Tagelanger Stromausfall in Berlin: So sicher sind die Netze in der Region

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Soldaten der Bundeswehr gaben nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten warme Mahlzeiten aus. © Syen Kaeuler/dpa

Der längste Stromausfall in Berlin seit über 80 Jahren tauchte Teile der Bundeshauptstadt tagelang in eiskalte Dunkelheit. 100 000 Menschen waren betroffen. Da stellt sich die Frage, ob Ähnliches auch im Landkreis passieren könnte.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Zunächst einmal ist wichtig, dass die Versorgungssicherheit im Bayernwerk-Netzgebiet ein sehr hohes Niveau hat“, so Pressesprecher Maximilian Zängl auf Anfrage. „In allen unseren Netzgebieten, auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, haben wir redundante Netzsysteme.“ Sollte es zu Defekten im Stromnetz kommen, könnten die Bayernwerk-Mitarbeiter in aller Regel über Schaltmaßnahmen zügig eine Wiederversorgung herstellen.

Stadtwerke: Netz ist anders aufgebaut als in Berlin

Ähnliches berichten die Stadtwerke Bad Tölz, die ein rund 370 Kilometer langes Stromnetz in Bad Tölz, Ellbach, Kirchbichl, Schnaitt, Rain und Abrain betreiben.  „Anders als bei den vom Stromausfall betroffenen Berliner Stadtteilen, ist das Stromnetz im Tölzer Stadtgebiet zu 100 Prozent redundant aufgebaut“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Stahl. „Für den Fall der Fälle kann über eine zweite Mittelspannungsleitung eingespeist und die Stromversorgung gesichert werden. Einzelne Straßenzüge könnten außerdem problemlos auf das Niederspannungsnetz der Stadt Bad Tölz umgeschaltet werden.“

BRK bietet Kurs an

Wie gut sind Bürger auf Krisen und Katastrophen vorbereitet? Welche Vorsorgemaßnahmen sind sinnvoll? Der BRK-Kreisverband bietet hierzu den Kurs „Gut vorbereitet in Krisen- und Zivilschutzlagen“ an. Der Kurs zeigt, welche Krisen regional auftreten können und wie man im Alltag gut darauf vorbereitet ist. Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Informationen und konkrete Tipps zur persönlichen Vorsorge. Der Kurs dauert drei Stunden. Es werden Termine in Geretsried und Bad Tölz angeboten. Infos und Anmeldung auf www.kvtoel.brk.de/kurse/kurse-fuer-zivil-und-bevoelkerungsschutz.html. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Konsequente Investitionen in die Verbesserung des Stromnetzes

Zudem würden die Stadtwerke „seit Jahrzehnten kontinuierlich und konsequent in den Ausbau und die Verbesserung des Stromnetzes investieren, um die Netzstabilität aufrechtzuerhalten und tage- oder gar wochenlange Ausfälle auszuschließen“, betont Stahl. Das gilt auch für das Bayernwerk. Viele der Mittelspannungsnetze seien „verkabelt, und unser Verkabelungsprogramm setzen wir kontinuierlich fort, da wir im Zuge der Energiewende mit Rekordbudgets unsere Infrastruktur weiterentwickeln“, so Zängl. „Verkabelung“ bedeutet, dass Mittelspannungsleitungen unterirdisch als Erdkabel verlegt werden. Bei neuen Mittelspannungsleitungen werde das in der Regel ohnehin so gemacht. Es würden aber auch umfangreich bestehende Mittelspannungs-Freileitungen durch Erdkabel ersetzt. Aber nicht überall sei eine solche Verkabelung möglich.

Schnelle Einsatzbereitschaft bei Defekten

Insbesondere in bergigen Regionen oder Waldgebieten könnten außergewöhnliche Witterungsereignisse wie Sturm, Schnee oder insbesondere Nassschnee zu Schäden an Freileitungen führen. „Zudem ist es so, dass das technische System Netzinfrastruktur jede Sekunde im Jahr unter Volllast in Betrieb ist. Da kann es vereinzelt auch mal zu Defekten an technischen Bauteilen oder Kabeln kommen.“ In diesen Fällen greife die regionale Organisation des Bayernwerks. „Unsere Servicetechniker leben in den Regionen. Wir sind immer nah am Netz und rund um die Uhr einsatzbereit.“

Solides Notfall- und Krisenmanagement ist wichtig

Nun war es in Berlin allerdings kein Naturereignis, das die Stromversorgung unterbrach, sondern offenbar ein gezielter Anschlag. „Im Rahmen der Versorgungssicherheit bereiten wir uns als Bayernwerk auf alle denkbaren Szenarien akribisch vor“, meint Zängl dazu. Man beobachte Veränderungen in der Sicherheitslage stets genau und habe die Resilienz der Infrastruktur immer im Blick. „Natürlich muss man sich heutzutage vor Sabotage- und Terrorangriffen und ihren möglichen Konsequenzen wappnen“, sagt auch Stahl. „Letztlich kann aber genauso ein Bagger auf der Baustelle ein Kabel beschädigen und so einen Stromausfall herbeiführen. Allein deshalb ist die 100-prozentige Redundanz unseres städtischen Stromnetzes wichtig und wertvoll.“ Bei den Stadtwerken genieße Prävention Priorität. „Ein solides Notfall- und Krisenmanagement ist darüber hinaus aber eine Selbstverständlichkeit“, sagt Stahl. Denn, so Zängl: „Gegen extreme kriminelle Energie kann es keinen hundertprozentigen Schutz geben.“

So rüstet sich der Katastrophenschutz im Landkreis

Sollte es hier zu ähnlichen Ereignissen wie in Berlin kommen, dann wäre der Katastrophenschutz des Landkreises gefragt. Der befasst sich bereits seit geraumer Zeit mit Szenarien wie diesem. „Schon vor zwei Jahren wurden alle Gemeinden sensibilisiert und abgefragt, wie die Versorgung vor Ort bei einem größeren Blackout abgesichert werden kann“, berichtet Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer. „Die Gemeinden haben sich daraufhin – soweit noch nicht geschehen – damit befasst, entsprechende Anlaufstellen auszuweisen und sich darauf vorzubereiten.“ Wo diese „Leuchttürme“ eingerichtet werden, sei bei der jeweiligen Kommune zu erfragen. „Betrieben werden diese Anlaufstellen in der Regel von den Verwaltungen zusammen mit den Rettungsorganisationen vor Ort, also meistens der Feuerwehr.“ Die Katastrophenschutzbehörde fungiere als Koordinationsstelle und unterstütze bei Bedarf. Trotzdem, so Peischer, sei es wichtig, dass die Bürger selbst vorsorgen, um auch einen längeren Stromausfall bewältigen zu können. Infos hierzu gibt es auf www.notfallvorsorge-bbk.de.