„Flashover“-Theorie zu Silvester-Tragödie: Schweizer Regierung spricht von tödlicher Feuerwalze

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„Flashover“ als Ursache der Silvester-Tragödie: Schweizer Regierung spricht von tödlicher Feuerwalze

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Bei einem Brand in einer Schweizer Bar starben 40 Menschen. Nun verhärtet sich die Ursache: Ein „Flashover“ soll zu der tödlichen Tragödie geführt haben.

Crans-Montana – Der verheerende Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana in der Schweiz forderte in der Silvesternacht rund 40 Todesopfer und 115 meist schwerverletzte, junge Personen. Die Katastrophe ereignete sich während der Neujahrsfeierlichkeiten in dem zweistöckigen Lokal, in dem zahlreiche Gäste das neue Jahr begrüßten. Der Staatsrat des Kanton Wallis spricht in einer Mitteilung von einem in Folge des Brandes entstandenen „Flashovers“, „der nach ersten Erkenntnissen eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte“.

Was den Brand in der Schweizer Bar auslöste, ist noch Gegenstand der Untersuchung. (Collage) © Collage Alessandro Della Valle/Jean-Christophe Bott/picture alliance/dpa/KEYSTONE – Kantonspolizei Wallis

Laut der Regierung wurden alle Verletzten von Rettungskräften versorgt und nach der Erstversorgung per Hubschrauber in verschiedene Krankenhäuser gebracht. Das Spital Wallis aktivierte seinen Katastrophenplan und behandelt derzeit rund 60 Verletzte an den Standorten Visp, Sitten und Martinach. Etwa 60 weitere Patienten wurden in andere Einrichtungen eingewiesen, darunter die auf schwere Brandverletzungen spezialisierten Zentren in Lausanne (CHUV) und Zürich. Der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, sagte dem Sender RTS, die Universitätsklinik Lausanne habe allein etwa 13 Erwachsene und acht Minderjährige aufgenommen, „deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist“.

Dutzende Tote bei Silvester-Tragödie in der Schweiz – Expertin erklärt „Flashover“-Phänomen

Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erläuterte im ARD-Brennpunkt den Mechanismus eines „Flashovers“: Ein kleines Feuer gibt Hitze an die Umgebung ab, die sich unter der Decke sammelt. Bei steigender Temperatur werden brennbare Materialien im Raum chemisch zersetzt und bilden Gase. „Und bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird.“

Bei einem bereits abgelaufenen oder einsetzenden „Flashover“ führt das plötzliche Öffnen von Türen und Fenstern mit zusätzlicher Sauerstoffzufuhr in der Regel zu einer schlagartigen Verstärkung der Durchzündung und damit zu einer massiven Gefährdung. Barz zufolge steige die Temperatur innerhalb kürzester Zeit auf 1000 bis 1200 Grad, während gleichzeitig der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent sinke. „Das heißt, unser menschlicher Körper ist dafür nicht gemacht“, so die Expertin. Selbst für ausgebildete Feuerwehrleute stelle ein „Flashover“ eine gefährliche Situation dar. Menschen ohne Schutzkleidung hätten keine Überlebenschance. Ob sich die Situation tatsächlich so zugetragen hat, ist allerdings noch nicht bestätigt.

Brandursache noch ungeklärt – gab es genug Sicherheitsmaßnahmen?

Die mit dem Fall betraute Staatsanwältin Beatrice Pilloud drückte sich in ihren Ausführungen zur Brandursache zurückhaltender aus. Sie bestätigte lediglich, dass der gesamte Raum Feuer gefangen und dies zu einer Explosion geführt habe. Augenzeuginnen hatten zuvor beim französischen Nachrichtensender BFMTV den Brand auf Kerzen zurückgeführt. Pilloud wollte auf Nachfrage nicht erklären, ob die Bar die richtigen Notausgänge hatte und ob sie funktionierten. Eine Untersuchung werde klären, ob die Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden.

Bundespräsident Guy Parmelin reiste am Nachmittag des 1. Januar in Begleitung des Walliser Staatsratspräsidenten Mathias Reynard und des Vorstehers des Departements für Sicherheit, Institutionen und Sport, Stéphane Ganzer, nach Crans-Montana. Wie die Regierung mitteilt, wollten sie den Opfern und ihren Angehörigen ihre Unterstützung und Anteilnahme aussprechen sowie sich bei den Einsatz- und Rettungskräften und dem Spitalpersonal für ihre Arbeit bedanken.

Auch Touristen unter den Opfern – Schweiz bespricht Versorgung mit den Nachbarländern

Da sich im Winter zahlreiche ausländische Gäste in der Tourismusdestination Crans-Montana befinden, wird sich laut Regierungsmitteilung um eine rasche Identifizierung der zum Teil schwer verbrannten Opfer und die Koordinierung des Informationsaustauschs mit dem Ausland bemüht. Die Leichen seien allerdings so stark verbrannt, dass es Tage dauern könne, bis die Namen aller Opfer festgestellt würden, teilten die Schweizer Behörden mit. Bundeskanzler Merz (CDU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) äußerten auf der Plattform X ihre Bestürzung.

Für Betroffene wurde eine Hotline unter der Nummer 0848 112 117 eingerichtet. Der Staatsrat hat zudem die „besondere Lage“ verhängt, um die zur Bewältigung des tragischen Ereignisses nötigen Mittel rasch mobilisieren zu können. Aktuell arbeiten die Behörden gemeinsam mit den Nachbarländern an Plänen, um die Versorgung von Patienten mit schweren Verbrennungen bestmöglich sicherzustellen. (Quellen: dpa, Staatsrat Kanton Wallis, X) (jaka)

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