Ein 35-Jähriger aus Hausham randalierte unter Drogeneinfluss in der Klinik. Nun verurteilte ihn das Amtsgericht Miesbach zu einer Geldstrafe.
Miesbach/Hausham – Erst soll er im Kreiskrankenhaus Agatharied gegenüber dem Personal aggressiv geworden sein, dann einen Platzverweis der Polizei ignoriert und sich massiv gegen deren Maßnahmen zur Wehr gesetzt haben, um die Beamten schließlich als „Diener, Staatsmarionetten und Taxifahrer“ zu verspotten. Jetzt stand ein 35-jähriger Mann aus Hausham deshalb vor Gericht.
Der gebürtige Rumäne schilderte die fatale Situation aus seiner Sicht. Er habe sich von seiner Freundin trennen wollen und ihr erklärt, dass eine Beziehung mit ihm wegen seiner Drogen- und Alkoholabhängigkeit keine Zukunft habe. Er habe – auch an jenem Tag – erhebliche Mengen Kokain und Crack sowie eine Flasche Whisky konsumiert.
Daraufhin sei die Freundin ins Bad gegangen und habe sich – wie schon oft – mit einem Messer die Arme geritzt. Er habe die Rettung verständigt, dann aber im Krankenwagen nicht mitfahren dürfen. Also sei er selbst zur Klinik gefahren.
Haushamer will Panikattacke erlitten haben
Dort habe man ihm wieder verwehrt, die Partnerin zu sehen. Da habe er eine Panikattacke erlitten und befürchtet, er werde „wieder paranoid“. Wegen seiner Drogenproblematik sei er schon zuvor in der Psychiatrie behandelt worden.
Dann seien Polizisten erschienen und hätten ihn aufgefordert, die Klinik zu verlassen. Er sei um das Gebäude herumgegangen, doch wieder auf die Beamten getroffen. Diese hätten ihn „auf den Bauch geschmissen“. Beim Versuch, seine unter dem Bauch versteckten Hände hervorzuzerren, hätten sie ihm je einen Fuß auf Rücken und Kopf gesetzt. Beim Anlegen der Handschellen sei ihm eine Schulter ausgekugelt worden.
Auf der Wache habe man ihn „in den Keller gesperrt“, trotz seines Hinweises, dass er unter Klaustrophobie leide. Der Polizist habe ihn stattdessen geschubst, in die Rippen geboxt und gehöhnt, er werde sowieso abgeschoben. In Panik habe er mit dem Kopf gegen die Wände geschlagen. Daraufhin sei er in die Psychiatrie gefahren worden. Beleidigt habe er aber niemanden.
Klinikpersonal in Angst versetzt
Wild schreiend und pöbelnd habe der Haushamer das Klinikpersonal in Angst versetzt, weshalb man die Polizei gerufen habe, erinnerte sich ein Polizeibeamter. Der Angeklagte habe sich geweigert zu gehen, stattdessen gegen eine Glastür und ein Schild getreten. Beim Versuch, ihm Handschellen anzulegen, habe er sich, zu Boden gebracht, in Embryo-Stellung gesperrt und eine Polizistin ins Bein gebissen.
In der Haftzelle habe er mit dem Kopf gegen die Gitterstäbe geschlagen, weshalb entschieden worden sei, ihn in die Psychiatrie zu bringen. Geboxt oder mit Abschiebung bedroht habe man ihn bestimmt nicht. Auf der Fahrt habe er sich dann lustig gemacht, sie müssten nun seine „Taxifahrer“ machen. Am Zielort habe er einen weinerlichen Eindruck gemacht.
Eine Blutprobe bestätigte den Rauschgiftkonsum. Der Alkoholwert war aber gleich null. Die Drogen hätten all sein Geld verschlungen, schilderte der Angeklagte. Nach gescheiterten Entzugsversuchen sei ihm wenigstens eine Reduzierung geglückt.
Das Gericht erkannte auf verminderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Auch wurde die Sorge des Angeklagten um seine Freundin berücksichtigt. Er wurde zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. „Sie müssen vom Kokain wegkommen, um ihr Leben in den Griff zu bekommen“, machte der Richter deutlich.
Stefan Gernböck