Die FDP im Südwesten nimmt sich Markus Söder zum Vorbild. Vor der Wahl in Baden-Württemberg werben die Liberalen für die Atomkraft.
Stuttgart/Ulm – Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die FDP im Südwesten einen kontroversen Vorschlag zur Energiepolitik gemacht: Sie will gemeinsam mit Bayern neue Atomkraftwerke nach Süddeutschland holen. Ein entsprechendes Positionspapier verabschiedete die FDP-Landtagsfraktion auf ihrer Klausurtagung in Ulm.
„In Bayern sehen wir einen Verbündeten, um den Bau von Mini-Atomkraftwerken in den 30er-Jahren sowie Kernfusion nach Süddeutschland zu holen“, erklärte Hans-Ulrich Rülke, Fraktionschef der FDP und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 8. März, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Im Fall einer Regierungsbeteiligung will sich die FDP dafür einsetzen, dass sich die neue Landesregierung klar zur Atomkraft bekennt.
Plan vor der BW-Landtagswahl: FDP will mit Bayern Mini-Atomkraftwerke in den Süden holen
Der Plan sieht vor, gemeinsam mit Bayern den Weg für kleine Kernreaktoren, sogenannte Small Modular Reactors (SMR), zu ebnen und mögliche Standorte zu identifizieren. Zusätzlich strebt die FDP an, mehr Gas aus Argentinien zu beziehen und die Forschung zur Kernfusion zu intensivieren.
Die FDP begründet ihren Vorstoß mit wirtschaftlichen Überlegungen. Es werde für den Standort Baden-Württemberg zentral sein, auch künftig ausreichend und günstige Energie zu haben, heißt es in dem FDP-Papier, das der dpa vorliegt. Die Partei argumentiert, dass viele starke Volkswirtschaften wie die USA, Kanada, Großbritannien, Norwegen und die Niederlande auf SMR für ihre zukünftige Energieversorgung setzen.
Söder forderte schon mehrfach kleine Atomkraftwerke
Erst kürzlich hatte die im Nachbarbundesland Bayern regierende CSU ebenfalls eine Rückkehr zur Atomkraft gefordert. Energiepreise sollten langfristig durch günstige Erzeugung in Deutschland und nicht durch teure Importe oder Subventionen gesenkt werden. „Daher wollen wir diese kleineren Atomreaktoren für kostengünstige Energiegewinnung für Deutschland einführen“, heißt es in einem Papier der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich mehrfach für Mini-Atomkraftwerke ausgesprochen.
Small Modular Reactors (SMRs)
Die von der FDP favorisierten Small Modular Reactors sind eine neuartige Form von Kernreaktoren. Sie sind kleiner als herkömmliche Atomkraftwerke und sollen modular aufgebaut werden können. Befürworter argumentieren, dass SMRs sicherer und flexibler einsetzbar seien als traditionelle Großkraftwerke. Weltweit existieren mehr als 130 verschiedene SMR-Konzepte, darunter Leichtwasserreaktoren, Brutreaktoren und Hochtemperaturreaktoren. Tatsächlich in Betrieb sind derzeit nur wenige Anlagen: ein Demonstrationsprojekt in China (HTR-PM) und zwei russische Reaktoren (KLT-40S). Die meisten SMR-Projekte befinden sich noch in der Planungsphase.
FDP wirbt vor BW-Landtagswahl für Mini-Atomkraftwerke
Auch sie will die kleinen Atomkraftwerke haben, um die Wirtschaft zu fördern. Es werde für den Standort Baden-Württemberg zentral sein, auch künftig ausreichend und günstige Energie zu haben, heißt es in dem FDP-Papier vor der BW-Landtagswahl. „Viele starke Volkswirtschaften wie die USA, Kanada, Großbritannien, Norwegen oder die Niederlande setzen auf SMR für ihre Energieversorgung der Zukunft“, schreiben die Liberalen. Für den Südwesten seien die neuen Kraftwerke auch deshalb besonders wichtig, weil viele Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz enorme Mengen Energie benötigten. (Quelle: dpa, Wikipedia) (cs)