Ein Notarfehler sorgte für Verwirrung um die Neureuth GmbH. Der Eintrag widersprach zunächst Weimers Zusagen zum Mediengeschäft.
Tegernsee - Als vor gut zwei Monaten bekannt wurde, die Weimer Media Group mit Sitz in Tegernsee habe beim von ihr ausgerichteten Ludwig-Erhard-Gipfel gegen hohe Ticketpreise auch Zugang zu Spitzenpolitikern versprochen, brach ein Sturm der Entrüstung los. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, woraufhin er seine Firmenanteile an einen Treuhänder übergab. Bei diesem handelt sich um Peter Michael Kersting, wie aus einer aktualisierten Gesellschafterliste der Weimer Media Group GmbH hervorgeht, die vom Amtsgericht München Ende vergangenen Jahres ausgestellt wurde.
Zwei Wochen später, am 13. Januar, wurde das Amtsgericht München wieder bemüht. Diesmal ging es um eine Weimer Neureuth GmbH mit Sitz in Tegernsee, dem langjährigen Wohnort des vormaligen Publizisten und Verlegers Wolfram Weimer. Nicht nur das beliebte Wanderziel Neureuth im Firmennamen klingt interessant, auch der Zweck des Unternehmens. Denn trotz aller Beteuerungen in den Wochen zuvor wurden im vorliegenden Handelsregisterauszug Tätigkeiten aufgelistet, die das Ministergesetz untersagt: das Ausüben von beruflichen oder beratenden Tätigkeiten während der Zeit als Regierungsmitglied.
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Laut Eintrag im Register des Amtsgerichts sollte Geschäftsführer Wolfram Weimer verantwortlich sein für die „leitende redaktionelle Arbeit“ bei von „Dritten herausgegebenen Publikationsorganen“ wie Zeitschriften und Magazinen „sowie für Hörfunk- und Fernsehsendungen“. Dies passt nicht zur Zusicherung des Kulturstaatsministers, keine Anteile mehr an Medienunternehmen zu halten.
Von der Tegernseer Zeitung damit konfrontiert, fiel Weimer aus allen Wolken. Er sagte viel, das ihn entlasten sollte. Wörtlich zitieren lassen wollte sich der 61-Jährige allerdings nicht. Dies würde sein Münchner Anwalt Volker Schmits übernehmen, der sich umgehend meldete.
Keineswegs würde es sich bei der Weimer Neureuth GmbH um eine Neugründung handeln, „sondern um eine jetzt nach Tegernsee umgezogene GmbH, die seit über 20 Jahren im Besitz von Dr. Weimer ist“, versicherte der Anwalt. Nach Informationen der Tegernseer Zeitung wurde die GmbH im Juni 2006 in Potsdam gegründet, dem damaligen Wohnort Weimers.
Sein Anwalt verwies auf einen abgeänderten Eintrag des Amtsgerichts vom 16. Januar. Demnach habe „die Gesellschaft – außer der Sitzadresse – überhaupt keinen Bezug zur Weimer Media Group GmbH und/oder deren Geschäft“. Der einzige Zweck der Weimer Neureuth GmbH sei „die private passive Geldanlage/Altersversorgung im Kontext einer von Dr. Weimer selbstgenutzten Immobilie“. Die Gesellschaft übe „keinerlei gewerbliche oder geschäftliche Tätigkeit aus“. Tatsächlich habe es ein „Versehen“ des Notars bei der Satzung und deren Anmeldung gegeben, „dies wurde inzwischen korrigiert“. Nun wird als alleiniger Unternehmenszweck das „Halten und Verwalten eigenen Vermögens“ genannt.
Erleichtert über diese Wendung im Fall der Neureuth GmbH dürfte auch der Wirt des gleichnamigen Berggasthofs über dem Tegernsee sein. Auf die neue Gesellschaft angesprochen, hatte Thomas Gigl schon das Schlimmste befürchtet – etwa, dass er sich womöglich auf „einen neuen Verpächter einstellen“ muss. Der Berggasthof ist im Besitz der Stadt Tegernsee – und bleibt es auch.