Mit einer auf das Minimale reduzierten Sanierung will Maisachs Gemeinderat die Wiedereröffnung des gesperrten Bürgerzentrums Gernlinden erreichen. Planer sollen eine finanzierbare Lösung finden.
Maisach – In der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend stand das im Rathaus erarbeitete verschlankte Konzept für das Bürgerzentrum zur Diskussion. Auf den Zuhörerplätzen: viele Vertreter von Gernlindner Vereinen, die mit der Sperrung ihre Heimat verloren haben. Bauamtsleiterin Petra Endres berichtete, dass das Landratsamt die vom Gemeinderat aufgrund von Brandschutzmängeln angeordnete Schließung des Veranstaltungskomplexes begrüße: Andernfalls hätte die Kreisbehörde eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen.
Mit Sofortmaßnahmen sichere man nun den Weiterbetrieb des für die Nahversorgung so wichtigen Netto-Marktes. Der Discounter bekommt eine weitere Brandmeldeanlage. Im zweiten Gebäudeteil neben Saal und Vereinsräumen sind über dem Netto auch Wohnungen untergebracht. Die Feuerwehr Gernlinden führte am Mittwochabend eine Anleiterübung durch. Ergebnis: Die Mieter können dort wohnen bleiben, wenn Außenleitern am Gebäude angebracht werden. Bei einer Wohnung ist die Fluchtweg-Situation laut Endres kritisch, hier müsse man nacharbeiten.
Damit ist der südliche Teil des Komplexes vorerst gerettet. Bürgermeister Hans Seidl (CSU) sagte aber auch, dass man die beiden Gebäudeteile künftig getrennt betrachten müsse. Und dass man eventuell den Teil mit Wohnungen und Discounter „zur Finanzierung des kulturellen Teils verwenden“ müsse. Denn die Finanzierung der Sanierung von Saal und Vereinsräumen ist nicht aus dem Etat zu stemmen.
Die angedachte Mini-Sanierung könnte laut Vorschlag aus dem Rathaus an die Planer durch mehrere Reduzierungen machbar sein: Der Saal soll nur noch bis maximal 200 Personen belegt werden dürfen, die Nutzung der Vereinsräume im Keller würde stark eingeschränkt.
Jugendreferent für Erhalt von Disco-Raum
Gegen die Weitergabe der Reduzierungsvorschläge an die Planer stimmte nur Jugendreferent Peter Aust (SPD). „Ich kann so nicht leben mit dem Konzept.“ Er halte den Disco-Raum für notwendig für die Jugendlichen im Ort, eine Schließung befürworte er nicht. Und auch im Raum des Burschenvereins seien die Brandschutzdefizite seiner Meinung nach nicht so groß, dass gravierende Änderungen nötig seien.
Seidl wiederholte seine Bitte, beim Konzept „so radikal wie möglich zurückzufahren“. Der Komplex sei zu groß für den aktuellen Bedarf, das jährliche Defizit zu hoch. Man wolle jetzt schnell (und damit ohne lange Diskussion) die Planer engagieren und nach etwa einjähriger Planungszeit hoffentlich an die Umsetzung gehen. „Sonst ist das Bürgerzentrum noch viel länger geschlossen.“ Derzeit geht man davon aus, dass der Kulturkomplex mindestens zweieinhalb Jahre gesperrt ist.
Angelika Simon-Kraus (Grüne) fragte nach der angedachten Miete beziehungsweise Mieterhöhung für Vereinsräume und Saal. Man einigte sich darauf, die Preise nach Fertigstellung der Sanierung neu zu kalkulieren. Die bisherigen Gebühren galten seit 25 Jahren.
Die Vorschläge gehen nun an die Planer. Diese sollen ein Konzept erarbeiten, mit dem sich die Kommune eine Sanierung leisten kann. Die bisher veranschlagten 18 Millionen Euro sind nicht leistbar.