Der 80-minütige Film „Gegen das Vergessen – Weilheim in der Zeit des Nationalsozialismus“ feiert am Freitag, 30. Januar, Premiere im Stadttheater. Und die Protagonisten freuen sich über die Fülle des Materials und die Reaktion der Zuschauer.
Die Mitglieder der Weilheimer Initiative „Gegen das Vergessen – Geschichte weitergeben“, Merkur-Redakteur Roland Lory, Stadtmuseum-Leiter Tobias Güthner und Filmemacher Heribert Riesenhuber durchforschten Zeitungs- und Geschichtsarchive und sprachen mit Zeitzeugen und Historikern, suchten nach alten Bildern und Erinnerungen an jüdisches Leben in der Kreisstadt: Herausgekommen ist eine Dokumentation, die mit 80 Minuten fast doppelt so lang geworden ist wie die ursprünglich geplanten 45 Minuten. „Wir hatten einfach eine enorme Materialfülle, es wäre schade gewesen, etwas wegzulassen“, so Regisseur Heribert Riesenhuber, der auch als Kunstlehrer und freier Journalist arbeitet.
Die Idee zu diesem Film wurde in Murnau geboren. Hildegard Seel, die Leiterin der Initiative, sah sich den Film über Murnau während der NS-Zeit an und sprach den Macher, einen gewissen Heribert Riesenhuber, an, ob er sich so etwas auch für Weilheim vorstellen könne. Er konnte. „Der Mut war da, aber es fehlten Geld und Helfer“, erzählte Seel bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Premiere. So verging einige Zeit, bis Sponsoren und Helfer gefunden waren. Die Arbeit konnte beginnen.
Filmpremiere
Der Film „Gegen das Vergessen – Weilheim in der Zeit des Nationalsozialismus“ hat am Freitag, 30. Januar, um 19 Uhr Premiere im Stadttheater. Karten in den Buchhandlungen „Lesbar“ und „Zauberberg“, im Stadtmuseum und an der Abendkasse. Weitere Vorstellungen im Kinocenter Trifthof sind am Mittwoch, 11. Februar, 17.30 Uhr, und am Samstag, 28. Februar, 17 Uhr.
Auch Roland Lory erklärte sich vor über einem Jahr zur Mitarbeit bereit. Er hatte bereits in früheren Jahren ausgiebig zur NS-Zeit in Weilheim recherchiert und konnte Bilder und Recherchematerial zur Verfügung stellen. Der Helferkreis innerhalb der Initiative wuchs auf rund 20 an, darunter auch einige Schüler aus verschiedenen Weilheimer Schulen. Nicht ganz uneigennützig war die Unterstützung von Museumsleiter Tobias Güthner: Er möchte das Haus am Marienplatz nach einem Umbau auch der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts öffnen: „Beim Museum ist im 18. Jahrhundert Schluss“, merkte Stadtrat Karl-Heinz Grehl von der Initiative an.
Einsatz gegen das Vergessen geht weiter
Der Film sei dank Riesenhuber ein „Geschenk“, so Grehl. Und Hildegard Seel ergänzte, dass der Film keineswegs als Abschluss, sondern als eine Bestandsaufnahme zu betrachten sei. Dank der vielen Kontakte hätten sich viele Türen aufgetan, der Einsatz gegen das Vergessen gehe weiter. Die Initiative plant unter anderem, Gedenktafeln im Stadtgebiet anzubringen, die an jüdisches Leben erinnern sollen.
Endlich ist hingegen die Befragung von Zeitzeugen. Drei von ihnen seien während der Dreharbeiten verstorben, so Seel. Die Befragungen selbst haben laut Riesenhuber enorm viele interessante Details zutage gefördert, obwohl anfangs viele gemeint hätten, sie könnten sich nur schlecht erinnern oder hätten doch nichts Interessantes beizutragen. Einer dieser Zeugen erinnerte sich noch ganz genau, wie er als kleiner Bub voller Stolz mit seinen Eltern beim Einkauf im jüdischen Kaufhaus „Buxbaum“ dabei sein durfte. Die Inhaber und ihre Tochter wurden 1942 im litauischen Kaunas erschossen, das Kaufhaus bereits 1938 der Familie weggenommen.