Abwärtstrend für Russlands Wirtschaft: Putins Handelspartner zieht den Stecker

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Russlands Handelspartner will keinen Strom mehr importieren. Auch nicht die Mindestmenge, die im Vertrag festgehalten wurde. Grund seien die zu hohen Preise.

Moskau – China will aus Russland keinen Strom mehr importieren und hat die Käufe zum ersten Januar 2026 vollständig eingestellt. Der Stromliefervertrag zwischen den beiden Ländern läuft laut der Zeitung Kommersant bis 2037. Doch nicht mal die vertraglich geregelte Mindestmenge an Strom will China importieren.

Zu hohe Preise? Russland bemüht sich weiterhin um Stromverkäufe nach China

Quellen sagten gegenüber Kommersant, dass die Stromimporte wieder aufgenommen werden könnten. Allerdings sei der Exportpreis für Stromlieferungen gestiegen und liege seit Januar 2026 über den chinesischen Inlandspreisen. Dadurch rentiere sich der Kauf russischen Stroms nicht für China.

China will keinen Strom mehr aus Russland importieren – nicht mal die Mindestmenge aus dem Vertrag. © Pavel Bednyakov/dpa/Bernd Weißbrod/dpa

Gegenüber Reuters teilte das russische Energieministerium mit, dass die Priorität darin bestehe, den steigenden Strombedarf im russischen Fernen Osten zu decken, dass man die Lieferungen nach China aber je nach den vereinbarten Bedingungen wieder aufnehmen könne.

„Russland könnte die Stromexporte nach China wieder aufnehmen, wenn es eine entsprechende Anfrage aus Peking erhält und für beide Seiten vorteilhafte Kooperationsbedingungen erzielt werden“, hieß es. Es wurde nicht klargestellt, ob die Entscheidung zur Einstellung der Lieferungen von China oder Russland ausging.

Russlands Wirtschaft versorgt China im Rahmen eines Langzeitvertrags mit Strom

China bekommt den russischen Strom von der Firma InterRAO geliefert. Der 2012 unterzeichnete Stromvertrag sieht eine Lieferung von rund 100 Milliarden Kilowattstunden nach China über einen Zeitraum von 25 Jahren vor. Im Rahmen des Vertrags sollen die zwischenstaatlichen Übertragungsleitungen im Fernen Osten geregelt werden. Die Übertragungskapazität der Fernleitungen, die das Stromnetz des Fernen Ostens mit den nordöstlichen Provinzen Chinas verbinden, ermöglicht Lieferungen von bis zu sieben Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Die im Vertrag festgelegte Strompreisformel ist unbekannt. Laut der Zeitung Kommersant dient wahrscheinlich der Einheitstarif im Fernen Osten als Orientierung (Kapazität plus Stromkosten), zudem würden die Übertragungsgebühren des Stromnetzes in der Berechnung berücksichtigt. Chinesische Importeure verkaufen den Strom anschließend zum Endkundenpreis.

Abwärtstrend beim Handel mit China: Russlands Wirtschaft fährt Stromexporte zurück

Über die Jahre hinweg fuhr Russland die Stromverkäufe immer weiter zurück. Nach einem Rekordexportniveau von 4,6 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2022 hat Russland die Lieferungen nach China aufgrund von Engpässen und einem Mangel an Stromkapazitäten im Fernen Osten reduziert. Im Jahr 2023 sanken die Exporte nach China auf 3,1 Milliarden Kilowattstunden. Der Abwärtstrend setzte sich fort und so importierte China laut Reuters im Jahr 2024 0,9 Milliarden Kilowattstunden Strom. Im Jahr 2025 wurden innerhalb der ersten neun Monate nur 0,3 Milliarden Kilowattstunden nach China geliefert.

Eine Kündigung des Stromvertrags steht offenbar nicht im Raum. „Die Parteien sondieren derzeit aktiv Möglichkeiten für den Stromhandel“, zitierte Kommersant das russische Unternehmen InterRAO. „Auch die chinesische Seite, mit der wir in ständigem Kontakt stehen, hat kein Interesse an einer Kündigung des Vertrags geäußert.“

Nicht nur beim Strom gehen die Handelszahlen zwischen Russland und China zurück. Der generelle Handel Chinas mit Russland ist im Jahr 2025 nach einem Rekordniveau im Jahr 2024 zurückgegangen und sank damit zum ersten Mal seit fünf Jahren, wie chinesische Daten jüngst zeigten. Der Handel belief sich auf insgesamt 1,63 Billionen Yuan (234 Milliarden US-Dollar). Der Rückgang folgte auf eine sinkende Nachfrage nach chinesischen Autos in Russland und einen Wertverfall der chinesischen Importe von russischem Rohöl. (Quellen: Kommersant, Reuters) (bohy)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/offenbar-aerger-um-preise-russlands-handelspartner-zieht-sich-selbst-den-stecker-94127355.html