Nach Brand bei Firma in Bayern: Beschäftigte erheben schwere Vorwürfe

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Falsche Lagerung von Akkus und ein nachlässiger Umgang mit der Gesundheit der Beschäftigten – nach einem Brand im Firmengebäude von City-Mail gibt es schwere Vorwürfe.

Regensburg – Es brannte lichterloh, doch die Berufsfeuerwehr Regensburg verhinderte mit den Löschzügen Altstadt, Weichs und Graß durch schnelles Eingreifen Schlimmeres.

Am 13. September vergangenen Jahres stand gegen sechs Uhr morgens ein Firmengebäude des Postdienstleisters City-Mail in der Greflingerstraße in Flammen. Laut dem Amt für Katastrophenschutz handelte es sich um einen Vollbrand. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten 24 Menschen aus einem benachbarten Wohnhaus evakuiert werden. Sie fanden vorübergehend in einem Hotel Unterkunft.

Am 13. September 2025 brannte das Gebäude von City-Mail lichterloh.
Am 13. September 2025 brannte das Gebäude von City-Mail lichterloh. © Berufsfeuerwehr Regensburg

Laut Kripo: Brand ging von Akkus aus

Die Feuerwehr verhinderte, dass die Flammen auf andere Gebäude übergriffen. „Der Brand zerstörte das Firmengebäude so stark, dass Teile des Daches aufwendig geöffnet werden mussten, um Glutnester auszuschließen“, teilte das Amt mit. Derzeit saniert eine Fachfirma das Gebäude unter strengen Schutzauflagen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Kripo Regensburg löste ein technischer Defekt den Brand aus – vermutlich durch Lithium-Ionen-Akkus, die im Gebäude lagerten.

Diese Akkus, genutzt für die E-Bikes der Zusteller, setzen bei einem Brand hochgiftige Gase wie Fluorwasserstoff, Kohlenmonoxid und Cyanwasserstoff frei. Zudem können Schwermetalle wie Kobalt und Nickel austreten, die schwere Verätzungen, Atemnot und Stoffwechselstörungen verursachen.

Nun melden sich Beschäftigte zu Wort und erheben Vorwürfe

Aussagen von Beschäftigten, Chatverläufe und Fotos, die unserer Redaktion vorliegen, legen nahe, dass City-Mail sowohl vor dem Brand bei der Lagerung der Akkus als auch danach beim Schutz der Mitarbeiter nachlässig handelte. Laut dem Gewerbeaufsichtsamt der Regierung der Oberpfalz müssen Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Brandschutzmaßnahmen für die Lagerung solcher Akkus festlegen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt in ihren Richtlinien „Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien“, zuletzt im Februar 2024 aktualisiert, unter anderem:

„Größere Mengen bzw. leistungsstarke LIB müssen in sicherem Abstand zu brennbaren Materialien gelagert werden. Bei der Lagerung innerhalb von Gebäuden sollte ein Freistreifen von 2,5 m zu anderen Gütern eingehalten werden oder die LIB in einem brandschutztechnisch abgetrennten Bereich (z. B. Sicherheitsschrank, Container) gelagert werden.“

Akkus bei brennbarem Material gelagert?

Nach Informationen unserer Redaktion hielt sich City-Mail nicht an diese Vorgaben. Fotos, die wir aus Gründen des Informantenschutzes nicht veröffentlichen, zeigen Akkus in einem offenen Metallregal, teils in Plastikboxen, die eigentlich für Post gedacht sind. In unmittelbarer Nähe lagerten Kettenöl und -sprays für die E-Bikes.

Warnungen von Beschäftigten, die auf diese Missstände hinwiesen, stießen laut einer uns vorliegenden Mail auf „Desinteresse“. Ob die Fotos eine Ausnahme dokumentieren oder den Normalzustand zeigen, bleibt unklar. Auch auf unsere Anfrage vom 5. Januar reagierte City-Mail nicht.

Beschäftigte ohne Schutz ins Gebäude geschickt

Noch gravierender erscheint das Verhalten des Unternehmens nach dem Brand. Beschäftigte berichten, dass der Chef sie zwei Tage nach dem Feuer in das abgesperrte Gebäude schickte, um unversehrte Pakete, Schlüssel, Spinde und anderes Material zu bergen. Dabei ignorierte man das Absperrband der Polizei. Schutzkleidung, Handschuhe oder Masken gab es nicht. „Wir waren dumm, das zu machen. Aber wenn der Chef sagt ‚Spring! ‘, dann springt man“, sagt ein Mitarbeiter. Das Ausräumen dauerte mehrere Tage. Auch hierzu äußerte sich City-Mail nicht.

Welche Schutzmaßnahmen nötig sind, um ein Gebäude zu betreten, in dem Akkus gebrannt haben, zeigt der Aushang der Fachfirma, die den Bau saniert. Gefordert werden Schutzanzüge mit Kapuze, FFP3-Masken und Schutzhandschuhe. Nach Verlassen des Gebäudes sind gründliche Körperreinigung sowie Dekontaminations- und Stiefelwaschanlagen Pflicht. Die betroffenen Mitarbeiter von City-Mail wurden nach eigenen Angaben weder über die Gefahren informiert noch mit Schutzmaterial ausgestattet.

Behörden reagieren auffallend zurückhaltend

Mails und Telefonprotokolle belegen, dass sich Beschäftigte später an Behörden wandten, etwa an das Umweltamt der Stadt Regensburg. Die Leiterin antwortete knapp: „Das Umweltamt ist für den Arbeitsschutz nicht zuständig. Wir raten Ihnen, sich an das Gewerbeaufsichtsamt der Regierung der Oberpfalz zu wenden.“ Die städtische Pressestelle behauptete jedoch fälschlicherweise: „Dem Umweltamt der Stadt ist hierzu nichts bekannt. “

Gewerbeaufsicht kann Verstöße nicht mehr nachvollziehen

Das Gewerbeaufsichtsamt räumt ein, am 19. September – sechs Tage nach dem Brand – durch eine telefonische Beschwerde über das ungeschützte Betreten der Räume informiert worden zu sein. Verstöße gegen Arbeitsschutzmaßnahmen ließen sich jedoch wegen des zeitlichen Abstands nicht mehr nachvollziehen.

Noch am selben Tag kontrollierten Beamte unangekündigt die Ersatzräume von City-Mail in der Rathenaustraße. Ob die Akkus dort nun ordnungsgemäß lagern, bleibt unklar. „Die Kontrolle am 19. September bezog sich ausschließlich auf die Beschwerde zum Umgang mit kontaminierter Post“, heißt es auf Nachfrage. Ob kontaminierte Post an Empfänger ging, bleibt unbeantwortet – sowohl von der Gewerbeaufsicht als auch von City-Mail.

Bleibt das Verhalten von City-Mail ohne Folgen?

City-Mail, früher eine Tochter der MZ-Verlagsgruppe, wurde 2021 an die PNP verkauft und gehört seit 2023 zu einem Firmenkonglomerat eines privaten Postdienstleisters aus Fürstenzell. Bislang bleibt das Verhalten des Unternehmens bei der Lagerung der Akkus und im Umgang mit den Beschäftigten ohne Konsequenzen.