„Habe einen guten Zugang zu den Jugendlichen“: Matthias Gerdes ist neuer Streetworker in Geretsried

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Immer auf dem Fahrrad unterwegs ist der neue mobile Jugendarbeiter des Trägervereins, Matthias Gerdes (Mitte). TVJA-Geschäftsführer Rudi Mühlhans und TVJA-Vorsitzende Kerstin Halba freuen sich über den Neuzugang. © Sabine Hermsdorf-hiss

Matthias Gerdes ist neuer Streetworker in Geretsried. Er zeigt Präsenz bei den Jugendlichen – die schätzen die Ansprache, die sie durch ihn bekommen.

Geretsried – Wenn am Nachmittag Jugendliche auf der Böhmwiese zusammensitzen, ist er seit einigen Wochen öfter dabei. Matthias Gerdes ist der neue Streetworker des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit Geretsried (TVJA). Mit offenem Ohr und ohne erhobenen Zeigefinger radelt er an die Orte, an denen Jugendliche ihre Freizeit verbringen. Seit November ist der 59-Jährige in Geretsried unterwegs und will vor allem eins sein: ein Ansprechpartner auf Augenhöhe. Das wurde bei einem Pressegespräch kürzlich deutlich.

Gerdes stammt aus dem hohen Norden, genauer aus Bremerhaven. Dort ist er geboren, aufgewachsen ist er in Hamburg. Nach Stationen unter anderem in Irland, Freiburg und Italien zog es ihn mit seiner Frau und seiner Tochter nach Oberbayern, in die Nähe seiner Schwiegereltern. Seit 13 Jahren ist die Familie nun dort zu Hause.

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Zunächst hatte Gerdes nicht viele Berührungspunkte mit der mobilen Jugendarbeit, er arbeitete als Bäcker und in der Lebensmitteltechnologie. „Dann zog es mich zum Theater“, erzählt er. In Freiburg studierte der 59-Jährige unter anderem Theaterpädagogik. Während der Corona-Pandemie stellte Gerdes fest: „Ich will dem sozialen Bereich treu bleiben.“ Er wusste auf einmal: „Ich habe mein Herz an die soziale Arbeit verloren.“ Gerdes kümmerte sich um Schlaganfallpatienten in Bad Tölz, arbeitete bei der Lebenshilfe und der Brücke Oberland sowie in der Klinik Hochried in Murnau. Ihm wurde klar: „Ich will motivieren und aktivieren.“ Und: „Ich habe einen guten Zugang zu den Jugendlichen.“ Da kam ihm die Stellenanzeige des Trägervereins genau richtig.

Gerdes bringt Lebenerfahrung und Flexibilität mit

TVJA-Geschäftsführer Rudi Mühlhans ist froh, die Stelle wieder besetzt zu wissen. „Das ist viel mehr, als nur rauszugehen und mit den jungen Leuten zu sprechen“, sagt der Sozialpädagoge. Auch wenn Gerdes vielleicht nicht das klassische Alter hat, um in den Job einzusteigen, und auch nicht genau das geforderte Profil, ist er für Mühlhans der Richtige: „Er bringt Lebenserfahrung und Flexibilität mit.“ Gerdes habe „zuerst bei uns hospitiert, bevor wir und er eine Entscheidung getroffen haben“, erklärt die TVJA-Vorsitzende Kerstin Halba. „Das Team ist tipptopp, es macht richtig Spaß“, freut sich Gerdes. Auch konnte er sich bereits ein Bild von den Jugendlichen machen, die in Geretsried leben: „Die sind ganz anders, als in der Öffentlichkeit dargestellt. Echt sympathisch, und sie freuen sich, dass sie eine Ansprache haben.“

Das Eis hat der 59-Jährige schnell gebrochen. „Ich gehe offen auf die Jugendlichen zu und stelle mich vor. Viele kannten bereits meinen Vorgänger Patrick Schmook.“ Täglich dreht Gerdes mit dem Fahrrad seine Runden durch Geretsried. „Aktuell sind meine Schwerpunkte der Karl-Lederer-Platz und die Böhmwiese“, berichtet er. In den Isarauen sei dagegen in den Wintermonaten nichts los. „Gerade an Tagen, an denen die Jugendtreffs geschlossen haben, versuche ich draußen mehr Präsenz zu zeigen.“ Einige Jugendliche hätten bereits seine Beratung in Anspruch genommen, zu Themen wie psychische Erkrankungen, Job und Polizei. „Nix Großes“, meint Gerdes. „Aber es gibt Jugendliche, die in Kontakt mit der Polizei stehen und mir die Dinge aus ihrer Sicht erklären wollen.“

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Der Streetworker ist froh über die positive Resonanz, die er nach eigenen Worten in Geretsried erfährt. Erst einmal will Gerdes Präsenz zeigen und vor Ort sein, doch er denkt auch schon weiter. So will der studierte Theaterpädagoge demnächst ein Theaterprojekt mit Jugendlichen starten. „Wir nutzen gleich das Potenzial, das er mitbringt“, sagt Mühlhans dazu.

24 Wochenstunden in Teilzeit

Gerdes arbeitet in Teilzeit mit 24 Wochenstunden im Trägerverein. Durch einen positiven Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses im September, wonach der TVJA heuer einen Zuschuss in Höhe von 570 000 Euro erhält, konnte diese Stelle wieder besetzt werden. 2024 hatte die Stadt die mobile Jugendarbeit vom Trägerverein übernommen. Auch bei der Stadt ist wie berichtet ein Bewerber in Aussicht.