Die Bosch-Tochter BSH hat im vergangenen Jahr die Schließung eines Standorts mit rund 1.300 Mitarbeitern angekündigt. Jetzt könnte es aber doch noch Hoffnung geben.
Stuttgart – Der Technologiekonzern Bosch hat mit multiplen Herausforderungen zu kämpfen, wovon auch die Tochterunternehmen nicht ausgeschlossen sind. Der traditionsreiche Einbaugerätehersteller Neff, eine Tochtergesellschaft der BSH Hausgeräte, die ihrerseits eine Tochtergesellschaft der Robert Bosch GmbH ist, hatte im vergangenen Jahr angekündigt, den Produktionsstandort in Bretten (Kreis Karlsruhe, Baden-Württemberg) bis Anfang 2028 schließen zu wollen. Von dieser Entscheidung sind rund 1.300 Arbeitsplätze betroffen, doch noch gibt es offenbar Grund zur Hoffnung.
Nachdem bereits Neff-Beschäftigte bis zur BSH-Zentrale in München gezogen waren, fanden am vergangenen Freitag (16. Januar) erstmals Verhandlungen am Standort Bretten statt. Wie die IG Metall Bruchsal in einer Mitteilung erklärt, mussten die Vertreter der BSH-Geschäftsführung durch ein Spalier der Beschäftigten schreiten, um zur Verhandlung mit den Betriebsräten zu gelangen. „Mit sichtlichem Unbehagen mussten sich die Arbeitgebervertreter den Weg durch die Menge bahnen“, so die Gewerkschaft. Doch hatte das auch eine Wirkung?
Erste Gespräche über Schließung von Neff-Werk Bretten laut IG Metall keine echten Verhandlungen
BSH hatte im vergangenen Jahr die beabsichtigte Schließung des Neff-Standorts sowie der angegliederten Logistikabteilung HSN mit einer gründlichen Analyse der Geschäftslage begründet. „Uns ist bewusst, dass ein solcher Schritt mit Sorgen und Unsicherheiten verbunden ist“, hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Mathias Metz, im Oktober erklärt. Bei den Gesprächen am 16. Januar legten die Vertreter von BSH die Gründe erneut vor, gaben laut der IG Metall aber zu, „dass Bretten kein schlechter Standort ist und einen guten Ruf innerhalb des Produktionsnetzwerks hat“.
| Name | NEFF GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1877 in Bretten, Baden-Württemberg |
| Sitz | München, Bayern (BSH) |
| Mutterunternehmen | BSH Hausgeräte GmbH (Tochterunternehmen der Robert Bosch GmbH) |
| Mitarbeiter | rund 1.300 |
Auch deshalb sieht die Gewerkschaft keine Notwendigkeit für eine Schließung des traditionsreichen Produktionsstandortes in Bretten. Bei der ersten Gesprächsrunde sei es aber nicht zu einer wirklichen Verhandlung gekommen. „Neff beziehungsweise BSH müssen jetzt erst mal die Information und Beratung, die eigentlich vor der Entscheidung hätte stattfinden müssen, nachholen“, betonte Kristian Kipcic-Suta, der Betriebsratsvorsitzende von Neff. „Danach werden wir ein eigenes Alternativkonzept vorlegen, um den Standort erhalten zu können.“
Neff-Werk Bretten schreibt nach wie vor schwarze Zahlen – Alternativplan soll Standort retten
Dass der 1877 gegründete Neff-Standort in Bretten, der Ursprung der Marke, nach wie vor schwarze Zahlen schreibt, dürfte zumindest den 1.300 Mitarbeitern und den Arbeitnehmervertretern ein gewisses Fundament geben. „Die Diskussion war auf Arbeitnehmerseite sehr emotional“, heißt es in der Mitteilung der IG Metall Bruchsal. „Auch in ihren Augen geht es um eine Gewinnmaximierung, weil der Standort immer noch schwarze Zahlen schreibt. Dem wurde von der Arbeitgeberseite nicht widersprochen.“
Die Arbeitnehmervertreter wollen im nächsten Schritt ein Alternativkonzept für den Neff-Standort im Kreis Karlsruhe erstellen, für das zunächst Informationen gesammelt werden sollen. Die IG Metall ruft derweil zu einer Menschenkette um das Werk in Bretten unter dem Motto „NEFF bleibt BRETTEN“ am 30. Januar auf. Im vergangenen Jahr konnte auch ein bedrohtes Werk von Mutterkonzern Bosch vor einer möglichen Schließung bewahrt werden. (Verwendete Quellen: Pressemitteilung der IG Metall Bruchsal vom 16. Januar 2026, bruchsal.igmetall.de, dpa)