Der impressionistische Maler Hermann Winter schuf etwa 1000 Werke. Sein Asthmaleiden konnte ihn nie vom Malen abhalten.
Dorfen – Die winterlichen Landschaften aus Dorfen und dem Isental gehören zu den augenscheinlichsten Werken von Hermann Winter. Ein Ölbild etwa, das den verschneiten Ruprechtsberg und die Pfarrkirche aus der Ferne zeigt, im Vordergrund die Obermühle – es ist vielen Einheimischen ein Begriff. Am Dorfener Dammerlberg ist ein Weg nach dem renommierten Maler und Grafiker benannt: Mit dieser Straßenbezeichnung hat der talentierte Künstler, der 1988 im Alter von 66 Jahren verstarb, eine posthume Würdigung erhalten.
Winter zog es in die Landschaft. „Er malte nicht im Atelier, sondern skizzierte seine Eindrücke direkt vor Ort. Das macht ihn als Künstler so authentisch. Bewundernswert, diese impressionistische Malweise“, erklärt Albrecht Gribl aus Lengdorf, der den Maler persönlich kannte und ein Buch über Winter herausgebracht hat. „Er war ein sehr ruhiger und bescheidener Mensch“, beschreibt der promovierte Volkskundler und ehemalige Oberkonservator bei der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in München den Charakter Winters: „Er ließ lieber seine Bilder sprechen.“
Hermann Winter verschrieb sich der Malerei und verkaufte Bilder
Hermann Winter wurde am 30. September 1922 im westfälischen Bad Salzuflen geboren. Nach einer Ausbildung zum Dekorateur stand er ab 1942 als Soldat an der Westfront und geriet nach Kriegsende in französische Gefangenschaft. Als er aus dem Lager Bad Kreuznach entlassen wurde, gelangte er über Umwege nach München, wo er an der Akademie der bildenden Künste Schüler von Professor Hermann Kaspar wurde. Um das Studium zu finanzieren, arbeitete er im ehemaligen Bekleidungshaus Schmederer in Dorfen als Dekorateur. In der Zeit lernte er seine spätere Frau kennen und wurde ab 1950 in der Isenstadt sesshaft.
Die Geborgenheit in der Familie, er hatte zwei Söhne, ermöglichte es ihm, seine künstlerische Neigung zu entfalten. Winter verschrieb sich der Malerei und begann, Bilder zu verkaufen. Erlöse von 15 Mark pro Bild reichten selbst damals nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Erst ab 1954 konnte Winter als freiberuflicher Künstler arbeiten. Zunächst beschränkte sich sein Kundenkreis auf hiesige Privatpersonen.
Ausstellungen in Dorfen, Erding, Mühldorf, Wasserburg, Rosenheim und München
Ab 1960 war Winter an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, in Dorfen und Erding, auch in Mühldorf, Wasserburg, Rosenheim, München. Das steigende Ansehen brachte ihm zusätzlich Aufträge für öffentliche Einrichtungen wie Banken oder Schulen ein, so die Wandgestaltung aus Keramik in der Dorfener Zentralschule mit Motiven von „Hemadlenzenumzug” und „Bierkrieg”. Als Höhepunkt empfing er 1985 aus den Händen des damaligen Landrats Hans Zehetmair den Kulturpreis des Landkreises.
Zahlreiche Bilder zeigen Dorfener Ansichten, auch Landschaften der näheren Umgebung. Eine Postkartenserie mit Motiven aus Dorfen und dem Isental legten die Gegner der A94 mehrmals auf. Winters Handschrift ist eine brillante Abstimmung der Farbtöne, melancholische Szenen, die zum Nachdenken und Träumen einladen.
„Er beherrschte alle gängigen künstlerischen Techniken“
Auch an religiöse Themen wie Allerseelen wagte er sich heran. Er ließ sich auf seinen Urlaubsreisen inspirieren, etwa an der Nordsee oder in der Provence. Seine Tagebücher habe Winter allesamt vor seinem Tod verbrannt, bedauert Kunstkenner Gribl. „In seine Gedankenwelt ließ er keinen blicken.“ Übrig blieb der Nachwelt sein umfassendes Werk. Gribl schätzt die Zahl von Winters Ölbildern auf etwa 1000, dazu hunderte Grafiken. „Er beherrschte alle gängigen künstlerischen Techniken.“
Schwierigkeiten bereitete ihm seine angegriffene Gesundheit. 1956 brach unerwartet ein Asthmaleiden aus. Es stellten sich häufige Krankenhausaufenthalte ein, ohne die erhoffte Linderung zu bringen. Freilich konnte Winter sein Leiden nie davon abhalten, seiner Berufung nachzugehen. Malen war für ihn im Grunde Therapie, oder anders ausgedrückt ein existenzielles Bedürfnis. Wenn ihm seine Krankheit Kräfte raubte, richtete ihn sein Schaffensdrang wieder auf. Am 28. Oktober 1988 starb er, noch voller Pläne und Ideen.