SB-Kassen verändern den Supermarkt-Alltag: Eine alte Gewohnheit, die für viele Pflicht ist, wird überdacht – und das tritt eine hitzige Debatte los.
München – Rund 38.650 Selbstbedienungskassen (SB-Kassen) stehen mittlerweile in deutschen Geschäften – mehr als doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Besonders im Lebensmittelhandel setzt sich die Technik durch: Laut einer aktuellen EHI-Studie verfügen inzwischen über 10.300 Läden über Self-Checkout-Systeme – jede 18. Kasse im Einzelhandel funktioniert bereits ohne Personal.
Diese rasante Entwicklung verändert nicht nur die Geschwindigkeit beim Bezahlen, sondern auch das Verhalten der Kunden. Früher galt im Supermarkt eine ungeschriebene Regel: Wer nur wenige Artikel hatte, durfte vor. Diese Höflichkeitsgeste zeigte Rücksicht auf Eilige und erleichterte den Ablauf für alle. Heute stehen Kunden vor einer neuen Wahl: geduldig in der Schlange warten, höflich um Vorlass bitten oder direkt zur Selbstbedienungskasse wechseln – und genau hier beginnen die Diskussionen.
Vorlass an Kassen: Das Ende der Supermarkt-Höflichkeit?
„Sie haben nur ein paar Artikel? Dann gehen Sie doch eben vor“. Diesen Satz haben viele schon selbst gesagt – oder das freundliche Angebot dankend angenommen. Doch in Supermärkten mit SB-Kassen scheinen die Zeiten vorbei, in denen Kunden mit wenigen Artikeln automatisch vorgelassen wurden.
Auf Reddit berichtete jüngst ein Nutzer, dass er seit der Einführung von SB-Kassen niemanden mehr vorlasse – aus Prinzip. Ausnahmen mache er nur noch in Märkten ohne Self-Checkout. Die Mehrheit der Kommentierenden gab dem „Verweigerer“ recht: Schnellkassen seien genau dafür gedacht, kleine Einkäufe zügig abzuwickeln und Technikverweigerung dürfe nicht zulasten anderer Kunden gehen. Besonders kritisch sehen viele das Verhalten mancher „Drängler“ – statt höflich zu fragen, würden Ungeduld und Erwartungshaltung durch Seufzen, Augenrollen oder demonstratives Handauflegen auf das Kassenband signalisiert. SB-Kassen sollen den Einkauf erleichtern – doch nicht alle Kunden freuen sich über die neue Technik.
„Keiner kann mehr warten“ – Vorlass-Regel spaltet Kunden
Unter einem Facebook-Beitrag von Merkur.de von Ippen.Media zeigen die Kommentare, wie unterschiedlich Kunden mit der „Vorlass-Regel“ umgehen. Viele berichten, dass sie Personen mit nur wenigen Artikeln nach wie vor gerne vorlassen – als kleine Geste des Respekts, als „gute Tat“ oder einfach, weil man sich „keinen Zacken aus der Krone bricht“. Andere betonen, dass es keine feste Regel gebe und jeder selbst entscheide, ob und wann jemand vorgelassen werde. „Mir war gar nicht bewusst, dass es da eine Regel gibt. Ich dachte immer, da reicht die gute Erziehung“, wundert sich eine Nutzerin.
Einige führen praktische Unterschiede an: Wer in Eile sei, gehe lieber an die Selbstbedienungskasse, während andere aus Prinzip oder Sympathie Vorlass gewähren. Besonderns auffällig ist die Diskussion um Menschen in Uniform: Feuerwehrleute, Polizisten oder Sanitäter sollten nach Meinung vieler stets bevorzugt behandelt werden, weil ihre Pausen oft knapp bemessen seien. Eine Kassierein berichtet, dass sie gezielt Kunden von weiter hinten nach vorne holt: „Feuerwehrleute und Polizisten, bei denen ich genau weiß „mit etwas Pech müssen die gleich wieder los und das Frühstück muss wieder warten.“ Ihr Grund: „Es könnte mein Leben sein, um das es geht.“ Ein anderer kritisiert: „Keiner kann mehr warten“. Ein ungewöhnlicher Kleingeld-Trick an SB-Kassen veranlasste einen Rewe-Markt neulich zu einer neuen Regel.
SB-Kassen als Ausweg: Für manche Nutzer erledigt sich die Frage von selbst
Für andere stellt sich die Frage erst gar nicht mehr: „Früher habe ich nach Sympathie entschieden, wen ich vorlasse und wen nicht. Heute nutze ich fast ausschließlich SB-Kassen und stehe nicht mehr vor dieser Entscheidung“, berichtet ein Nutzer.
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Andere wiederum setzen bewusst auf klassische Kassen: „SB-Kassen werde ich, solange es noch Kassiererinnen und Kassierer gibt, nicht benutzen. Die Geschäftsleute sollen dafür Arbeitnehmer einsetzen und die Arbeit nicht unbezahlt vom Kunden machen lassen“, moniert ein weiterer. Ein anderer Nutzer bringt seinen Standpunkt deutlich auf den Punkt: „Nein, es wird niemand vorgelassen. Immer der Reihe nach“. Unterdessen gestand eine Supermarkt-Kundin auf Reddit seit Monaten an SB-Kassen zu klauen. (Quellen: EHI Retal Institute, Reddit, Facebook) (vw)
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