Nach der Feuer-Tragödie in Crans-Montana kommen neue Details ans Licht. Auch die Frau, die den Brand mutmaßlich unabsichtlich ausgelöst hat, soll unter den Toten sein.
Crans-Montana – 40 überwiegend sehr junge Menschen sind bei dem Brand in Crans-Montana ums Leben gekommen, 116 wurden verletzt. Rund 80 Verletzte befinden sich mit überwiegend schweren Verbrennungen in Krankenhäusern. Nun gibt es neue, erschütternde Details. Unter den Todesopfern befinde sich auch die Frau, die unabsichtlich das Feuer in der Silvesternacht ausgelöst habe. Ihre Familie äußert sich.
Ereignet hat sich die Feuer-Tragödie am Neujahrsmorgen gegen 01:30 Uhr in der zweigeschossigen Bar Le Constellation. Bereits kurz nach der Tragödie zeigte ein Video den mutmaßlichen Auslöser der Katastrophe: eine Kellnerin, die auf den Schultern einer anderen Person sitzt und in ihren Händen funkensprühende Partyfontänen in Champagnerflaschen hält. Nach ersten Ermittlungen sollen diese Fontänen den Schaumstoff an der Decke in Brand gesetzt haben.
Nach Tragödie in Crans-Montana: Bar-Betreiber äußern sich
Einem Bericht zufolge soll sich unter den Verstorbenen auch die junge Kellnerin befinden, die das Feuer möglicherweise versehentlich entfacht habe. Diese Informationen stammen vom schweizer Portal tagesanzeiger.ch, das sich auf Aussagen mehrerer Personen beruft. Das Betreiberpaar der Unglücks-Bar will die junge Frau ebenfalls auf Bildern erkannt haben, die den Ausbruch des Feuers zeigen sollen. Die Einvernahmeprotokolle sollen dem schweizer Portal zudem vorliegen.
Der Bar-Betreiber selbst will zum Zeitpunkt des Unglücks gar nicht in der Bar gewesen sein. Seine Frau Jessica habe ihn telefonisch informiert. Kurz darauf sei er am Unglücksort eingetroffen. Über eine Servicetür habe er ins Innere der Bar gelangen wollen, diese sei jedoch von innen verriegelt gewesen. Hinter dieser verschlossenen Tür sollen gleich mehrere Todesopfer gelegen haben. Darunter auch die junge Kellnerin. Moretti will sie nach eigenen Angaben ins Freie gezogen haben. Doch für die junge Frau kam jede Hilfe zu spät.
Das Portal zitiert die Anwälte der Familie der jungen Kellnerin wie folgt: „Was auch immer die Untersuchung ergeben wird, diese junge Frau hat die Anweisungen ihrer Arbeitgeber befolgt. Sie hat vor der Geschäftsführerin getan, was von ihr verlangt wurde. Das war nichts Ungewöhnliches. (...) Diese junge Angestellte trägt keinerlei Verantwortung“. Und laut Tagesanzeiger.ch habe Moretti tatsächlich den Einsatz dieser Effekte bestätigt. Diese seien seit rund zehn Jahren im Einsatz gewesen, nie sei etwas passiert.
Auch die Frau des Bar-Betreibers, Jessica Moretti, habe laut dem Portal zugegeben, dass die Effekte beim Servieren von Champagner verwendet wurden, um „Stimmung zu machen“. „Ich habe das nie verlangt, aber auch nie verboten“, habe Jessica Moretti laut dem Portal gesagt.
Familie trauert nach Crans-Montana-Tragödie um junge Frau
Die Familie der jungen Kellnerin ist nach den Geschehnissen in tiefer Trauer. Die Eltern der jungen Frau haben sich gegenüber dem französischen Sender France 3 geäußert. Demnach habe die Mutter einen Verdacht geäußert, warum die Tür verschlossen gewesen sei: „Der Besitzer hatte Angst, dass die Gäste nicht bezahlen würden“. Der Vater der jungen Frau habe zudem erklärt: „Ich denke, die Wut wird schnell überhandnehmen. Aber im Augenblick beerdigen wir unsere Tochter, und das so würdevoll wie möglich. Alles Weitere kommt danach.“
Jacques Moretti sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die leitende Staatsanwältin hatte dies mit Fluchtgefahr begründet. Moretti ist Franzose. Seine Frau Jessica bleibt auf freiem Fuß. Wie die örtlichen Behörden einräumten, war die Bar zuletzt 2019 auf Brandschutzmaßnahmen untersucht worden, obwohl solche Kontrollen eigentlich jedes Jahr vorgeschrieben sind. Die Anwälte des Ehepaars betonten, dass die beiden keine Absicht hätten, sich den Ermittlungen zu entziehen. Quellen: dpa, tagesanzeiger.ch, france 3, eigene Recherche (jl).