sprung in den Gemeinderat schaffen, darunter eine Fleisch- und Wurstwarenfachverkäuferin im Ruhestand sowie Landwirt Sebastian Bauer-Wohlfarter. Der rangiert an der Spitze der Kandidatenliste und genießt als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Herrnhausen zumindest ein gewisses Maß an Prominenz. Vor sechs Jahren kandidierte Bauer-Wohlfarter für die Herrnhauser Liste.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die AfD auch auf den Stimmzetteln stehen, die Eglings scheidender Rathauschef Hubert Oberhauser für die Gemeinderatswahl drucken lässt. Die amtliche Bekanntmachung soll bis Ende dieser Woche erfolgen. (cce)