Noch gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über die Ursache des Infernos in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht. Bei dem verheerenden Brand kamen mindestens 40 Menschen ums Leben, mehr als 110 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Die Kantonsregierung des Wallis schrieb in einer Mitteilung von einem "Flashover" in der Bar, vor dem die Menschen nur schwer fliehen konnten. Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erklärte im ARD-"Brennpunkt", was unter einem "Flashover" zu verstehen ist.
"Flashover" in Crans-Montana: "'Feuerwalze', die alles gleichzeitig in Brand nimmt"
"Ganz vereinfacht dargestellt: Einfach ein kleines Bandereignis, das die Hitze abgibt an die Umgebungstemperatur und sich dann unter der Decke die Hitze sammelt. Im Kellergeschoss kann das nicht abfließen. Dieser Wärmestau wird heißer und heißer und alle brennbaren Materialien in diesem Raum werden irgendwann chemisch zersetzt und bilden Pyrolysegase und bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine 'Feuerwalze', die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird. Also es ist dieser Selbstentzündungsmechanismus, der dann insgesamt auftritt und dadurch natürlich auch ganz extrem wirkt und sehr schnell."
Weiter erklärte die Expertin, bei einem "Flashover" erfolge "ein Temperaturanstieg von 600 Grad, wo das passiert auf 1000 bis 1200 Grad innerhalb von geringer Zeit. Und dazu kommt, dass der Sauerstoffgehalt unter vier Prozent fällt beim 'Flashover'." Der menschliche Körper sei dafür nicht gemacht. Selbst für Feuerwehrmänner sei die enorme Hitze eine äußerst schwierige Situation – für normale Menschen ohne Schutzkleidung nicht zu überleben.
Brandschutzexpertin mit Appell: "Wenn Sie Alarm hören, bitte hören Sie darauf"
In Deutschland habe man sehr gute Brandschutzvorschriften, immer zwei Rettungswege, hohe Anforderung an Baustoffe. Dennoch komme immer der Faktor Mensch ins Spiel, denn "die Umsetzung und auch die Handhabung" seien "das A und O".
Daher formulierte Barz den klaren Appell: "Das kann unglaublich schnell gehen. Innerhalb von drei Minuten kann es zum 'Flashover' kommen. Also, wenn Sie ein Feuer sehen oder wenn Sie irgendwo einen Alarm hören, bitte hören Sie darauf. Es kann ihr Leben retten!"