Der Historische Verein Bad Tölz bietet acht spannende Vorträge. Die Themen reichen von Konrad Adenauer bis zur Sendlinger Mordweihnacht.
Bad Tölz – Ein breites Themenfeld beackert der Historische Verein für das Bayerische Oberland in Bad Tölz mit seiner Vortragsreihe im historischen Sitzungssaal des Tölzer Stadtmuseums. Einmal im Monat an einem Mittwoch gibt es dort interessante geschichtliche Einblicke und namhafte Referenten. Die Themenpalette in diesem Jahr reicht vom Tölzer Fasching bis zur Sendlinger Mordweihnacht, von den mittelalterlichen Waldbewohnern bis hin zur alten Tölzer Tracht. Der Eintritt ist immer frei. Beginn ist um 19.30 Uhr.
Mittwoch, 21. Januar
Zum Auftakt stellt Prof. em. Dr. Norbert Frei seine Ende 2025 erschienene Biografie „Konrad Adenauer (1876-1967) – Kanzler nach der Katastrophe“ vor. Adenauers Geburtstag jährt sich heuer zum 150. Mal. Als erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland legte er wichtige Fundamente für die Erfolgsgeschichte Westdeutschlands. Frei, „einer der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands“, wie es in der Ankündigung heißt, wird in seinem Vortrag auf den aktuellen Stand der Forschung zu Leben und Wirken des „größten Deutschen“ eingehen.
Mittwoch, 11. Februar
Närrisch wird es dann beim zweiten Vortrag. Es gibt ein filmisches Wiedersehen mit dem Tölzer Fasching. „Es ist ein kleiner Schatz, den die Katholische Jugend hütet und auf den der Journalist Christoph Schnitzer aufmerksam geworden ist: Filme über Faschingsbälle der KJG in den 1960er-Jahren“, so die Ankündigung. Die Macher der Filme seien Amateure gewesen, fingen die bestens besuchten Themen-Bälle aber auf hohem Niveau ein. „Die Tölzerinnen und Tölzer, die dabei waren, können sich staunend wiedererkennen, und ihre Kinder und Enkel sehen, dass die (Groß)Eltern auch mal jung waren.“ Durch den Abend führt „Zeitzeuge“ Ludwig Bernhard.
Mittwoch, 18. März
„Liebes Fräulein Herz“ – Thomas Mann, Katia Mann und Ida Herz: Darum geht es am Vortragsabend im März. Zu Gast ist Dr. Holger Pils (München), Geschäftsführer der Stiftung Lyrik Kabinett und Vorstandsmitglied der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft. Die jüdische Buchhändlerin Ida Herz war Thomas Manns treueste Leserin und erste Archivarin. Mann nahm Anteil an ihrem Exilschicksal und porträtierte sie im „Doktor Faustus“. In über 30 Jahren schrieb Thomas Mann Ida Herz 336 Briefe und Postkarten. Erstmalig liegen jetzt im S. Fischer Verlag alle Briefe ediert vor. Herausgeber ist Holger Pils.
Mittwoch, 15. April
Seit jeher ist der Wald von Märchen und Mythen umrankt, besonders in Bayern. Er ist gleichzeitig forstwirtschaftlicher Nutzraum und Naherholungsgebiet, aber auch angsteinflößende Dunkelheit und Einsamkeit. Der Historiker Markus Christopher Müller von der LMU München, ausgewiesener Experte für die mittelalterliche Geschichte Bayerns, beleuchtet die Frage: „Bienen, Drachen und Hirsche – wer wohnt im mittelalterlichen Wald?“
Mittwoch, 20. Mai
Am Heiligen Abend gedachte auch die Tölzer Schützenkompanie wieder der Opfer der Sendlinger Mordweihnacht von 1705. Doch wie entstand diese Tradition, und warum sind die Gebirgsschützen Träger der Erinnerung geworden? Der Vortrag „Die Gebirgsschützen und ,ihre‘ Sendlinger Mordweihnacht“ zeichnet nach, wann das öffentliche Gedenken entstanden ist und wie es sich vom 19. Jahrhundert bis heute verändert hat. Referent ist Adrian Hofmann M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bayerische Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Mittwoch, 10. Juni
Die Reihe „Bad Tölz vor 100 Jahren“ erfreut sich großer Beliebtheit. Im Juni blickt Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr, unterstützt von Birgit Botzenhart, anhand der Tölzer Stadtchronik und der Lokalpresse auf die Ereignisse in der großen Politik im Jahr 1926 und darauf, wie sie sich auf kommunaler Ebene in Bad Tölz auswirkten.
Mi., 23. September
Um Verbrechen und Strafe im Herzogtum Baiern anhand der Gerichtsrechnungen des Pfleggerichts Tölz im 17. und 18. Jahrhundert geht es nach der Sommerpause im September-Vortrag. Es spricht der Rechtshistoriker und Rechtsanwalt Andreas Bachmann. „Durch eine statistische Vollerfassung der Gerichtsrechnungen des Pfleggerichts Tölz ist der Referent in seiner Promotion zu hochinteressanten Ergebnissen hinsichtlich der Deliktsarten, der Sozial- und Binnenstrukturen von Tätern und Opfern, der Relation zwischen Delikten und Bevölkerungszahl sowie der Tatorte gelangt“, so die Ankündigung.
Mittwoch, 21. Oktober
Im Zeichen der Tölzer Leonhardifahrt steht dann der Vortrag im Oktober. Die Wallfahrt verbindet Glauben, Gemeinschaft und regionale Identität. Der Vortrag von Lea Sophie Rodenberg, Leiterin der Sammlung Tracht – Gwand – Mode des Freilichtmuseums Glentleiten, richtet den Blick auf ein zentrales Element der Festkultur: die alte Tölzer Tracht. „Dabei geht es nicht nur um Fuchspelz, Seide und Riegelhauben, sondern auch um die Bedeutungen und die Geschichte, die sich hinter dem festlichen Gewand verbergen.“