Neue Drohungen im Grönland-Streit: Wie Trump uns und sich selbst schadet

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Trump droht mit neuen Zöllen im Grönland-Streit. Was tun? Der Westen muss sich stärker von Amerika abkoppeln, kommentiert Mike Schier.

Eigentlich kann einen bei diesem US-Präsidenten nichts mehr überraschen – und dennoch folgt böses Erwachen auf böses Erwachen. Die neuerliche Zollandrohung Donald Trumps in Verbindung mit territorialen Forderungen an einen Verbündeten ist im Prinzip eine ökonomische Kriegserklärung. Und die unbequemste Wahrheit lautet: Die neue Willkür der US-Politik, die Verträge, Vertrauen und Vernunft mit Füßen tritt, hat keineswegs nur mit Trump persönlich zu tun. Sie umfasst sein ganzes Umfeld bei Republikanern und Maga-Bewegung und dürfte den 79-Jährigen überleben.

Trump droht seinen Verbündeten im Streit um Grönland mit Zöllen. Damit schadet der US-Präsident vor allem den Interessen der USA. © Montage: Evgeniy Maloletka/dpa/Schlaf

Trump lässt Grönland-Streit eskalieren – De-Risking von den USA

Immer klarer wird, welch‘ fundamentalen Umbruch dies für Deutschland und Europa bedeutet. Wenn bislang das Schlagwort „De-risiking“ fiel, also die Reduzierung von kritischen Abhängigkeiten, dann war stets China gemeint. Die Finanzmärkte haben längst umgedacht: Statt den Dollar weiter als sicheren Hafen zu sehen, flüchtet man sich in Gold, dessen Wert seit Trumps zweiter Amtseinführung um 70 Prozent gestiegen ist. Auch der Rest muss Abhängigkeiten hinterfragen – vom Dollar, von Sicherheit und Geheimdiensten, von fast allen technischen Grundlagen.

Eine politische Führung, die schamlos in die Unabhängigkeit der Notenbank, ganzer Branchen oder gar einzelner Unternehmen eingreift, gefährdet schlicht unseren Lebensstil. Ein Lebensstil, in dem es selbstverständlich war, auf seinem US-Handy mit einer US-Suchmaschine soziale Netzwerke mit Sitz in den USA aufzurufen oder über US-Online-Händler und US-Bezahlsysteme Waren zu bestellen. Bislang kritisierten das meist nur Antiamerikaner, heute treibt das selbst Transatlantiker um.

Grönland-Streit: Trump richtet massiven Schaden an den Interessen der USA an

Es hat sich schon viel getan. Plötzlich gibt es grünes Licht für das Mercosur-Abkommen mit Südamerika und eine echte Annäherung an Indien. In London versucht man den Brexit faktisch rückgängig zu machen, Brüssel wirkt bei all seinen Schwächen wie das kleinere Übel. Mal sehen, wann diese Erkenntnisse sich auch bei den Fans von Nigel Farage, Marine Le Pen oder Alice Weidel herumsprechen.

Die neuerliche Zollandrohung gleicht einer ökonomischen Kriegserklärung.

Die USA sind auf dem besten Weg, als erste Weltmacht in der Geschichte eine große Vormachtstellung freiwillig aufzugeben – und verkaufen dies als „Make America great again“. Tatsächlich richtet Trump an den Interessen seines Landes langfristig immensen Schaden an.

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