Meloni sucht Ausgleich im Zollkonflikt: Trump bleibt bei seinen Drohungen, die NATO prüft nun Folgen für Grönland.
Rom – Giorgia Meloni gilt als wichtige Vermittlerin zu der Regierung in Washington. Bereits während des zurückliegenden Zollstreits glättete die italienische Regierungschefin im Auftrag der EU die Wogen. Durch ihre demonstrative Nähe zu dem US-Präsidenten Donald Trump und das Lob der USA als „verlässlichen Partner“ zeigte ihre Diplomatie Wirkung: Trump signalisierte prompt nach Melonis Besuch Gesprächsbereitschaft. Die diplomatischen Fähigkeiten der Italienerin dürften im neuesten Zollstreit um Grönland einmal mehr gefragt sein.
Der Zwist um Grönland spitzte sich zuletzt durch die Zolldrohungen des US-Präsidenten Donald Trump weiter zu. Meloni versucht sich erneut als Vermittlerin und telefonierte bereits mit Trump, um das Verhältnis zwischen den USA und der NATO zu beschwichtigen. Nur eine Maßnahme schloss die Italienerin bislang aus.
Meloni befürchtet „Eskalation“: Habe Trump „gesagt, was ich denke“
Der Streit um die Zolldrohungen Donald Trumps im Konflikt um Grönland, nimmt weiter an Fahrt auf: Giorgia Meloni, Staatschefin des NATO-Gründungsmitglieds Italien, befürchtet nun offen eine „Eskalation“ im transatlantischen Verteidigungsbündnis. Zuvor erklärte sie bereits, Trumps Zolldrohungen seien ein „Fehler“. Bei ihrem Besuch in Südkoreas Hauptstadt Seoul entschärfte sie jedoch zugleich und erklärte, dass es zwischen beiden Seiten offensichtlich ein Kommunikationsproblem gebe. Jetzt sei es notwendig, „den Dialog wieder aufzunehmen und eine Eskalation zu vermeiden“.
Die Ministerpräsidentin ging bereits mit gutem Beispiel voran: Sie habe mit Trump telefoniert „und ihm gesagt, was ich denke“. Weiter habe sie „auch mit dem NATO-Generalsekretär (Mark Rutte) gesprochen, der mir bestätigte, dass die NATO begonnen hat, sich mit diesem Thema zu befassen“. Zugleich versuchte Meloni, deren Land von Trumps Zollankündigung nicht betroffen ist, die Spannungen zwischen den USA und Europa zu entschärfen. Es habe „ein Problem bei der Kommunikation und beim Verstehen“ gegeben. „Aus US-Sicht war die Botschaft von der anderen Seite des Atlantiks nicht eindeutig“, sagte die rechtspopulistische Ministerpräsidentin.
Drahtseilakt für die Trump-Flüsterin: NATO entsendet Truppen nach Grönland – ein Mitglied fehlt
„Die NATO ist der Ort, an dem wir gemeinsam Abschreckungsmaßnahmen gegen potenziell feindselige Einmischung in einem eindeutig strategisch wichtigen Gebiet organisieren müssen“, erklärte Meloni mit Blick auf Grönland. Die „Tatsache, dass die NATO damit begonnen hat, daran zu arbeiten“, bewertete die Ministerpräsidentin als eine gute Initiative. An der Entsendung von Soldaten beteiligt sich Italien jedoch bislang nicht. Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach im Zusammenhang damit von einem „Witz“. Zugleich stellte die rechte Regierung von Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor. Meloni hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie eine militärische Aktion der USA nicht unterstütze – eine solche sei in niemandes Interesse.
Die Ankündigung einiger europäischer NATO-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, Soldaten auf die Insel zu entsenden, löste heftige Kritik bei der Regierung in Washington aus. Trump erklärte, die Soldaten der Verbündeten seien dort „für unbekannte Zwecke“, und sprach von einer „sehr gefährlichen Situation“ für die Sicherheit, den Schutz und das Überleben des Planeten. Gegen die acht beteiligten europäischen Staaten kündigte Trump zusätzliche Zölle an. Die europäischen NATO‑Verbündeten sind anders als Trump der Meinung, dass Grönland nicht von den USA übernommen werden müsse, um die Arktis zu schützen. Dies könne die NATO im Verbund übernehmen.
Solange die USA die zu Dänemark gehörende Insel nicht kaufen könnten, sollten Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland ab dem 1. Februar zusätzliche Zölle von zehn Prozent auf alle Einfuhren in die USA zahlen, erklärte Trump. Ab dem 1. Juni würden diese Zölle auf 25 Prozent erhöht werden.
Bundeswehr zieht Truppen aus Grönland ab: Tragen Trumps Drohungen Früchte?
Auch in Deutschland blieben die Drohungen des US-Präsidenten nicht ungehört: Das Erkundungsteam der Bundeswehr soll schon heute wieder aus Grönland abziehen. Die 15 Soldaten werden die Arktisinsel mit einem Zivilflugzeug in Richtung Kopenhagen verlassen, wie ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der dpa sagte.
Das deutsche Team ist erst seit Freitagabend deutscher Zeit in Nuuk, um die Bedingungen für militärische Übungen auszukundschaften. Noch am Samstagabend hatte es geheißen, es sei nicht absehbar, wie lang der Aufenthalt sein werde. Nun sagte der Sprecher des Führungskommandos, das Team habe den Auftrag erfüllt. „Die Erkundungsergebnisse werden in den kommenden Tagen ausgewertet.“ US-Präsident Trump hatte am Samstag erneut ultimativ darauf gepocht, Grönland, das zu Dänemark gehört, den USA einzuverleiben. Er begründet dies mit Sicherheitsbedenken wegen einer angeblichen Bedrohung durch China und Russland in der Region. (Quellen: dpa, AFP, frühere Berichterstattung) (kox)