Die Wasserstofftankstelle am Irschenberg ist Geschichte

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Abgebaut und weg: Maximilian Mühlpointner vor der nicht mehr vorhandenen Wasserstoffzapfsäule an seiner Tankstelle in Irschenberg. © Steffen Gerber

Die H2-Zapfsäule am Irschenberg wurde wegen mangelnder Auslastung abgebaut. Südlich von München gibt es nun keine Wasserstofftankstelle mehr.

Irschenberg – Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist zuständig für den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland. Im Februar 2021 hatte die Firma ihre 19. Wasserstofftankstelle in Bayern eröffnet. Mit dem Standort am Irschenberg sollte eine Versorgungslücke zwischen München und Salzburg beziehungsweise Innsbruck geschlossen werden. Maximilian Mühlpointner, Juniorchef der i-Tank Waldschütz GmbH, die die Eni-Tankstelle in Irschenberg leitet, hatte sich damals sehr dafür eingesetzt, dass seine Tankstelle eine Wasserstoffzapfsäule erhält. Über das Aus seien er und seine Familie sehr enttäuscht gewesen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir sind überzeugt davon, dass das Zukunft hat“, ergänzt Ehefrau Theresia Mühlpointner.

Obwohl die Anlage an der Transitstrecke nach Österreich liegt, blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. Im Juli 2022 berichtete eine Unternehmenssprecherin von monatlich 40 Autos, die insgesamt 140 Kilo Wasserstoff tankten. „Damit liegt die Station unter unserem Durchschnitt von etwa 180 Kilo Wasserstoff pro Monat und 50 Betankungen“, hieß es damals. Das scheint mutmaßlich noch weniger geworden zu sein. Pressesprecherin Daniela Dietz berichtet auf Nachfrage von einer zuletzt „stark unterdurchschnittlichen Auslastung“. Nähere Angaben will das Unternehmen nicht machen.

Wasserstoff-Autos

Wasserstoff-Autos oder korrekt Brennstoffzellen-Autos sind im Grunde Elektrofahrzeuge. Der Unterschied zum „normalen“ E-Auto: Im Fahrzeug ist eine Brennstoffzelle samt Wasserstofftank verbaut, die den Strom für den Antrieb während der Fahrt erzeugt. Lokal sind sie emissionsfrei, ähnlich wie Batterie-E-Autos. Im Landkreis Miesbach sind nach Auskunft des Landratsamts derzeit zwei Fahrzeuge zugelassen, die hybrid mit Benzin/Wasserstoff betrieben werden. Im Bereich ÖPNV fahren keine Wasserstoffbusse im Landkreis.

Die Anlage in Irschenberg ist laut Dietz bis 30. Juni des vergangenen Jahres in Betrieb gewesen. Anschließend wurde sie stillgelegt und abgebaut. „Bei der Errichtung neuer Standorte verwerten wir möglichst viele Anlagenkomponenten wieder“, versichert die Pressesprecherin. „Aus Irschenberg kann im Grunde alles wiederverwendet werden. Insbesondere der Verdichtercontainer als Herzstück der Anlage ist interessant für neue Projekte, da er dort zum Beispiel als Booster verwendet werden kann.“

Südlich von München gibt es derzeit keine einzige öffentliche Wasserstofftankstelle mehr. Man arbeite mit Nachdruck daran, die Infrastruktur bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, versichert das Unternehmen. „Setzen Verkehrs- und Logistikunternehmen in einer Region auf Wasserstoff für die Dekarbonisierung ihrer Flotten und sind Wasserstoffproduktionsanlagen in räumlicher Nähe vorhanden oder in Planung, prüfen wir alle weiteren Bedingungen für den Bau einer Tankstelle.“ Die wichtigsten Voraussetzungen seien die Nachfrage und eine redundante Wasserstoffversorgung.

Stichwort Nachfrage: Aktuell entwickle diese sich dort, wo Wasserstoff seine Stärken ausspielen könne: im Bereich Logistik und im ÖPNV. „Allein im Bussegment hat sich die Zahl der Fahrzeuge in zwei Jahren fast verdreifacht“, so die Unternehmenssprecherin. Bei stetig steigendem Mengenabsatz würden die 350-bar-Betankungen (Lkw, Busse) inzwischen deutlich die 700-bar-Betankungen (Pkw, Müllsammler) an den firmeneigenen Stationen übertreffen. Aktuell liege man bei einem 60:40-Verhältnis, Tendenz steigend.

Fläche wird wohl zum Parkplatz werden

Nach dem Rückzug von H2 Mobility bemühten sich die Mühlpointners, die für die Anlage den Grund zur Verfügung gestellt hatten, um einen Nachfolger, bisher leider erfolglos. Nach dem Rückbau wird aus der Fläche wohl wieder ein Parkplatz werden, kündigt Maximilian Mühlpointner an.

In den Bau der Wasserstofftankstellen seien damals immense staatliche Fördergelder geflossen, blickt Maximilian Mühlpointner zurück. Jetzt werden viele Anlagen wieder aufgegeben. „Das stört mich schon“, kritisiert der Unternehmer. „Da verliert man den Glauben an die Politik, die zulässt, dass sowas passiert.“