OB-Kandidaten streiten über Fußgängerzone und Radfahrer-Verbot

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Die Kandidaten im großen FT-Check: Redaktionsleiter Manuel Eser (6. v. l.) fühlte (v. l.) Felix Albrecht, Jens Barschdorf, Nicolas-Pano Graßy, Nico Heitz, Birgit Mooser-Niefanger, Monika Schwind, Peter Warlimont, Daniel Hubensteiner und Simon Schindlmayr in der Luitpoldhalle auf den Zahn. © Mann

Radverkehr raus aus der Freisinger Innenstadt? Diese Frage trieb OB-Kandidaten und Publikum bei der Podiumsdiskussion um. Es gab aber auch andere heiße Eisen.

Freising - Es ging Schlag auf Schlag, nachdem FT-Redaktionsleiter Manuel Eser die neun Protagonisten einzeln auf die Bühne gebeten hatten. Es folgte ein kurzweiliger Mix aus Quiz-Elementen und harten kommunalpolitischen Fragen, eine Mischung aus Unterhaltung und Information. Die Frage, ob Freising eine große Fußgängerzone brauche, rief gleich einmal alle Neun auf den Plan. Birgit Mooser-Niefanger (Für Freising) befürwortete das, denn „so wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen“.

Wildes Parken und Durchfahren – „das Problem sind die Rambos“. Monika Schwind (FSM) plädierte hingegen dafür, die jetzige Lösung erst einmal zu erproben, schließlich sei sie erst seit Dezember in Kraft. Im Herbst 2026 müsse man weitersehen. Jens Barschdorf (FDP) betonte, man habe für eine Verbesserung der Situation bisher zu wenig kontrolliert.

Erst wenn alles nicht hilft, gehören die Radfahrer raus.

Auf Publikumsnachfrage von Anton Hirschfeld, warum die Radfahrer nicht aus der Fußgängerzone verbannt würden, legte Barschdorf nach: „Wir haben noch nicht alles probiert. Erst wenn alles nicht hilft, gehören die Radfahrer raus.“ Simon Schindlmayr (CSU) würde zumindest in der jetzigen Kern-Fußgängerzone das Radfahren untersagen und Daniel Hubensteiner (FW) die Innenstadt zwischen 21 und 8 Uhr für Radfahrer freigeben.

Eine Fußgängerzone ohne Radler fordert Anton Hirschfeld.
Eine Fußgängerzone ohne Radler fordert Anton Hirschfeld. © Lehmann

Eher skeptisch zu einer radfahrerfreien Innenstadt äußerten sich Peter Warlimont (SPD) und Felix Albrecht (Volt/ÖDP), die darauf verwiesen, dass es sich bei der Oberen und Unteren Hauptstraße um eine Durchgangsstrecke handle. Nico Heitz (Grüne) betonte, man habe viele Jahre diskutiert, dazu auch diverse Entscheidungen im Stadtrat getroffen. Er könne sich aber einen Bürgerentscheid gut vorstellen. Da lag er mit Nicolas Graßy (Freising für alle) auf einer Linie, der verriet, man bereite gerade ein Bürgerbegehren vor („Da kommt bald was“).

Die zu großen E-Busse in der Innenstadt beklagte Nino Landesberger.
Die zu großen E-Busse in der Innenstadt beklagte Nino Landesberger. © Lehmann

Nino Landesberger klagte in der Publikumsrunde, nachdem die riesigen E-Busse angeschafft seien, dürfe die Außenbestuhlung des Furtner „mikroskopisch ausfallen“. Schwind antwortete, man müsse vielleicht dafür sorgen, dass gegenüber keine Räder mehr an das Moosachgeländer gekettet würden. Das Radfahrproblem in der Erdinger Straße sprach Julian Pitz an: Dass der bisherige Lösungsversuch nicht geklappt habe, gaben Schindlmayr und Heitz zu, kündigten aber an, als OB nach einer Lösung zu suchen.

Unterschiedliche Vorschläge, Freising familienfreundlicher zu machen

Die Frage, was es für ein familienfreundliches Freising brauche, brachte diverse Vorschläge ans Tageslicht: Hubensteiner sah darin alle Maßnahmen, die dafür sorgen, „dass Kinder sicher an ihr Ziel kommen“. Mooser-Niefanger plädierte dafür, den Grünen-Antrag, Freising zu einer kinderfreundlichen Stadt nach Unicef-Vorgaben zu gestalten, umzusetzen und eine Art Familienbüro einzurichten. Schindlmayr würde Tagesmütter und Kindertagespflege ausbauen, um die Kita-Situation zu verbessern, sowie Vereine und Ehrenamt als „Orte der Familie“ weiter unterstützen. Heitz will – wenn nötig auch ohne Zuschüsse – den kommunalen Wohnungsbau wieder auf den Weg bringen, sei das doch die sozialpolitische Frage schlechthin, an der alles hänge. Graßy möchte sich für bezahlbare Kita-Plätze stark machen und Familienzentren aufbauen.

Volles Haus: Eisglatte Gehwege und Straßen hielten die interessierten Freisinger Wählerinnen und Wähler nicht davon ab, am Montagabend zur FT-Podiumsdiskussion in die Luitpoldhalle zu kommen. Immerhin ging es um den künftigen OB Freisings.
Volles Haus: Eisglatte Gehwege und Straßen hielten die interessierten Freisinger Wählerinnen und Wähler nicht davon ab, am Montagabend zur FT-Podiumsdiskussion in die Luitpoldhalle zu kommen. Immerhin ging es um den künftigen OB Freisings. © Lehmann

Schwind betonte, das jetzige Kita-Gebühren-Modell werde noch einmal überarbeitet, Spielgeräte auch für körperlich eingeschränkte Kinder und eine bessere Aufenthaltsqualität für Eltern an Spielplätzen wären kleine, aber wichtige Maßnahmen. Warlimont möchte zur Personalgewinnung der Kitas enger mit den Schulen zusammenarbeiten und eine „Agenda Bezahlbares Wohnen“ aufstellen. Das Bürgerbüro wieder ohne Terminabsprache zu öffnen, ist für Barschdorf wichtig. Und Albrecht schließlich hat vor, jedes Jahr 100 Wohnungen zu realisieren und bei größeren Bauprojekten von Investoren die Quote der sozialverträglichen Wohnungen von 30 auf 40 Prozent zu erhöhen.

Streetworker für den Steinpark im Gespräch

Schwind betonte, das jetzige Kita-Gebühren-Modell werde noch einmal überarbeitet, Spielgeräte auch für körperlich eingeschränkte Kinder und eine bessere Aufenthaltsqualität für Eltern an Spielplätzen wären kleine, aber wichtige Maßnahmen. Warlimont möchte zur Personalgewinnung der Kitas enger mit den Schulen zusammenarbeiten und eine „Agenda Bezahlbares Wohnen“ aufstellen. Das Bürgerbüro wieder ohne Terminabsprache zu öffnen, ist für Barschdorf wichtig. Und Albrecht schließlich hat vor, jedes Jahr 100 Wohnungen zu realisieren und bei größeren Bauprojekten von Investoren die Quote der sozialverträglichen Wohnungen von 30 auf 40 Prozent zu erhöhen.

Die Situation am Steinpark sprach Anke Neumeier an.
Die prekäre Situation am Steinpark sprach Anke Neumeier an. © Lehmann

So gar nicht familienfreundlich gehe es im Steinpark zu, wie Zuhörerin Anke Neumeier schilderte: Sie sei inzwischen weggezogen. Mooser-Niefanger zeigte sich davon „erschüttert“, setzte auf einen Streetworker – so wie auch Schwind, die ebenso wie Warlimont schon einmal vor Ort war: einen Streetworker anstellen, den Karwendelpark priorisieren, das im Norden Freisings fehlende Jugendzentrum ins Auge fassen – so die möglichen Rezepte.

Auch über das Uferlos wird diskutiert

Wichtig war das Thema Finanzen: Albrecht schlägt hier vor, nicht alle frei gewordenen Stellen in der Verwaltung wieder zu besetzen; Barschdorf betonte, es sei zentral, „die Finanzen in den Griff zu bekommen“, weil man sich sonst die so wichtige Förderung von Sport und Kultur nicht mehr leisten könne; Mooser-Niefanger forderte, die Parteien und Gruppierungen müssten mehr miteinander reden, um Sparpotenziale zu entdecken, damit das nicht wie in den vergangenen zwei Jahren „unser toller Kämmerer und armer Oberbürgermeister“ richten müssten; Schindlmayr sprach davon, als erste Maßnahme Start-ups aus Weihenstephan zu fördern, um so auf lange Sicht mehr Gewerbesteuer für Freising zu generieren.

Auch eine Frage des Geldes ist die Unterstützung für das Uferlos-Festival: Dass man als Mitveranstalter auftrete, befürwortet Schwind nicht, dass die Stadt aber als Sponsor fungiere und für 2026 mit 80 000 Euro in die Bresche springe, fand sie „ein tragfähiges Konzept“. Für Heitz gehe es darum, dem Uferlos-Festival Sicherheit für einen Neustart mit neuem Geschäftsführer zu ermöglichen.

Einen kommunalpolitischen Neustart mit neuem Oberbürgermeister gibt es dann am 2. Mai. Bis dahin gilt der Appell von Tagblatt-Redaktionsleiter Manuel Eser: „Bitte gehen Sie wählen.“

Zum Abschluss der Veranstaltung konnte das Publikum in der Halle und im Live-Stream auch darüber abstimmen, wer an dem Abend am meisten überzeugt hat.

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