Grönland: Der Markt tobt, Trump rudert zurück

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US-Präsident Trump gibt sich in Davos erstaunlich zahm. Haben ihn die Marktturbulenzen zur Vernunft gebracht? Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Noch ist Grönland nicht verloren. Trump verachtet Europas Staatschefs, doch er fürchtet wie der Teufel das Weihwasser den Gegner, der am Dienstag die Bühne betrat – und eine noch bessere Show ablieferte als „The Don“ selbst: der Weltfinanzmarkt. Ob US-Dollar, US-Aktien oder US-Staatsanleihen: Alles wurde in Grund und Boden verkauft.

Die mit viel Spannung erwartete Rede von US-Präsident Trump fiel überraschend zahm aus, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Montage: Laurent Gillieron/dpa/KEYSTONE

Die gewaltige „Sell America“-Welle, die da von Asien über Europa bis an die Wall Street schwappte, trieb die Zinsen für 30-jährige US-Bonds bis auf ein Panik-Hoch von fast fünf Prozent. Zuletzt mussten die USA nach Trumps legendärem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses so hohe Schuldzinsen bezahlen, als der US-Präsident der Welt den Zollkrieg erklärte. Ein Absturz der US-Börsen von 15 Prozent kam damals hinzu. Ab da begann Trump zurückzurudern. Ein Aktiencrash, eine Staatsschuldenkrise und ein Absturz der Wirtschaft sind nicht das, wofür seine Anhänger ihn gewählt haben.

Der geschlossene Auftritt der EU ging nicht spurlos an Trump vorbei

Kommt es wieder so? Trump hat mit seiner brutalen Attacke auf die europäischen NATO-Partner der ganzen Welt gezeigt, wie unzuverlässig und selbstzerstörerisch die US-Politik unter seiner Führung geworden ist. Deshalb die panikartigen Verkäufe, mit denen die globalen Investoren Trumps Davoser Märchenstunde vom US-Wirtschaftswunder Lügen straften.

Europa hingegen hat – mit Ausnahme des peinlichen EU-Parlaments und seiner Mercosur-Skandalabstimmung – eine wichtige Bewährungsprobe fürs erste bestanden: Es hat sich nicht spalten lassen, sondern mit Gegenzöllen gedroht und den Märkten signalisiert, dass es einer Kraftprobe nicht aus dem Weg geht. Und europäische Investoren, voran ein dänischer Pensionsfonds, haben klargemacht, dass sie nicht zum Dank für Trumps harte Schläge dessen Wählern auch noch ein gutes Leben auf Pump finanzieren wollen.

Wie ein beleidigtes Kind: Trump will ein „Stück Eis“ namens Grönland

In der Vergangenheit war Trump bei aller Aufgeblasenheit geschmeidig genug, auch mal einen Rückzieher zu machen, wenn seine Methode, den Gegner mit Drohungen zu überwältigen, nicht funktionierte. In Davos hat er heute schon mal abgerüstet: Er bitte um „ein Stück Eis“. Kriege er das nicht, werde er das „nie vergessen“. Das klang mehr nach beleidigtem Kind als nach entschlossenem Eroberer. Doch ist es für Entwarnung zu früh. Ein Zurück in die bequeme transatlantische Partnerschaft gibt es nicht. Jetzt muss Europa prüfen, welchen Deal es Trump anbieten kann. Und wie es sich und sein Militär und seine Wirtschaft für die Zukunft stärkt. Denn in seiner jetzigen Form ist Europa leider doch nur, was es nach Meinung des Kanzlers nicht sein darf: ein Spielball der Mächtigen auf dieser Welt.

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